Rehe werden immer wieder Opfer von freilaufenden Hunden.
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Rehe werden immer wieder Opfer von freilaufenden Hunden, auch im Main-Taunus-Kreis.

Tierschützer wütend

Hunde-Attacken gegen Rehkitze: „Die Übeltäter sind immer die gleichen“

  • vonKatrin Eva Walter
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Immer wieder lassen Leute im Main-Taunus-Kreis ihre Hunde frei laufen und immer wieder töten Hunde Rehe. Das ist eine Straftat. Tierschützern kritisieren die Gesetzgebung.

  • Jäger finden im Main-Taunus-Kreis immer wieder tote oder schwer verletzte Rehe mit Bisswunden.
  • Hunde-Attacken kosten Wildtiere das Leben, wie zuletzt bei einem Reh in Hofheim.
  • In Hessen gibt es keine generelle Anleinpflicht, insbesondere nicht in Feld, Wald und Flur.

Main-Taunus/Hofheim – Ein Reh liegt im Gras, voller Blut und mit Bissspuren. Zwei neugeborene Kitze, verdurstet, die Mutter liegt tot daneben. Bilder wie diese sind es, die Tierschützer wütend und traurig machen. Immer wieder kommt es vor, dass Jagdpächter Tiere finden, die von Hunden angefallen oder aufgescheucht wurden. Gerade erst vor wenigen Tagen war das in der Nähe von Langenhain der Fall. Kay-Uwe Looft ist dort Jagdpächter. Er hat ein Reh mit aufgerissenem Bauch und Bissspuren am Hals gefunden. Er berichtet, dass er das Tier erlösen musste. Es sei das fünfte Reh innerhalb von drei Monaten, sagt er auf Nachfrage und betont, dass es sich in solchen Fällen um eine Straftat handelt.

Tote Rehe in Hofheim: Tierschützer kritisieren die Regelungen für Hunde

"Das nimmt mich sehr mit", erklärt er. Er habe auch schon Rehe mit der Flasche aufgezogen. "Jagd und Aufziehen sind kein Widerspruch." Er und seine Familie seien traurig und betroffen, wenn so etwas passiert. Er geht von einer hohen Dunkelziffer aus und findet, dass Hunde, die nicht absolut hören, zwingend an die Leine gehören. Vor allem an Orten, wo sie für den Halter nicht mehr greifbar sind wie zum Beispiel im Wald - und grundsätzlich dort, wo Wild unterwegs ist.

Dass Hunde wilde Tiere töten oder verletzen, ist nicht neu. Es gibt aber weiterhin Menschen, die das sehr beschäftigt. So auch Tierschützer Gerd Hardt, der sich mit den beschriebenen schlimmen Bildern an diese Zeitung gewendet hat. Er hat den Eindruck, dass die Behörden sich wenig mit dem Thema beschäftigen und aktiv werden sollten.

In Hofheim besteht auf den Grün- und Erholungsanlagen Leinenpflicht für Hunde

Diese Zeitung hat beim Landratsamt des Main-Taunus-Kreises nachgefragt, an das die Naturschutzbehörde angegliedert ist. Eine Sprecherin erklärte, dass in Naturschutzgebieten durchaus Leinenzwang bestehe. Regelungen, die darüber hinausgehen, könnten allerdings nur von den Kommunen erlassen werden, nicht durch den Kreis, so die Sprecherin weiter.

Auch in Kommunen des Kreises hat diese Zeitung nachgefragt. In Hofheim zum Beispiel besteht auf den Grün- und Erholungsanlagen Leinenpflicht, außerdem bei Veranstaltungen mit vielen Menschen sowie in Gaststätten und öffentlichen Verkehrsmitteln. Zudem müssen „gefährliche Hunde“ angeleint sein. Der Rathaussprecher teilt außerdem mit, dass „es in Hessen keine generelle Anleinpflicht, insbesondere nicht in Feld, Wald und Flur“ gibt. In Eppstein gibt es keine Satzung für einen Leinenzwang - eine solche nennt sich übrigens im Amtsdeutsch „Gefahrenabwehrverordnung“.

„Ich sehe da wenig Chancen“: Auch in Bad Soden gilt keine Leinenpflicht für Hunde

Auch in Bad Soden gibt es keine Leinenpflicht. Dort ist Robert Schneider Jagdpächter, der das Problem ebenfalls seit Jahren kennt. Er berichtet allerdings, dass die Natur in Corona-Zeiten ganz andere Probleme habe. Vor allem jüngere Leute, so sein Eindruck, gingen nachts zum Feiern nach draußen, machten Lärm und Feuer - was bei der Trockenheit der vergangenen Monate natürlich ein Risiko war. Was die Leinenpflicht angehe, sei auch er dafür, wenigstens zur Brut- und Setzzeit zwischen 1. März und 16. Juni; aber die Stadt müsse das tun. "Ich sehe da wenig Chancen." Die Hundehalter, deren Tiere Ärger machen, seien immer dieselben, stellt er fest. Die Hunde liefen querfeldein und seien nicht mehr abrufbar. Das passiere auch im Altenhainer Tal, wo es Leinenpflicht gebe, weil es sich um ein Naturschutzgebiet handele.

Ob Naturschutzvereine sich mehr für die Leinenpflicht einsetzen müssen? Hans-Joachim Menius, der im Kreis sowohl in der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) als auch dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) aktiv ist, sagt: "Wir fordern das auf ganzer Linie." Viele Hundebesitzer hätten kein Problembewusstsein. Die Vereine hätten auch mit Hundekot zu kämpfen, der unter anderem das Heu verunreinigt und sehr ärgerlich für Landwirte sei. Es gehe also nicht nur um die getöteten und verletzten Wildtiere, sondern auch um die Landwirtschaft, betont er, denn Landwirte müssten ja auch Geld verdienen. (Von Katrin Walter)

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