Von Dunkelheit in der Nacht kann in der Rhein-Main-Region keine Rede sein.
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Umwelt

Hofheim: Licht-Verschmutzung - Viel ist noch nicht passiert

  • vonManfred Becht
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Grüne kritisieren die Stadt. Vorbild könnte Fulda sein.

Hofheim. In Fulda sind Lampen nicht erlaubt, die auch nach oben oder schräg nach oben Licht abgeben. Beleuchtete Werbung soll außerhalb der Betriebszeiten des jeweiligen Geschäftes ausgeschaltet werden, farbiges Licht nur zur Dekoration ohne weitere Funktion ist nicht erlaubt. Sogenannte Sky-Beamer sind ebenfalls nicht erlaubt. Und überhaupt gibt es allerlei Vorgaben zur Lichtmenge und Lichtfarbe je nach Verwendungszweck. Fulda hat sich erfolgreich um Anerkennung als Dark-Sky-Kommune beworben und wird als Paradebeispiel herangezogen, wenn es um die Vermeidung von Lichtverschmutzung geht.

So weit ist Hofheim noch lange nicht. Vor allem aus Sicht der Grünen-Stadtverordneten Marianne Knöss engagiert sich die Stadt auf diesem Gebiet viel zu wenig. Die Hinweise der Wissenschaftler auf den Artenschwund seien dramatisch, schimpfte sie im Umweltausschuss. Die Lichtverschmutzung gilt als schädlich unter anderem für Insekten. Seit zehn Jahren werde über das Thema in Hofheim gesprochen, so Knöss, aber in der städtischen Diversitätsstrategie - die einen Beitrag zum Artenschutz leisten soll - komme das Wort noch nicht einmal vor.

Der Magistrat hatte vom Stadtparlament den Auftrag bekommen zu ermitteln, was es kosten würde, wenn ein externes Büro die Beleuchtungsanlagen in der Stadt überprüfen würde - der Magistrat hat dazu mitgeteilt, dass dies nicht abzuschätzen sei, aber auf jeden Fall teuer werde. Die Verwaltung hält eine solche Untersuchung aber auch nicht für notwendig, sondern will das Thema im Zuge eines Projektes für ein klimaneutrales Hofheim bearbeiten. Die Ausschreibung zur Vergabe des Auftrages läuft, starten kann das Projekt durch Corona-bedingte Verzögerungen aber frühestens am Jahresende.

Der Magistrat weist außerdem auf die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf die LED-Technik hin, die zu erheblichen Verbesserungen führe. Dabei wurde auch die Dimmung einzelner Leuchten ausgeweitet, und wenn sich dies bewährt, will die Stadt dies ausdehnen. Für Marianne Knöss bringt das alles nicht viel, auch die LED-Leuchten irritieren die Insekten. Stadtrat Bernhard Köppler wiederum wies darauf hin, dass es bei der Straßenbeleuchtung auch um das Thema Sicherheit gehe; es gebe immer noch viele Einbrüche in der Stadt.

Ein weiteres Feld ist die Beleuchtung historischer Gebäude. Lampen, die vor allem nach oben strahlen, soll es nach Köpplers Worten nicht mehr geben. Am Wasserschloss zum Beispiel sollen die 26 Bodenstrahler durch zwei oder drei Strahler ersetzt werden, die das Gebäude von der Seite in Szene setzen. "Zum Glück sind die Bodenstrahler alle schon kaputt", kommentierte Knöss. Überlegungen gibt es für das alte Rathaus und das Kellereigebäude.

Sollte sich dies bewähren, werden Lösungen auch für andere öffentliche Gebäude gesucht. Es gehe auch darum, Vorbild für private Immobilienbesitzer zu sein, erklärt der Magistrat.

Nach den Worten von Marianne Knöss ist das auch bitter notwendig: "Manche beleuchten Bäume von unten mit LED-Lampen und wissen gar nicht, wie schlecht das ist." Dabei stört dies alles Getier, was im Baum als seinem Lebensraum nachts auch die Dunkelheit braucht, und es wird Licht am Baum vorbei völlig sinnlos in den Himmel geschickt.

Manfred Becht

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