Lothar R. wird in den Gerichtssaal geführt.
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Lothar R. wird in den Gerichtssaal geführt.

Landgericht

Urteil nach Mord auf Reiterhof in Hofheim gefallen

  • vonMatthias Gerhart
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Im Prozess um den Mord an einer 22-Jährigen in Hofheim ist das Urteil gefallen. Das Gericht fand drastische Worte für den Angeklagten.

  • Das Ende des Prozesses um den Mord an einer Frau auf einem Reiterhof in Hofheim steht an.
  • Das Gericht sah die Tat als erwiesen an.
  • Der 56-Jährige Verurteilte muss wegen Mordes lebenslang ins Gefängnis.

Update vom Donnerstag, 08.10.2020, 17.49 Uhr: Im Prozess um den Mord an der 22-jährigen Lea auf einem Reiterhof in Hofheim ist das Urteil gefallen. Demnach muss der Ex-Freund von Lea lebenslang in Haft. Das Gericht sah bei der Tat eine „besondere Schwere der Schuld“ als erwiesen an, was eine Haftentlassung nach 15 Jahren unmöglich macht.

Das Gericht hatte „überhaupt keinen Zweifel“ daran, dass der Angeklagte 56-jährige Lothar R. bei dem Mord einen „klaren, eiskalten Tatplan“ verfolgt hat. Bewaffnet mit einem Gewehr, Zielfernrohr und Schalldämpfer hatte der Mann nach Ansicht des Gerichts der 22-Jährigen aufgelauert. „Die Tat hatte alle Attribute einer Hinrichtung. Die lebenslustige Frau wurde abgeschossen wie ein Jäger ein wildes Tier abballert“, urteilte der Vorsitzende Richter Volker Kaiser-Klan.

Besondere schwere der Schuld im Reiterhof-Mord in Hofheim

Als Motiv erkannte das Gericht „fehlgeleitete Eifersucht“, nachdem sich die 22-Jährige von Lothar K. getrennt hatte. Für eine besondere Schwere der Schuld sprach laut Kaiser-Klan, dass Lothar K. seine beiden minderjährigen Kinder „schamlos“ in die Tat mit einbezogen habe. So hatte der 17-jährige Sohn von K. diesem den Aufenthaltsort der Frau mitgeteilt.

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert und erwägt eine Revision. Diese würde beim Bundesgerichtshof stattfinden.

Plötzliche Wende im Fall der getöteten Lea (22) auf dem Reiterhof in Langenhain?

Erstmeldung vom 29.08.2020, 12.51 Uhr: Hofheim - Praktisch auf der Zielgeraden tut sich im Prozess um den Eifersuchtsmord auf dem „Sonnenhof“ in Langenhain eine völlig neue Tatversion auf. Die ehemalige Ehefrau des Angeklagten Lothar R. und Mutter des gemeinsamen Sohnes Kevin berichtete am Donnerstag (27.08.) vor der Schwurgerichtskammer des Frankfurter Landgerichts, ihr Sohn habe ihr vor einiger Zeit gesagt, sein Vater habe ihn gezwungen, seine ehemalige Freundin Lea zu erschießen.

Mord auf Reiterhof in Hofheim: Ex-Frau liefert neue Tatversion

Die 22-Jährige war im August vergangenen Jahres in der Nähe des Reiterhofs aus nächster Nähe durch einen Kopfschuss getötet worden. Sollte diese Tatversion zutreffen, könnte der Sohn nach Jugendstrafrecht und der Vater wegen Anstiftung verurteilt werden.

Auch gestern ging es wieder zuweilen recht lebhaft im Gerichtssaal zu. Zahlreiche Zuschauer verwandelten das Verfahren bisweilen in eine Art Seifenoper. Für großen Unmut auf der Richterbank sorgte eine Zuschauerin, die emsig die Zeugenaussagen mitschrieb und danach auf dem Flur wartende andere Zeugen mit Einzelheiten versorgte. Eine Polizeibeamtin, die ebenfalls als Zeugin geladen war, weil sie die Ehefrau des Angeklagten seinerzeit vernommen hatte, berichtete den Richtern brühwarm, was sich vor der Saaltüre zugetragen hatte. "Wenn Sie das noch mal machen, fliegen Sie hier raus", sagte Vorsitzender Richter Volker Kaiser-Klan. Um einen solchen Prozess zu leiten, braucht es besonders starker Nerven.

Zeugin im Fall des möglichen Mordes auf dem Reiterhof in Hofheim ist psychisch mitgenommen

Mit der Mutter Kevins war im Zeugenstand indes nicht viel anzufangen: "Mein Sohn hat mir gesagt, dass er den Schuss gesetzt hat", sagte die psychisch stark mitgenommene Frau. Mehr wolle sie nicht sagen, schließlich habe sie ja als frühere Ehefrau des Angeklagten ein umfassendes Recht, die Aussage zu verweigern. Die Richter dürften aber ihre bei der Polizei gemachten und protokollierten Aussagen verlesen und verwerten, sagte die Frau, die nach dem Bekunden ihres ebenfalls vernommenen Lebenspartners, einem nach einem Absturz 2000 frühverrenteten Dachdeckers aus dem mittleren Rheintal, bereits am Morgen eine ganze Flasche Beruhigungsmittel zu sich genommen hatte. Entsprechend konnte sich die Zeugin kaum auf den Beinen halten.

Das Gericht führte schließlich die polizeilichen Angaben in das Verfahren ein, die einmal mehr ein Licht auf den unsteten, von Drogen und Alkohol geprägten Lebenswandel des heute 17 Jahre alten Kevin warfen. "Lothar ist ein Dreckschwein und Kevin gerät ganz nach seinem Vater", war dort beispielsweise zu lesen. Was Lothar von dieser rustikalen Charakterisierung hielt, war freilich nicht zu erkennen - er trug seit gestern Vormittag wieder seine Schutzmaske, die er beim letzten Verhandlungstag vergangenen Freitag hatte abnehmen müssen.

Hofheim: Leben des Tatverdächtigen im Sonnenhof-Fall wohl von Drogen und Aggression geprägt

Der Alltag Kevins sei von Aggressionen und Rauschmitteln, aber auch von Angst geprägt. Angst vor "den Bullen", weil er eben die junge Frau auf dem Reiterhof auf dem Gewissen habe. Dabei habe er auch seine Mutter auf übelste Art und Weise beleidigt und bedroht. Dies verdankte er schließlich dem Umstand, dass die Mutter wegen der Sache mit Lea schließlich die Polizei kontaktiert hatte.

Wie es mit dem Prozess nun weitergeht, ist im Moment ziemlich unklar. Ursprünglich lief die Frist des Gerichts zur Abgabe von Beweisanträgen bis gestern. Durch die völlig neue Tatversion könnten die Richter der Verteidigung eine weitere Frist gewähren, um sich mit den neuen Umständen zu beschäftigen. Die Staatsanwaltschaft, dessen Vertreter Daniel Wegerich schon seit mehreren Wochen seinen Schlussvortrag im Großen und Ganzen parat hat, reagierte gelassen auf die neue Lage. Erst am vergangenen Verhandlungstag war die Anklage ja von dem technischen Gutachter zur Frage der Funkzellen bestätigt worden. Kevins Mobiltelefon war zum Tatzeitpunkt eindeutig an seinem damaligen Wohnort Wiesbaden-Kloppenheim eingeloggt. Die Funkspur von Lothar R. aber führte dagegen direkt zum Tatort. (Von Matthias Gerhart)

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