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Bürgerinitiative überreicht 1800 Protestunterschriften

Hofheim läuft Sturm gegen Windkraftwerke

  • VonManfred Becht
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Die Kreisstadt will keine Vorrangflächen für Windräder im Stadtgebiet. Im Planungsausschuss der Stadtverordnetenversammlung votierten lediglich Grüne und Linke gegen diesen Beschluss.

Möglicherweise ist die Bedeutung des Beschlusses des Planungsausschusses viel geringer, als es den etwa 100 Zuschauern vorgekommen sein muss. Denn zur Debatte stand eine Stellungnahme der Stadt zum Regionalen Flächennutzungsplan – dass sich der Regionalverband an dieses Votum hält, ist keinesfalls sicher. Denn er wird die Vorgabe, dass landesweit zwei Prozent der Fläche zu Vorranggebieten für regenerative Energieerzeugung ausgewiesen werden sollen, irgendwie erfüllen wollen.

Ebenfalls ist noch längst nicht gesagt, dass Windräder gebaut werden, wenn der Regionalverband diese Flächen ausweist. Denn sie gehören zu zwei Dritteln der Stadt Hofheim, und die muss ihr Gelände dafür nicht herausgeben. Das hat sie in die neueste Fassung der Stellungnahme auch hineingeschrieben. Und im Verlauf der Debatte wurde darauf hingewiesen, dass die gesamte fragliche Fläche am Judenkopf gerade so ausreichen würde, einen Windpark zu bauen, der sich rentieren könnte. Schert ein Waldbesitzer aus, hat sich das schon erledigt.

Die Stadtverordneten im Planungsausschuss wollen sich auf solche Überlegungen allerdings nicht verlassen. Sie wollen, dass Vorrangflächen für die Windkraft gar nicht erst ausgewiesen werden. Und zwar nicht nur im Dreieck zwischen Langenhain, Wallau und Diedenbergen, so wie es die Stadtverordnetenversammlung schon vor drei Jahren abgelehnt hat. Sondern auch am Judenkopf zwischen Langenhain, Wildsachsen und Eppstein, wo das Parlament vor drei Jahren Windräder noch für denkbar gehalten hatte.

Dass die Mehrheit ihre Meinung nun geändert hat, trug ihr von Seiten der Linken den Vorwurf des Populismus ein. Tatsache ist, dass sich in den letzten Wochen sehr spontan, aber mit breiter Resonanz, eine Bürgerinitiative gebildet hat. Für Stadtrat Wolfgang Winckler (SPD) ist es überhaupt kein Problem, dass auch dies eine Rolle spielt. Die Akzeptanz in der Bevölkerung sei bei der Umsetzung der Energiewende als Kriterium festgelegt worden, so der Planungsdezernent. Diese sei in den betroffenen Stadtteilen nicht gegeben.

Natürlich wurde im Ausschuss über das Für und Wider der Stromerzeugung durch Windkraft diskutiert. Es gebe Überkapazitäten, und dieser Strom könne nicht gespeichert werden, weiß Werner Steinmann (FDP). Deutschland produziere viel zu wenig Energie regenerativ, so dagegen Marianne Knöss (Grüne). Sie geht davon aus, dass der Strombedarf in den nächsten Jahren erheblich zunehmen wird, auch weil diese Energie sowohl im Verkehr als auch zu Heizzwecken stärker eingesetzt werde. Für die SPD auf der anderen Seite argumentierte Elvira Neupert-Eyrich, dass der Ausbau regenerativer Energien besser durch dezentrale Solaranlagen als durch von Konzernen betriebene Windräder vorangetrieben werden müsse.

Die Stadt muss sich in ihrer Stellungnahme aber auf die Hofheimer Gegebenheiten konzentrieren. Mit den Eingriffen in Natur und Landschaft hatte sie von Anfang an argumentiert. In der neuen Stellungnahme wird zusätzlich geltend gemacht, dass sowohl für die Windräder – durch die Bereiche rundum, in denen keine Wohnhäuser gebaut werden dürfen – als auch durch die Ersatzaufforstungen des Waldes, viele Flächen verloren gehen. Dies schränke die Möglichkeiten ein, dringend notwendige Wohnungen zu bauen, und verringere die landwirtschaftliche Fläche weiter. Argumentiert wird außerdem mit drohenden Schlagschatten und der ohnehin großen Belastung der Region durch Infrastruktur wie Straßen, Bahnstrecken und Hochspannungsleitungen.

Der Wald spielte in der Debatte auch eine Rolle. Sprecher der Bürgerinitiative erklärten, der vollständige Erhalt des Waldes am Judenkopf sei für den Klimaschutz wichtiger als die dort möglichen Windräder. Demgegenüber machten die Grünen geltend, wenn der Klimawandel nicht gestoppt werde, hätte auch der Buchenwald am Judenkopf existenzielle Probleme.

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