Wirtin Barbara König hat eine neue Idee, die Gastwirtschaft durch die Krise zu bringen: Ab dem 1. Mai gibt es in Hofheims Waldgaststätte "Forstfood" zum Mitnehmen.
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Wirtin Barbara König hat eine neue Idee, die Gastwirtschaft durch die Krise zu bringen: Ab dem 1. Mai gibt es in Hofheims Waldgaststätte "Forstfood" zum Mitnehmen.

Gastronomie

Hofheim: Kaiserschmarrn von Frau König

  • vonManfred Becht
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Oben die Aussicht genießen, unten ein Bierchen trinken und gut essen. In normalen Zeiten ist der Meisterturm hoch über Hofheim eines der beliebtesten Ausflugsziele in der Region. In Corona-Zeiten ist alles anders. Aber immerhin: Am 1. Mai öffnet der Waldkiosk der Gaststätte am Meisterturm. Die geplante Generalsanierung der Gaststätte hat die Stadt aus Rücksicht auf die Pächterfamilie König erstmal verschoben.

Hofheim -Der Ernst der Lage in der Corona-Pandemie war Anfang des vergangenen Jahres für viele noch nicht ganz abzusehen, sonst hätte die Stadt Hofheim die Öffentlichkeit nicht darüber informiert, dass die Gaststätte am Meisterturm abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll. Die Pandemie hat der Betreiberfamilie bereits im vergangenen Jahr gehörig das Geschäft verhagelt. Und inzwischen setzte sich die Erkenntnis durch, dass den Pächtern eine weitere Zwangspause, die mit einem Umbau verbunden wäre, wirtschaftlich nicht zugemutet werden kann.

Der Abbruch sei vorläufig abgeblasen worden, sagt der für die städtischen Gebäude zuständige Stadtrat Bernhard Köppler auf Anfrage dieser Zeitung. Derzeit werde geschaut, welche unaufschiebbaren Baumaßnahmen vorgenommen werden müssen, damit der Betrieb noch eine Weile weitergehen könne. "Die Planungen laufen, und es wurden gute Gespräche für eine Neuausrichtung des Meisterturms geführt", ergänzt Jonathan Vorrath von der Pressestelle im Rathaus.

Dabei ist klar, dass aufgeschoben nicht aufgehoben ist. Denn die Sanitär- und Elektroinstallationen sind vollkommen veraltet, die Fußböden in die Jahre gekommen und müssen bei einer Sanierung komplett ausgetauscht werden. Im Wohnhaus steigt in den Wänden die Feuchtigkeit auf, und die Scheune ist ebenfalls in einem maroden Zustand. Das klingt, keine Frage, nach einem Totalschaden. Der Neubau kommt - er wird nur noch eine Weile auf sich warten lassen.

Hin und Her nagt an den Nerven

Das Hin und Her nagt an den Nerven der Betreiber. "Wir sind etwas müde geworden", sagt Pächterin Barbara König. Immerhin beschäftige sich die Familie schon seit 2014 mit den Themen Sanierung, Abbruch und Neubau. Auch König geht davon aus, dass ein Abbruch noch längere Zeit auf sich warten lasse. Aber sie sei zuversichtlich und hoffe auf eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt.

Die Zuversicht, das merkt man beim Gespräch mit Barbara König, lässt sie sich ohnehin nicht wirklich nehmen. Im vergangenen Jahr gab es in der Gaststätte weitestgehend Essen zum Mitnehmen. Wirtschaftlich war das nicht der ganz große Erfolg. "Aber man muss ja etwas tun, um nicht in Vergessenheit zu geraten", sagt König. "Es war eine Herausforderung. Einfach kann ja jeder."

Spezialitäten aus dem Alpenraum

Aber in Vergessenheit zu geraten, das droht wohl nicht. Das Lokal liegt auf dem Kapellenberg an einem Weg, der von Spaziergängern, Wanderern und Radfahrern besonders stark genutzt wird. Seit einem Jahr zieht ein neu ausgeschilderter historischer Rundweg zusätzliche Besucher an. "Wir werden sehr oft gefragt, ob wir nicht etwas anbieten können", sagt König. Und so freut sie sich, dass sie für den 1. Mai den Start des sogenannten Waldkiosks am Meisterturm ankündigen kann.

So wie sich das Lokal dem alpenländischen Stil verschrieben hat, so werden dort einige Spezialitäten aus diesem Raum, in modernisierter Form, angeboten. Da gibt es den Haxen-Burger, den Schweinebraten-Wrap, Weißwurst-Praline und Pommes und anderes mehr. Auch Kaiserschmarrn soll es geben, der nach Königs Versicherung besonders beliebt unter den Stammgästen sei. Den habe es, sehr zum Bedauern vieler, im vergangenen Jahr nicht gegeben.

Abstand und der Einwegmüll

Direkt am Lokal dürfen all das und auch die verschiedenen Getränke nicht konsumiert werden; die Königs basteln noch an einer optisch ansprechenden Lösung, die den Abstand von 50 Metern zum Lokal sichtbar machen soll. Dass aber alle Gäste in vertretbarer Entfernung ein geeignetes Plätzchen für ein Baumstamm-Picknick finden werden, davon geht sie schon aus.

Und natürlich kennt Barbara König die Diskussionen um Einwegverpackungen, die bei solchen Angeboten immer geführt werden. Irgendetwas in den Wald zu werfen, das gehe natürlich gar nicht. Alle Behälter gehören in die Mülltonne und sind, so versichert sie, vollständig biologisch abbaubar.

Keine Jubiläumsfeier, aber Aufstieg weiterhin möglich

Man hätte, wenn man nicht zu pingelig mit den Jahren umgeht, im vergangenen Jahr das Jubiläum 125 Jahre Meisterturm feiern können. Der wurde 1895 vom Verschönerungsverein gebaut - allerdings nicht die heutige Stahlkonstruktion, sondern als Holzturm. Der wurde 1921 wegen Baufälligkeit abgebrochen und 1930 neu aufgebaut - so gesehen kann man das Jubiläum später noch feiern. Niemand muss allerdings so lange warten, bis er die Aussicht von dort genießen kann - der Turm ist geöffnet, und der Aufstieg ist gratis. Benannt wurde der Turm übrigens nach dem 1895 amtierenden Landrat Wilhelm von Meister. bt

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