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Der Entsorger Meinhardt will auf seinem Betriebsgelände im Wallauer Industriegebiet eine Zerkleinerungsanlage für Holz, Verpackungen und Sperrmüll bauen.

Wirtschaft

Hofheim: Müll-Riese verdoppelt Lagerkapazitäten

  • vonManfred Becht
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Der Entsorger Meinhardt in Wallau investiert in Ballenpresse und Zerkleinerungsanlage.

Wallau – Dass Häuser im Interesse des Klimaschutzes gedämmt werden sollten, hat sich herumgesprochen. Aber viele Materialien, die dabei verbaut wurden, werden später einmal zum Umweltproblem. In Wallau bemüht sich die Meinhardt-Städtereinigung um eine bessere Entsorgung von Glas- und Steinwolle. Über Einzelheiten hat der Magistrat im Ortsbeirat informiert.

Glas- und Steinwolle werden unter der Bezeichnung künstliche Mineralfasern (KMF) zusammengefasst. Sie dämmen dadurch, dass zwischen den Fasern viel Luft eingeschlossen ist. Das bedeutet aber auch, dass sie viel Platz wegnehmen oder - positiv formuliert - auf ein Zehntel ihres Volumens zusammengepresst werden können. Dadurch wird der Platz auf den Deponien besser ausgenutzt, weshalb die Betreiber am liebsten verpresstes Material nehmen. Zudem führt es nicht mehr zu unkontrollierten Setzungen auf der Deponie, was den Unternehmern dort auch sehr recht ist.

Die Firma Meinhardt schafft sich daher eine mobile Ballenpresse an. Sie befindet sich auf einem Lastwagen und soll an verschiedenen Standorten des Unternehmens eingesetzt werden. Obwohl es sich um eine mobile Anlage handelt, muss sie behördlich genehmigt werden - die Stadt Hofheim hat dem dafür zuständigen Main-Taunus-Kreis ihr Einverständnis mitgeteilt.

Völlig harmlos ist das Vorhaben nicht - bei solchen Dämmstoffen, die vor 2000 hergestellt wurden, besteht potenziell eine krebserzeugende Wirkung. Die Fasern sind nach Länge und Struktur in der Lage, sich in der Lunge festzusetzen, bei neuen Mineralfasern ist das nicht mehr der Fall. Freilich kann man neuere und ältere KMF optisch nicht voneinander unterscheiden. Und da vor allem ausgebaute Stoffe entsorgt werden, kann man davon ausgehen, dass Meinhardt es hauptsächlich mit älteren KMF zu tun bekommt.

Die Ballenpresse wird daher mit besonderen Schutzmaßnahmen ausgerüstet, unter anderem einer Absauganlage. Welche weiteren Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden müssen, das entscheidet das Regierungspräsidium Darmstadt. Auf jeden Fall soll es regelmäßige Kontrollen geben.

Auf dem Meinhardt-Gelände im Wallauer Industriegebiet soll zweitens eine Zerkleinerungsanlage für Holz, Verpackungen und Sperrmüll gebaut werden. Der Magistrat weist ausdrücklich darauf hin, dass die Anlage täglich höchstens drei Stunden in Betrieb sein soll.

Durch beide Projekte wird die Gesamtanlage des Unternehmens in Wallau 11 500 Tonnen mehr Müll im Jahr verarbeiten können, eine Steigerung um mehr als zehn Prozent. Die Lagerkapazität wird von 1185 auf 2784 Tonnen erhöht und somit mehr als verdoppelt. In den Stadtteilen Wallau und Diedenbergen wird allerdings bereits jetzt darauf hingewiesen, dass dies auch den Verkehr zum Gewerbegebiet Wallau erhöhen wird. Als akzeptabel gilt das nur, wenn die Lastwagen über die Umgehungsstraße kommen und weder durch Wallau noch durch Diedenbergen fahren. Manfred Becht

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