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Schilder weisen vorm Buch-Center darauf hin, dass ohne Parkscheibe eine Gebühr von mindestens 20 Euro fällig wird.

Geschäftsleute werden gegen Dauerparker aktiv

Parksünder ärgern sich über Inkasso-Gebühr in Hofheim und Kriftel

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Weil Firmenparkplätze von Fremdparkern blockiert wurden, gibt es nun Parkzeitbeschränkungen. Die Regelungen haben aber auch ihre Tücken.

Hofheim/Kriftel - Parken auf privaten Plätzen von Einkaufsmärkten kann teuer werden, wenn die Parkscheibe nicht ausgelegt wird. Das wissen auch die beiden Frauen jetzt – die allerdings erst durch ein Schreiben eines Inkasso-Unternehmens auf ihre Unterlassungssünde aufmerksam gemacht wurden. Neben der Vertragsstrafe in Höhe von 20 Euro hatten sie auch noch eine Inkasso-Gebühr zu berappen. Im Fall der Hofheimerin, die auf dem Parkplatz des Kaufhaus Buch ihr Auto abgestellt hatte, waren es 8,95 Euro.

Parkscheibe vergessen: Kein Knöllchen

Ein „Knöllchen“ hinter der Windschutzscheibe habe sie nicht gefunden, sagt die junge Frau. Sie sei nur etwa zehn Minuten im Buch-Markt einkaufen gewesen. Ja, sie habe die Parkscheibe vergessen, von daher sei es ihr Versäumnis, sagt sie ohne Umschweife. „Ich hätte die 20 Euro auch gezahlt, aber ich hatte gar keine Chance dazu“, stört sie nur das Vorgehen. Nachdem eine Freundin, die im Krifteler Alnatura-Markt eingekauft hatte, von der gleichen Erfahrung berichtete, wandten sich die beiden Frauen ans Kreisblatt. „Wir haben den Verdacht, dass das eine Masche ist“, sagen sie.

Parkscheiben-Plicht vor dem Supermarkt

Firmenchef Markus Buch stellt klar, dies sei keineswegs das reguläre Vorgehen. Vielmehr bringe der Unternehmer, an den die Bewirtschaftung der Parkflächen vorm Laden-Center vergeben ist, beim Fehlen der Parkscheibe einen Zettel an, auf dem eine Vertragsstrafe in Höhe von 20 Euro gefordert wird. An der Einfahrt stehen auf einem großen Schild die geltenden Allgemeinen Geschäftsbedingungen, bei deren Verletzung die Strafe fällig wird.

Im Eingang des Kaufhauses macht eine Info-Tafel zusätzlich auf die Parkscheiben-Pflicht aufmerksam. „Wir haben an den Kassen sogar Leih-Parkscheiben, falls jemand keine im Auto hat“, sieht Buch von seiner Seite aus viel getan, damit seine Kunden nicht in Probleme geraten. Mit der Parkscheibe ist ein zweistündiges kostenfreies Abstellen des Wagens möglich.

Missbrauch von privaten Parkplätzen

Alle Unternehmen im Haus hätten ein Interesse daran, dass die Parkplätze, die zum Laden-Center gehören und für die sie als Mieter mitzahlten, „für die eigenen Kunden zur Verfügung stehen“, macht Markus Buch deutlich. Der Missbrauch sei aber enorm gestiegen, seit die öffentlichen Parkplätze in der Stadt gebührenpflichtig seien. „Wir hatten Leute, die haben ihr Auto bei uns abgestellt und sind nach Frankfurt zur Arbeit gefahren“, schildert er.

Schilder blieben genauso wirkungslos, wie Zettel an der Windschutzscheibe. Eine Schranke sei wegen der engen Winkel auf dem Parkgelände nicht möglich. Deshalb habe man sich entschieden, die Parkplatzüberwachung fremdzuvergeben. „Das ist deutschlandweit nicht unüblich“, weiß Buch. Genauso wie die Höhe der Vertragsstrafe. Die liege bei manchen Supermärkten sogar bei 30 Euro.

Inkasso-Gebühr nach verpasster Frist

Immer werde aber zunächst ein Zettel mit der Zahlungsaufforderung an die Windschutzscheibe geklemmt. Erst wenn bis zur darauf genannten Frist das Geld nicht beim Unternehmer eingehe, schalte dieser eine Inkasso-Firma ein. Das ist wegen der Frist-Nennung auch ohne vorherige Mahnung möglich (laut Paragraf 286 Abs. 2 BGB).

Für die Kundin, die sagt, sie habe keinen Zettel vorgefunden, ist es immerhin eine Klärung, dass dies keinesfalls so sein sollte. Dass Parkplatzinhaber versuchten, Missbrauch zu verhindern, „das kann ich total verstehen“, sagt die Frau. Dass eine Zahlungsaufforderung mal wegweht oder sonstwie verschwindet, lasse sich nie ganz ausschließen. Wem so etwas passiere, der sollte sich melden, bevor er die gesamte Summe zahlt, fällt Markus Buch zu solch einem Ausnahmefall ein.

Der Strafzettel "muss weh tun"

Dass er seit Einführung des Systems schon eine ganze Reihe negativer Reaktionen erhalten hat, verhehlt er nicht. Dabei sei aber die Höhe der Vertragsstrafe der Grund der Empörung. Buch hält dagegen: „Es muss wehtun, sonst hat es keine Wirkung.“

Auch bei Alnatura heißt es, der Parkplatz sei derart von „Fremdparkern“ zugestellt gewesen, dass sich der Inhaber der Flächen entschlossen habe, das Parken mit Parkscheibe (ebenfalls zwei Stunden) einzuführen und eine Überwachung zu beauftragen. Wer ohne Parkscheibe erwischt wird, erhält ebenfalls eine Zahlungsaufforderung an die Windschutzscheibe. Für den Ausnahmefall, wie ihn die Kundin erlebte, rät Alnatura, das Gespräch mit Marktleiter, Parkplatzinhaber oder Überwachungsunternehmen zu suchen.

Warum Falschparken mittlerweile zur Gewohnheit wird, können Sie hier nachlesen.

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