Die Kfz-Zulassungsstelle ist zurzeit wegen Corona geschlossen.
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Die Kfz-Zulassungsstelle ist zurzeit wegen Corona geschlossen.

Pandemie

Vorwürfe an Kfz-Zulassung in Hofheim - nicht genug Corona-Schutz für Mitarbeiter

  • vonBarbara Schmidt
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16 Menschen haben sich in der Kfz-Zulassungsstelle in Hofheim mit Corona infiziert. Ein Mitarbeiter kritisiert die Behördenleitung nur anonym, weil er Konsequenzen fürchtet.

Hofheim - Hat der Main-Taunus-Kreis in der Kfz-Zulassungsstelle am Hofheimer Nordring zu wenig Vorsicht walten lassen und seine Mitarbeiter nicht genug vor der Infektionsgefahr geschützt? Das (leider anonyme) Schreiben eines Mitarbeiters an diese Zeitung zumindest enthält einige Vorwürfe in diese Richtung. Dass der Verfasser, der über Detailwissen verfügt, seinen Namen nicht nennt, begründet er übrigens damit, dass eine Kollegin, die Kritik geübt habe an der Situation in der Zulassungsstelle, daraufhin aufgefordert worden sei, sich anderswo eine Stelle zu suchen.

Die Zulassungsstelle hatte in der vergangenen Woche geschlossen werden müssen, weil 16 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden waren, weitere 16 mussten in Quarantäne. In dem Schreiben an diese Zeitung heißt es, bis zur Schließung der Behörde habe der Kreis den Mitarbeitern keine professionellen Masken zur Verfügung gestellt, „schon gar keine FFP2-Masken, wie das bei anderen Behörden der Fall ist“. Im Frühjahr habe es zwei völlig unbrauchbare Masken gegeben, „danach kam nichts mehr“.

Kfz-Zulassungsstelle in Hofheim: Trotz Corona warten ganze Familien auf engem Flur

Der Kreis habe die Zeit zwischen den beiden Lockdown-Phasen nicht genutzt, um weitere Büros zu schaffen, obwohl die Mitarbeiter in der Dienststelle teilweise recht eng säßen, lautet ein weiterer Vorwurf. Auch Trennwände seien nicht aufgestellt worden. Von der Praxis, die Kunden am Fenster zu bedienen und sie draußen warten zu lassen, sei man nach dem Sommer abgegangen. Bis zu zehn Personen gleichzeitig hätten noch bis zuletzt auf den engen Fluren gewartet, teilweise seien Antragsteller mit der ganzen Familie gekommen. Nicht alle hätten sich zudem vorab angemeldet. „Wütend und enttäuscht“ seien die Mitarbeiter der Zulassungsstelle, weil ihr Arbeitgeber sie nicht besser geschützt habe, heißt es in dem Schreiben zur Stimmung bei den Kreisbediensteten nach der hohen Zahl an Infektionen.

Der Main-Taunus-Kreis verweist auf das für das Straßenverkehrsamt geltende Hygienekonzept, in dem die Anzahl von maximal zehn Besuchern festgelegt worden sei. Die Einhaltung sei vom Sicherheitsdienst überwacht worden, ein Sicherheitsabstand der Wartenden sei gegeben gewesen, sagt Kreissprecher Johannes Latsch auf Anfrage. Das Konzept stammt allerdings, wie Latsch beiläufig wissen lässt, aus dem Juni, also aus einer Zeit, in der die Inzidenz im MTK sehr gering war.

Kein verbessertes Corona-Konzept im zweiten Lockdown: Kreis sieht Fehler bei Mitarbeitern

Besucher sollten nach dem Konzept nicht in die Büros gelassen werden, so Latsch weiter. „Nach dem Hygienekonzept waren nach den damaligen fachlichen Standards auch Trennscheiben in den Räumen als nicht erforderlich eingestuft.“ Offenbar wurde das Konzept dann nicht mehr überprüft, trotz zweiter Welle und Lockdown. Der Kreis sieht hier offenbar die Mitarbeiter in der Pflicht, sich zu melden, denn er teilt mit, „bei der Umsetzung des Hygienekonzepts“ sei er „auf die Unterstützung der Mitarbeiter angewiesen“. Sorgen nehme man ernst, „allerdings hatten uns dazu keine Beschwerden aus Kreisen der Mitarbeiter erreicht“, berichtet Latsch.

Nun soll aber gehandelt werden. „Um mehr Distanz zu schaffen und so das Ansteckungsrisiko zu mindern, werden wir in den nächsten Tagen zusätzliche Räume für den Besucherverkehr einrichten. Planungen dazu laufen derzeit auf Hochtouren“, lässt Latsch wissen. Dass der Kreis keine FFP2-Masken für die Mitarbeiter zur Verfügung gestellt hat, bestätigt der Sprecher nur indirekt. OP-Masken hätten die Mitarbeiter nach der Änderung des Arbeitsschutzgesetzes Mitte Januar erhalten, heißt es in der Stellungnahme des MTK. Zuvor sei „der nach damals allseitigem Standard anerkannte Mund-Nasen-Schutz im Einsatz“ gewesen.

Der Sprecher weist darauf hin, dass der Besucherverkehr durch Online-Anmeldungen geregelt worden sei, der MTK habe die Koordination verbessert und den Kunden Wartezeit erspart. Mit diesen Maßnahmen habe das Straßenverkehrsamt als Dienstleister der Bürger bis zum kürzlichen Ausbruch geöffnet bleiben können. Latsch: „Ämter in anderen Kreisen waren teilweise komplett für Besucher geschlossen.“ (Barbara Schmidt)

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