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Hofheim: Mehr geht nicht - Tafel ist am Limit

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Von: Manfred Becht

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Auch Obst und Gemüse gibt es: Das Warenangebot der Tafel Hofheim-Hattersheim.
Auch Obst und Gemüse gibt es: Das Warenangebot der Tafel Hofheim-Hattersheim. © Caritas

Flüchtlinge aus der Ukraine treiben Abholerzahlen in die Höhe. Neue Helfer werden gebraucht

Hofheim/Hattersheim. Keiner weiß, wie lange der Krieg in der Ukraine noch dauert und wie viele weitere Flüchtlinge aus dem Land nach Deutschland kommen. Keiner weiß, wie sich die Inflation weiter entwickelt, trotz vorsichtig-positiver Signale in den letzten Tagen. Angesichts dieser Unwägbarkeiten stellt sich die Tafel Hattersheim/Hofheim darauf ein, dass die Zahl der Kunden in der Zukunft noch steigt. Dabei stößt die Einrichtung schon jetzt in mehrfacher Hinsicht an ihre Grenzen.

Im aktuellen Jahr hat der Krieg in der Ukraine die Abholerzahlen in die Höhe getrieben. Besonders gut erkennt man dies an den Zahlen für den Monat April. Im Jahre 2019 waren es 91 Abholer in diesem einen Monat, 2020 ging die Zahl, wohl wegen der Corona-Pandemie, auf 72 zurück. 2021 waren es dann wieder 96. Im Jahr 2022 waren es im April aber 140 Abholer, im Mai 143. So steht es im Jahresbericht der Tafel.

Der Zusammenhang zum Ukraine-Krieg ist unverkennbar, denn in den Monaten vor Kriegsbeginn fielen die Zahlen nicht aus dem Rahmen. Und der Anstieg setzte sich fort. In der ersten Aprilwoche 2022 stammten 24 Prozent aller Abholer an der Hofheimer Ausgabestelle aus der Ukraine. Ende April waren es schon 46 Prozent, in der ersten Juni-Woche wurde mit 66 Prozent ein Höchststand erreicht. In Hattersheim verlief die Entwicklung ähnlich, wenn auch der Anteil der ukrainischen Kunden geringer ist.

Dies stellte die Tafeln vor unerwartete Herausforderungen. Denn die Ukrainer, vor allem Frauen mit Kindern, kamen zumeist ohne Sozialbescheide oder andere Dokumente, die dazu berechtigen, Lebensmittel von der Tafel zu bekommen. Also wurde das Aufnahmeverfahren vereinfacht, die Abholgebühr von zwei Euro zumeist erlassen. Das Problem ist immer noch nicht gelöst, immer noch kommen viele ohne die nötigen Unterlagen.

Das ist aber nur eine Schwierigkeit. An den Ausgabestellen entstehen Wartezeiten, es bilden sich Schlangen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass viele nur noch alle zwei Wochen kommen dürfen. Trotzdem müssen Übersetzerinnen eingesetzt werden, Getränke werden ausgegeben, die Belastung für die Mitarbeiter ist enorm. Und viele der ehrenamtlichen Mitarbeiter sind bereits älter, ihre Leistungsfähigkeit lässt sich daher auch nicht beliebig steigern. Es bleibe Ziel der Tafel, zusätzliche Freiwillige zu gewinnen, und zwar gerade auch jüngere, heißt es im Jahresbericht.

Besonders viel Aufwand bedeuten sehr alte Kunden, Menschen mit starken Behinderungen oder anderen Einschränkungen. Sie machen 10 Prozent aller Kunden aus, und ihnen ist es nicht zuzumuten, sich an den Ausgabestellen in die Schlangen zu stellen. Sie bekommen daher besondere Zeitfenster zum Abholen eingeräumt, manche bekommen die Lebensmittel auch gebracht. Dauerhaft aber alle Menschen aus dieser Gruppe zu beliefern, das übersteige die Möglichkeiten der Tafel.

Bemerkenswert sind die Verhältnisse bei der Tafel Hattersheim/Hofheim, weil die nach eigener Einschätzung „Seismograph für Armutsentwicklungen im Main-Taunus-Kreis“ ist. Insofern sind die aktuellen Entwicklungen bedenklich, und da längst nicht alle Abholer ukrainische Flüchtlinge sind, lässt sich auch nicht alles auf diesen Krieg zurückführen.

Für die von der Caritas getragene Tafel jedenfalls bedeutet dies, dass mehr Arbeit in professionelle Hände gelegt werden muss, dass also hauptamtliche und bezahlte Mitarbeiter gebraucht werden. Ob die Einrichtung dies alleine stemmen kann? Um diese Frage könnte es auch gehen, wenn der Jahresbericht der Tafel im Hofheimer Sozialausschuss diskutiert wird; dieser trifft sich am kommenden Montag, 28. November, um 18 Uhr im Obergeschoss der Stadthalle.

Immerhin, die Stadtverordnetenversammlung hatte im Juli beschlossen, der Tafel einen außerplanmäßigen Zuschuss von 10000 Euro zukommen zu lassen. Außerdem wurde der Magistrat beauftragt, mit der Stadt Hattersheim, dem Main-Taunus-Kreis, der Caritas und der Tafel selbst ein Konzept für die Finanzierung in der Zukunft erarbeiten. Ein Ergebnis wurde bislang allerdings noch nicht vorgelegt.

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