Lothar R. wird in den Gerichtssaal geführt.
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Lothar R. wird in den Gerichtssaal geführt.

Reiterhof-Mord

Mord in Hofheim: Der Angeklagte stand schon mehr als 20 Mal vor Gericht

  • vonMatthias Gerhart
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Der Prozess gegen den 56 Jahre alten Lothar R., der seine Ex-Freundin (22) mit einem Kopfschuss getötet haben soll, wurde fortgesetzt. Sein Vorstrafenregister ist extrem lang.

  • Der wegen Mordes angeklagte Lothar R. war mehrfach vorbestraft.
  • Lothar R. soll seine Ex-Freundin auf einem Reiterhof in Hofheim erschossen haben.
  • Lothar R. fiel durch regelmäßige Gewaltausbrüche auf.

Hofheim - Die Charakterisierung hätte treffender nicht sein können. "Diskutieren war nicht die Sache von Lothar. Da flogen dann schon mal die Fäuste", sagte gestern ein ehemaliger Arbeitskollege über den wegen Eifersuchtsmordes an seiner Freundin vor dem Frankfurter Landgericht angeklagten Lothar R.

Und als ob Vorsitzender Richter Volker Kaiser-Klan noch etwas draufsetzen wollte, startete im Anschluss an die Vernehmung des ansonsten eher unauffälligen und zurückhaltend agierenden Zeugen die Erörterung der gewaltigen Vorstrafenliste des 56 Jahre alten Angeklagten. Seine "Karriere" startete demnach bereits 1979 im zarten Alter von 15 Jahren mit den üblichen jugendrechtlichen Verwarnungen wegen alterstypischer Verfehlungen - Vortäuschen einer Straftat, Fahren ohne Führerschein, diverse Schlägereien. Letztere zogen sich wie ein roter Faden durch die zahlreichen "Gastspiele" des Angeklagten vor diversen Gerichten - immerhin mehr als 20.

Reiterhof-Mord in Hofheim: Krankhafter Jähzorn des Angeklagten Lothar R.

Am meisten ließ er die Juristen beim rheinland-pfälzischen Amtsgericht in Diez an der Lahn arbeiten. In diesem Sprengel wohnte er wohl über Jahre hinweg. Im psychiatrischen Fachjargon heißt das Zauberwort "Impulskontrollstörung", also ein krankhafter Jähzorn mit körperlichen Gewaltausbrüchen, von denen in den meisten Fällen die Menschen betroffen waren, die am engsten mit dem Angeklagten zusammenlebten, aber auch ein Busfahrer, der den Mann auf ein Fehlverhalten im Straßenverkehr hingewiesen hatte oder Haus- und Wohnungsnachbarn.

Kam es anlässlich dieser Zwischenfälle gar zu einem Polizeieinsatz, loderten bei Lothar R. die Flammen erst recht. Immer wieder Bedrohung, Beleidigung oder Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte - auch eine zwischenzeitliche freiwillige Einweisung in eine ambulante Therapie beim Psychiater konnte nichts bewirken. Im Gegenteil: Die Intervalle zwischen den einzelnen Verurteilungen wurden ab 2010 immer kürzer.

Reiterhof-Mord in Hofheim: Immer wieder Bewährungsstrafen für Lothar R.

Augenfällig war dabei auch für das Gericht die Tatsache, dass es immer wieder Bewährungsstrafen für den Täter gab - auch wenn er erst Monate zuvor wegen ähnlicher Gewalttaten verurteilt wurde und unter laufender Bewährung stand. Offenbar bekamen es der Angeklagte beziehungsweise seine Verteidiger immer wieder hin, die Richter gütig zu stimmen.

Um die Frage einer Strafaussetzung aber wird es im aktuellen Prozess auf gar keinen Fall gehen. Gewissermaßen als Höhepunkt aller vorausgegangenen kriminellen Betätigungen soll der Angeklagte im August vergangenen Jahres seine 22 Jahre alte ehemalige Freundin nach der Trennung aus nächster Nähe bei einem Reiterhof in Langenhain durch Kopfschuss getötet haben. Er selbst sagt nichts zu dem schweren Vorwurf. Deshalb stehen zahlreiche Zeugenvernehmungen aus dem Umfeld von Täter und Opfer im Mittelpunkt der Beweisaufnahme.

Reiterhof-Mord in Hofheim: Prozess gegen Lothar R. geht weiter

So wurde gestern Mittag auch der 17 Jahre alte Sohn des Angeklagten in den Zeugenstand gerufen, ein schüchtern wirkender Metzgerlehrling. Er hob den Kopf, als er vom Richter belehrt wurde, dass er als Sohn des Angeklagten keine Aussage zu machen brauche. Auch in Auszügen wolle er nichts sagen, so dass die Vernehmung nach einem kurzen Moment zu Ende war. Nach derzeitigem Stand könnte der Prozess bereits in der kommenden Woche in seine entscheidende Phase treten. Dies hängt unter anderem davon ab, ob die Verteidigung noch Anträge einreichen wird. Matthias Gerhart

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