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Hofheim: Nachbarn finden die Aussicht auf 18 Meter hohe "Kisten" nicht toll

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Von: Barbara Schmidt

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So soll der geplante Neubaukomplex mit 96 Wohneinheiten, hier von der Ecke Liederbacher Weg/Hermann-Friesen-Straße, aussehen. Im Eckhaus: die Kita.
So soll der geplante Neubaukomplex mit 96 Wohneinheiten, hier von der Ecke Liederbacher Weg/Hermann-Friesen-Straße, aussehen. Im Eckhaus: die Kita. © instone

Ortsbeirat stimmt Grundzügen der Bebauung des ehemaligen Mohr-Geländes zu.

Hofheim. Ein nicht direkt betroffener Beobachter kann für alle Seiten Verständnis haben. Da hat ein Investor ein Grundstück zu den in Hofheim nun einmal besonders teuren Preisen erworben und will am Ende auch noch ein Geschäft gemacht haben, wenn er hier, auf dem Gelände des ehemaligen Werk II von Polar Mohr, Wohnraum schafft. Da gibt es aber auch Nachbarn, die (teils schon lange) hier in ihren eineinhalb- bis zweieinhalbgeschossigen Häusern mit Satteldach leben und die Aussicht nicht doll finden, künftig auf bis zu 18 Meter hohe "Kisten" zu gucken, als die viele die von Architekten und Bauherren derzeit so geliebten Flachdachgebäude mit Staffelgeschoss empfinden.

Problemlage wie unterm Brennglas

Die Stadt als Dritter im Boot hat ohnehin schon das Problem, dass die einen nach Wohnraum rufen, viele andere aber überall dort, wo welcher realisiert werden soll, gleich Protest anmelden. Und dann soll sie auch noch auf ihrem Territorium für günstigen Wohnraum für Menschen mit wenig Geld sorgen und für die nötige soziale Infrastruktur - wofür es wiederum Platz, also Grundstücke braucht, die Mangelware und kaum noch bezahlbar sind.

Wie unter einem Brennglas zeigt all diese Ansprüche und Konflikte gerade die Diskussion um die geplante Bebauung auf dem rund 8000 Quadratmeter großen Areal zwischen Homburger Straße, Kantstraße, Liederbacher Weg und Hermann-Friesen-Straße. Alle kamen jetzt auch im Ortsbeirat Kernstadt auf den Tisch, der Stellung nehmen sollte zu den Grundzügen für einen Bebauungsplan für dieses Gebiet. Würde die Stadt einen solchen nicht aufstellen, wären ihre Mitsprachemöglichkeiten deutlich begrenzter. Damit auch die Allgemeinheit einen Nutzen von dem privaten Bauvorhaben hat, hatten Bürgermeister Vogt und die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) bereits im Vorfeld mit dem Investor verhandelt und festgeschrieben, dass auf dem Gelände auch eine Kita entstehen und zehn Prozent der geplanten Wohnungen sozial gefördert sein sollen.

Dagegen haben auch die Anwohner nichts. Sie bemängeln aber, dass - auch im Ortsbeirat am Mittwochabend in der Stadthalle - "in keinster Weise drüber geredet wird, warum wir hier so viele Stockwerke und so viele Wohnungen haben müssen," wie ein Vertreter in der Bürgerfragestunde nach Sitzungsschluss beklagte. Der Bebauungsplan werde passend für den Investor gemacht. Vor allem die vier Geschosse plus Staffelgeschoss (plus Photovoltaik), die drei der sechs Gebäude haben sollen, stören die Anwohner. Auch in den Augen von Ortsvorsteherin Elli Wagner (CDU) ist das "schon sehr hoch", da könne sie die Anlieger verstehen und "nur mit Bauchschmerzen zustimmen".

Droht eine Verschattung?

Die Planerin verwies hingegen auf die viergeschossigen Gebäude der HWB am Liederbacher Weg, Stadtverordneter Wilhelm Schultze (BfH) gab zu bedenken, es gebe einigen Abstand zur Umgebungs-Bebauung. Ob deren Bewohner vor allem im Norden und Westen, an der Kantstraße und der Homburger Straße, eine Verschattung durch die geplanten Neubauten fürchten müssen, ist für den Ortsbeirat eine Kernfrage. Weil das bereits in Arbeit befindliche Gutachten dazu aber noch nicht vorliegt, hat er seine Zustimmung zum Bebauungsplanentwurf an die Bedingung gebunden, dass keine Verschattung der umliegenden Grundstücke erfolgen darf.

Weil eine Tiefgarage das ganze Grundstück unterkellert, äußerten Ortsbeiratsmitglieder - unter anderem die Linke Anita Vogt - zudem Zweifel an der Versicherung der Vertreterin des Planungsbüros, es würden auch Bäume gepflanzt werden. Beate Faust (CDU) und Peter Otlik (SPD) thematisierten noch den zusätzlichen Verkehr und die in ihren Augen geringe Zahl von Parkplätzen für Besucher, Anlieferer oder Kita-Mitarbeiter und Eltern. Schon jetzt sei der Parkdruck in dem gesamten Wohngebiet im Norden hoch. Auch die Zahl von 137 Stellplätzen in der Tiefgarage hielten einige für zu gering - auch wenn sie der städtischen Stellplatzsatzung entspricht.

Erster Stadtrat Wolfgang Exner (CDU) sprach von einem "schmalen Grat", für das Gebiet eine "vertretbare Lösung zu finden". Für eine solche halte der Magistrat aber die jetzige Planung. Der Ortsbeirat folgte dem mit fünf Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen. Nun sind der Planungsausschuss und die Stadtverordneten am Zug. babs

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