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Hofheim: Keine Wohnungen in der Klosterkirche

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Von: Barbara Schmidt

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Die denkmalgeschützte Klosterkirche der Schwestern vom Guten Hirten an der Schlossstraße soll künftig verstärkt zu dem ihr ureigensten Zweck genutzt werden. Dazu gibt es eine Kooperation des Ordens mit den Franziskanern. Pläne für eine Umnutzung sind erst einmal vom Tisch.
Die denkmalgeschützte Klosterkirche der Schwestern vom Guten Hirten an der Schlossstraße soll künftig verstärkt zu dem ihr ureigensten Zweck genutzt werden. Dazu gibt es eine Kooperation des Ordens mit den Franziskanern. Pläne für eine Umnutzung sind erst einmal vom Tisch. © babs

Zwei Franziskaner bleiben in Hofheim und gründen das "Projekt Geistlicher Ort" im Haus vom Guten Hirten

Hofheim/Marxheim. Für alle, die schätzen, was das Hofheimer Exerzitienhaus als spirituelles Zentrum leistet, ist es sicher eine gute Nachricht: Die Franziskaner werden mit dem Jahresende doch nicht so ganz der Kreisstadt, in der sie seit 97 Jahren wirken, den Rücken drehen. Mit Helmut Schlegel und Norbert Lammers werden zwei besonders profilierte und geschätzte Ordensmitglieder von Januar an, wenn das Exerzitienhaus selbst außer Betrieb geht, im Marxheimer Maria-Droste-Haus der Schwestern vom Guten Hirten ein ganz neues "Projekt Geistlicher Ort" begründen. Das haben die beiden Provinzleitungen der Orden vereinbart und gestern öffentlich gemacht.

Wie Cordis Ganslmeier. Provinzleiterin der Schwestern vom Guten Hirten, gestern auf Anfrage dieser Zeitung erläuterte, hätten die Franziskaner mit der Idee der Zusammenarbeit "bei uns offene Türen eingerannt". So könne nicht nur eine für Hofheim und das gesamte Rhein-Main-Gebiet wichtige geistliche Tradition ein Stück weit fortgesetzt werden, die Klosterkirche erfahre auch eine verstärkte Nutzung.

In der Marxheimer Niederlassung des Ordens mit Provinzsitz in Würzburg leben derzeit noch 17 Schwestern. Mit Blick auf die Entwicklung benötige man hier im Grunde keine so große Kirche mehr, hatte Hausleiterin Schwester Gudula Busch klar gemacht. Das hatte, wie berichtet, bereits zu verschiedenen Überlegungen zur Umnutzung des Gotteshauses zu Wohnzwecken geführt.

"Das haben wir auf Eis gelegt", sagt der Verwaltungsleiter des Ordens, Martin Gundert. Zwar sei man mit der Stadt hierüber wie auch über die nach wie vor aktuellen Erweiterungspläne für die Senioren-Wohngemeinschaften in guten Gesprächen, doch die Auflagen des Denkmalschutzes hätten die Umbaupläne für das Kirchengebäude so nicht mehr sinnvoll erscheinen lassen. "Dann kam diese Geschichte mit den Franziskanern . . .", sagt Gundert. "So verändern sich manchmal Perspektiven", kommentiert Schwester Cordis Ganslmeier die Entwicklung.

Räume für das Projekt eines "Geistlichen Ortes" mit Exerzitienangeboten und Seminaren, bei denen man "mit interessierten Frauen und Männern kooperieren" will, gibt es im Maria-Droste-Haus. Die Klosterkirche selbst eigne sich nach Einschätzung aller Beteiligten sehr gut dazu, "die meditativ und kreativ gestaltete Liturgie, die im Exerzitienhaus guten Anklang gefunden hat, weiterzuführen", teilen die Ordensleitungen mit. Ein besonderer Akzent solle auf der musikalischen Gestaltung liegen. Zudem können die Schwestern vom Guten Hirten den Franziskanern auch Wohnraum zur Verfügung stellen. "Sie erhalten zwei Apartments", sagt Gundert.

Der 79-jährige Helmut Schlegel, der auch schon Leiter des Hofheimer Exerzitienhauses und Provinzial der früheren Thüringischen Franziskanerprovinz war, hat sich als Autor geistlicher Lieder, Schriften und Oratorien wie auch als Leiter des Geistlichen Zentrums für das Bistum Limburg in Frankfurt Heilig Kreuz einen Namen gemacht. Auch Norbert Lammers (60), wie Schlegel Priester und Geistlicher Begleiter, bringt viele Jahre Erfahrung in der Exerzitienarbeit und als Seelsorger für die Priester im Bistum Limburg mit. Beide Ordensmänner hatten in den vergangenen Monaten deutlich gemacht, dass sie gern weiter im Rhein-Main-Gebiet wirken möchten. Helmut Schlegel sieht in dem neuen Projekt "eine gute Möglichkeit" dazu.

Derzeit laufe im Orden ein "Kapitelskongress", so der vor kurzem neu gewählte Provinzialvikar (stellvertretende Provinzleiter) Stefan Federbusch, der auch Leiter des Hofheimer Exerzitienhauses ist. Dabei berate die Provinzleitung grundsätzlich über die künftigen Lebens- und Arbeitsorte der Brüder. Anders als monastische Orden kennen die Franziskaner keine "stabilitas loci", keine Standorttreue, sondern haben sich den Wechsel zum Prinzip gemacht. Die angekündigte Schließung der Hofheimer Niederlassung habe zuletzt für viele Fragen nach der Zukunft der hier derzeit tätigen insgesamt sieben Brüder gesorgt, so Federbusch. Neben ihm selbst, Helmut Schlegel und Norbert Lammers gehören die Brüder Thomas Schardt, Bernd Leopold und Norbert Stumpf zum Konvent.

Den Mitarbeitern des Exerzitienhauses wurde zum 1. Januar gekündigt. Was aus der Immobilie am Kapellenberg wird, will die Ordensleitung im Spätherbst entscheiden. Ein Projektentwickler wurde, wie berichtet, eingeschaltet. Die Bezeichnung hatte falsche Vorstellungen geweckt, dass hier etwas entwickelt werden solle. Tatsächlich werden lediglich Angebote von Kaufinteressenten gesammelt und gesichtet.

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