Mit Zangen, Tüten und Westen: Müllsammler verschiedener Generationen waren jetzt im Einsatz.
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Mit Zangen, Tüten und Westen: Müllsammler verschiedener Generationen waren jetzt im Einsatz.

Cleanup Day

Hofheim: Müllsammler lesen 6000 Kippen auf

  • vonBarbara Schmidt
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Sie machten den Dreck anderer weg: Die Pfadfinder vom Stamm Bonifatius beteiligten sich am weltweiten Aktionstag.

Hofheim. Am Samstag war weltweiter "Cleanup day" - ein Saubermach-Tag aus Bürgerengagement heraus. Auch in Hofheim fanden sich Menschen, die einfach mitgemacht haben. Jungpfadfinder-Leiterin Katja Zender war es, die die Pfadfinder vom Stamm Bonifatius aus Marxheim vor zwei Wochen für die Müllsammel-Aktion begeistert hat. "Es war eine spontane Sache", berichtete Zender am Samstagnachmittag. Ein paar Vorstandsmitglieder sagten ihre Unterstützung zu, und auch die Stadt Hofheim war gleich mit im Boot. Wie viele Mitstreiter sie haben würde, das wusste Katja Zender am Samstag um viertel vor Zwei aber noch nicht.

Immerhin: Die Pfadfinder blieben nicht unter sich. Einige weitere Freiwillige fanden sich am Ambett-Brunnen ein und ließen sich mit Greifzangen, Handschuhen und Warnwesten ausrüsten. Bürgermeister Christian Vogt unterstützte die Aktion nicht nur durch Werbung in seinem Freitags-Video, er brachte selbst Müsli-Riegel und Wasserflaschen für die Helfer vorbei und sicherte zu, die Stadt werde die Entsorgung der gefüllten Abfallsäcke übernehmen.

Für die Pfadfinder gehört Müllsammeln schon länger zu den guten Taten, die ihre Organisation sich bekanntlich auf die Fahnen geschrieben hat. Ihnen sei bei ihren Geländespielen im Wald einfach aufgefallen, wie viel Abfall dort liege, erläutert Katja Zender. "Immer, wenn wir rausgehen, habe ich jetzt einen Müllsack dabei." Zuletzt hatten die Pfadfinder bei einem Geländespiel sogar einen Schlauch und einen Schuh im Wald gefunden.

Ihr sei es aber auch wichtig gewesen, mal öffentlichkeitswirksam auf das Problem des sogenannten "Littering", des einfachen Fallenlassens von Müll, aufmerksam zu machen. Ihre Hoffnung: "Wenn einer am Bahnhof steht und raucht und dann ein paar Leute um ihn herum Kippen einsammeln, wird er es sich zwei Mal überlegen, ob er seinen Zigarettenstummel einfach wegschnickt."

Kippen auf dem Boden sehen nicht nur hässlich aus, von ihnen geht auch Gefahr aus. Daher sollte beim diesjährigen Aktionstag das Augenmerk ganz besonders auf die Stummel gerichtet werden, die noch viele Gifte enthalten. Das ist schlecht fürs Grundwasser. Pfadfinderin Dorilys Dörr weiß, dass auch Tiere, die Zigarettenreste fressen, in Gefahr geraten. "Viele Igel sterben daran, weil sie nikotinsüchtig werden. Irgendwie bitter", findet ihre Schwester Damaris. Sie wurden bereits früh häufig zwischen Ambett-Brunnen und Platz am Untertor fündig. "Wir haben schon 100 Kippen - und wir sind noch keine 100 Meter gegangen."

Auch Pfadfinderin Teresa (13) und ihr Bruder Elias (15), die am Busbahnhof sammelten, hatten nach wenigen Minuten schon 50 Kippen aufgelesen. Und das, obwohl "unsere Helden im Team", wie Christian Vogt die Mitarbeiter der Stadtwerke, die für die Straßenreinigung unterwegs sind, nannte, schon sehr viel im Einsatz sind. Die Stadt hat sogar einen Sauger angeschafft, der Kippen aus den Ritzen zwischen Pflastersteinen ziehen kann.

"In Hofheim ist es sauberer als in Frankfurt", ist denn auch der Eindruck der Zeilsheimerin Katja Zender. "Aber wenn man genauer hinschaut, findet man immer etwas", fasst Jennifer Hochwald ihre Erfahrung zusammen. Sie war am Samstag mit Sohn Samuel dabei. Der Fünfjährige war der Jüngste und einer der eifrigsten Sammler und weiß schon genau: "Man wirft nichts einfach irgendwo hin!"

"Am schlimmsten", hat seine Mutter festgestellt, sehe es immer am Chinoncenter aus. Das muss auch Christian Vogt bestätigen. Dabei werde dort schon drei Mal pro Tag sauber gemacht, sagt der Rathauschef. Chipstüten, Papier von Schokoriegeln, Bahn-Fahrkarten und natürlich auch hier Kippen finden Jennifer und Samuel Hogewald auf der Wiese hinter der Esso-Tankstelle.

Auch Holger Schlichting ist spontan gekommen. "Mich nervt, dass viele Leute sagen, es seien Jugendliche. Dabei sind es oft Autofahrer - und die sind alle über 18", hat der Hofheimer festgestellt, dass gerade an Straßenrändern viel Müll liegt. Öfter sammle er den auch sonst privat.

Die Gruppe um Pfadfinder-Vorstandsmitglied Damaris Dörr bekommt zwischendurch auch mal ein Lob. Ein Passant sagt: "Das macht ihr prima. Wenn es nur nicht so viele Leute gäbe, die ihren Dreck einfach wegwerfen", fügt er noch an. "Es ist eigentlich dumm, dass man für andere arbeiten muss", fände es auch Teresa besser, der Müll würde gar nicht auf dem Boden landen. Wie viel dort entsorgt wird - die Sammler können es drei Stunden später erahnen. Sechs Säcke sind voll geworden. Und darin stecken sage und schreibe 6000 Zigarettenkippen. babs

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