Am Tag nach der Tat im August vergangenen Jahres hatten Polizeibeamte das Gelände um den Reiterhof in Langenhain akribisch nach Spuren abgesucht. 	Foto: ulk
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Am Tag nach der Tat im August vergangenen Jahres hatten Polizeibeamte das Gelände um den Reiterhof in Langenhain akribisch nach Spuren abgesucht.

Prozess

Junge Tierarzthelferin getötet: „Jedes Mal kam sie mit blauen Flecken bei uns an“

  • vonMatthias Gerhart
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Im Prozess um den Mord an einer Tierarzthelferin aus Hofheim hat ein Zeuge ausgesagt. Er schilderte dem Gericht die On-Off-Beziehung des Angeklagten und seiner Ex-Freundin..

  • Am Landgericht Frankfurt wird der Mord an einer 22-Jährigen in Hofheim verhandelt.
  • Angeklagt ist ihr Ex-Freund.
  • Nun sagte ein enger Bekannter der beiden aus - es ging vor allem um Gewalt in der Beziehung.

Langenhain/Frankfurt – Im Prozess um den Eifersuchtsmord am „Sonnenhof“ im Hofheimer Stadtteil Langenhain gab es am Dienstag (07.07.2020) vor dem Frankfurter Landgericht so etwas wie die Bekenntnisse eines guten Bekannten von Opfer und mutmaßlichem Täter zu hören. Der 47 Jahre alte Zeuge, der vor allem die getötete, damals 22 Jahre alte Frau recht gut kannte, sagte: „Ich hätte nie gedacht, dass Lothar sie einfach abknallt“. Heute aber könne er sich dies durchaus vorstellen, „wer sonst soll es gewesen sein“, der die als lebenslustig, freundlich und fleißig geltende Frau im August vergangenen Jahres aus nächster Nähe getötet habe.

„Du musst wissen, was du machst“ - mit solchen und ähnlichen Ratschlägen habe er reagiert, als die 22-Jährige die Beziehung zu ihrer langjährigen Jugendfreundschaft „Patrick“ gelöst und sich stattdessen in die Verbindung mit dem viel älteren Lothar begeben habe. Lothar stand bei dem Bekannten nicht im besten Ruf: Jähzorn und Eifersucht seien hervortretende Eigenschaften von ihm gewesen.

Hofheim: Mord an einer jungen Tierarzthelferin – Prozess in Frankfurt

In der Praxis sah dies so aus, dass der 56-Jährige die junge Frau zwei Mal hintereinander von seinem Hof in Wiesbaden-Kloppenheim gejagt hatte. „Jedes Mal kam sie mit blauen Flecken bei uns an und bat um Übernachtungsmöglichkeit“. Er hatte sie die Treppe hinuntergestoßen.

Ausschlaggebend für die endgültige Trennung aber sei der Umstand gewesen, dass er nach ihrem Rausschmiss auch gleich ihr Pferd aus dem Stall geholt und irgendwo im Außenbereich angebunden hatte. „Du kannst deinen Gaul gleich mitnehmen“, schallte es daraufhin barsch ins Telefon. „Damit hatte er ihr Heiligstes angegriffen“, folgerte der Zeuge. „Sie wäre auf ewig bei ihm geblieben, wäre er nicht immer wieder so gewalttätig geworden“, sagte der Mann.

Landgericht Frankfurt: Prozess um Mord an 22-Jähriger – Gewalt und Angst in der Beziehung

So aber sei es eine „On-Off-Beziehung“ gewesen - einmal habe man gemeinsamen Träumen von einem eigenen Reiterhof nachgehangen, ein andermal aber setzte es wieder einmal Schläge, wenn die junge Frau sich nicht um die Sachen so kümmerte, wie es der 56-Jährige gerne gehabt hätte.

Nach der Trennung aber habe die Angst eindeutig überwogen. „Sie befürchtete, dass Lothar durchdreht“, sagte der Zeuge. Drohungen seien an der Tagesordnung gewesen und plötzlich sei Lothar ganz verschwunden gewesen - immer getrieben auf der Suche nach dem neuen Liebhaber, den es freilich nicht gegeben habe. Die junge Frau habe einfach einmal etwas Abstand haben wollen und sei deshalb mal nach Düsseldorf und ein andermal an einen Badesee bei Kelsterbach gefahren. Mit neuen Partnerschaften habe dies nichts zu tun gehabt.

Doch all diese Überlegungen erreichten Lothar nicht mehr. Stattdessen habe er an vergangene Zeiten als Mitglied einer Rockergruppe gedacht, in der Gewalt und auch Todesdrohungen offenbar zum Alltag gehört hatten. Der Prozess wird heute fortgesetzt. (Von Matthias Gerhart)

Im Prozess um den Eifersuchtsmord am „Sonnenhof“ in Hofheim-Langenhain zeichnete die Mutter der getöteten 22-Jährigen ein genaues, feinfühliges Bild ihrer Tochter.

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