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In Kriftel, kurz nach der Kreuzung Kapellenstraße, gilt auf der L 3011 Tempo 50. Die Wohnbebauung befindet sich hinter einer Lärmschutzwand.

Verkehr

Rätselhafte Regelung fürs Tempolimit zwischen Kriftel und Hofheim

An der Landesstraße zwischen Kriftel und Hofheim gelten zwei unterschiedliche Geschwindigkeitsbegrenzungen, obwohl an beiden Stellen Wohnbebauung ist. Wie kommt das? Und lässt sich an der Ungleichbehandlung etwas ändern?

Hofheim/Kriftel- Das verstehe, wer will: In Kriftel ist das Stück Landesstraße 3011, an dem (hinter einem Lärmschutzwall) auf der nördlichen Straßenseite Wohnbebauung liegt, mit Tempo 50 ausgeschildert. Dies sei vor mehreren Jahren "zum Schutz der Anwohner vor dem Straßenlärm" festgelegt, wie der Erste Beigeordnete Franz Jirasek auf Anfrage bestätigt. Fahren Autofahrer dieselbe Straße ein Stück weiter Richtung Hofheim, gibt es zwar auch Wohnbebauung, ebenfalls nur auf einer Seite (diesmal südlich), doch dort darf Tempo 70 gefahren werden. Leben dort nicht etwa auch Menschen? Warum werden die einen geschützt, die anderen nicht? Auch in den Augen von Franz Jirasek ist dies eine berechtigte Frage. "Völlig unverständlich" seien teilweise Entscheidungen über Tempolimits, weiß er aus seiner langjährigen Erfahrung.

Ortseingangsschild von Hofheim an der Landstraße ein Stück versetzen? 

In Hofheim hat der Ortsbeirat Süd, den es schon lange nicht mehr gibt, über Jahre immer wieder nachgehakt, ob es nicht möglich wäre, das Ortseingangsschild ein Stück zu versetzen. Das würde automatisch ein Tempolimit von 50 Kilometern pro Stunde an dieser Stelle unterhalb der Bebauung am Hochfeld bringen.

In Höhe des Hofheimer Bahnhofs dürfen die Autos Tempo 70 fahren. Sie sind außerhalb des Orts unterwegs, wie das gelbe Schild verrät. 

Doch diese Idee wurde stets mit dem Argument abgeschmettert, Voraussetzung für das Ortseingangsschild sei, dass es auf beiden Seiten eine Bebauung gäbe. Das ist schon in Hofheim selbst nicht überall der Fall. In Marxheim steht das gelbe Schild bereits auf Höhe des Autohauses Kaufmann. Hier ist die Rheingaustraße noch ein langes Stück nur einseitig bebaut. Wer sich ein wenig umschaut in Deutschland, findet leicht weitere Beispiele dafür, dass nicht überall, wo ein Ortsschild Tempo 50 vorgibt, gleich beiderseits der Straße Menschen wohnen. 

Betroffen von der aktuellen Regelung an der L 3011 ist vor allem die direkt angrenzende Straße "Am Römerlager". Die Menschen, die dort leben, haben nicht nur unter dem Straßen-, sondern auch unter dem Bahnlärm unterhalb ihrer Wohnungen zu leiden. Das war im Ortsbeirat Kernstadt schon wiederholt Thema, nicht zuletzt, als ein Bürger sich an die Ortsvorsteherin gewandt hatte mit der Idee, eine Lärmschutzwand zu bauen.

Anwohner hat Hoffnung auf Geschwindigkeitsreduzierung aufgeben – 40 Jahre Vertröstung genug

Die Hoffnung, dass noch etwas aus der Geschwindigkeitsreduzierung werde, habe er aufgegeben, sagt der Anwohner. 40 Jahre Vertröstung seien genug. Er will, dass jetzt etwas passiert, und hat der Politik und der Verwaltung einen konkreten Vorschlag geliefert für solch eine Lärmschutzwand, die auch begrünt werden kann. Betroffen von dem "Höllenlärm" von Zügen und Autos seien schließlich auch die vielen Fußgänger und Radfahrer, die täglich den Tunnel unter der Bahn durch nutzten, den direkten Weg vom Hochfeld in die Innenstadt.

Dennoch: Die nach mehrfacher Auskunft des Magistrats nicht mögliche Versetzung des Ortsschildes oder eine Anordnung von Tempo 50 aus Gründen des Lärmschutzes sollte, wenn sie in Kriftel machbar war, doch auch in Hofheim gehen. Dass auch der sogenannte "Lärmaktionsplan", den das Regierungspräsidium Darmstadt verfolgt, ebenfalls noch nichts an der für die betroffenen Anwohner unbefriedigenden Situation geändert hat, hat bisher bei allen Stadtteilvertretern nur Kopfschütteln ausgelöst.

Von Barbara Schmidt

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