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So sieht der städtebauliche Rahmenplan aus, den Torsten Becker entworfen hat. Mehrfamilienhäuser um begrünte Innenhöfe soll es genauso geben wie Reihenhaus-Zeilen. Rein und raus geht es per Auto nur über die "Randstraße" Richtung B 519 oder Frankfurter Straße.

Wohnbauprojekt

Hofheim: Knackpunkt des Neubaugebiets bleibt der Verkehr

  • vonBarbara Schmidt
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Die Stadt hat gestern Abend den Rahmenplan für Hofheims größtes Neubaugebiet vorgestellt. Und einen neuen Namen erfunden: Marxheim II soll jetzt Hofheimer Römerwiesen heißen.

Marxheim. -Es gab zwei Überraschungen bei der Vorstellung des Rahmenplans für Marxheim II gestern am Spätnachmittag vor der Presse. Die erste ist eine Umbenennung: Marxheim II werde er jetzt ein letztes Mal sagen, so Erster Stadtrat Wolfgang Exner (CDU), der zuständige Verkehrs- und Planungsdezernent. Das geplante Wohngebiet heißt ab sofort "Hofheimer Römerwiesen" - Reminiszenz an die historische Nutzung durch römische Soldaten, die auf dem Hochfeld in der Zeit von 40 bis 110 n. Chr. an der wichtigen Wegeverbindung von Mainz in Richtung Wetterau ein Stein- und ein Feldlager unterhielten.

Eine "Römerallee" als Haupterschließungsstraße in der Mitte des neuen Wohngebiets sieht der Rahmenplan von Stadtplaner Torsten Becker (Tobestadt, Frankfurt) passend vor. Sie soll genau auf der Achse des Feldlagers liegen. Auf der Trasse der historischen Elisabethenstraße, aktuell die Bebauungsgrenze, soll ein Radweg verlaufen, als "sanfter bepflanzter Übergang". Viel Grün ist zudem vorgesehen. Eine genaue Zahl, wie groß der Anteil der überbauten Fläche sein soll, hatte Becker gestern nicht zur Hand, er versicherte aber, dass das Gebiet "relativ wenig überbaut" werden solle. Außerdem möchte er drei Viertel des vorhandenen Baumbestands erhalten und in das Wohngebiet, in dem viele verschiedene Wohnformen vom zweieinhalbgeschossigen Reihenhaus bis zum fünfeinhalb geschossigen Mehrfamilienhaus möglich sein sollen, integrieren. Rund um einen "urbanen Platz" im Norden, wo es einen Nahversorger geben soll, könne er sich auch noch ein wenig höhere Gebäude vorstellen, so Becker.

Neben denen, die das 30 Hektar große Plangebiet am liebsten überhaupt nicht bebaut sehen wollen, gibt es viele, die vor allem den zusätzlichen Verkehr für Hofheim fürchten, den ein Wohnviertel für 3100 Menschen nach heutiger Vorstellung nach sich ziehen wird. Das Bürgerforum zum Thema Verkehr im vergangenen Jahr - Element der bisherigen Bürgerbeteiligung - hatte dies sehr deutlich gemacht.

Die verkehrliche Anbindung, die der Rahmenplan nun vorsieht, ist die zweite Überraschung. Denn das Wohngebiet ist ausschließlich über eine "Randstraße" per Auto anfahrbar, die an die B 519 (Rheingaustraße) im Süden auf Höhe der Kreuzung Ahornstraße und im Norden an der städtischen Kita Am Römerlager vorbei an den Königsberger Weg und die Frankfurter Straße angebunden ist. Durchgehende Straßenverbindungen aus dem neuen Teil Marxheims in den bestehenden sind ansonsten keine vorgesehen.

Von autofrei ist keine Rede mehr

Von den ursprünglich einmal vorgestellten Überlegungen, das neue Wohngebiet weitgehend vom Autoverkehr frei zu halten, ist im Rahmenplan nichts geblieben. Die Möglichkeit, "Quartiersgaragen" zu erstellen, bestehe aber, so Becker auf Nachfrage. Tiefgaragen hält der Stadtplaner nicht mehr für eine gute Idee. Sie seien zu teuer und ließen keine Versickerung zu. Erster Stadtrat Exner ergänzte, es werde aber auch Tiefgaragen geben können, ganz entsprechend dem Wunsch der Bürger nach Vielfalt.

Dass das Thema Verkehr im Blick auf die Gesamtlage in Hofheim und Marxheim ein Knackpunkt ist, räumte Exner gestern Abend ein. Er wies auf parallele Verkehrsuntersuchungen hin, aus denen sich viele Hinweise ergäben, "wie wir Lösungen erreichen". Ein Ziel sei, "die Rheingaustraße dauerhaft zu entlasten". Exner bekannte, es handele sich "um sehr dicke Bretter, die wir bohren müssen". Nicht zuletzt, weil auf irgendeine Weise immer der Nachbar Kriftel mitbetroffen ist.

Dass der Rahmenplan von Torsten Becker nur grob absteckt, wie das Gebiet erschlossen werden soll und welche Bebauung wo denkbar ist, machte Exner noch einmal deutlich. Auch eine abschnittweise Umsetzung sei vorstellbar, allerdings werde während seiner Amtszeit, die noch drei Jahre währt, kaum der erste Bagger rollen.

Das, was auf den computeranimierten Bildern jetzt vorgestellt wird, sei es ein "Dorfanger", eine Kita in Holzbauweise oder ein zentraler Platz mit großem Wasserbecken, seien lediglich Gestaltungsideen, erläuterte Torsten Becker. Der Rahmenplan soll aber Grundlage für die nötigen Bebauungspläne werden. Was am Ende von Bauträgern architektonisch umgesetzt wird, zeigt der Rahmenplan nicht.

Offen ist auch, ob die rund 120 Grundstückseigentümer im Gebiet von Marxheim II mitziehen. Geplant ist als nächster Schritt eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme. Das Vergabeverfahren ruht, seit der Stadtverordnete Bernd Hausmann (Linke) deswegen eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Exner eingereicht hat. barbara Schmidt

Heute Abend ist digitale Bürgerversammlung

Heute Abend von 18 Uhr an wird der Rahmenplan den Bürgern präsentiert. Die Bürgerversammlung, eigentlich als "Hybrid-Format" geplant, kann aufgrund der Pandemie-Entwicklung nur digital vermittelt stattfinden. Der nötige Link auf den Youtube-Kanal soll auf www.hofheim.de eingestellt werden. Die Stadt will zeitgleich eine neue Internetseite zu den "Hofheimer Römerwiesen" freischalten. babs

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