August 2019 - Blick in die riesige Grube, die für den ersten Teil-Neubau des Martha-Else-Hauses ausgehoben worden war. Damit die Baustelle nicht absäuft, musste Schichtenwasser abgepumpt werden. Die oberflächennahen Ströme machen das Bauen am Kapellenberg oft kompliziert. Nachdem der Neubau inzwischen steht, soll das ursprüngliche Hauptgebäude des Altenheims (hinten) abgebrochen werden.
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August 2019 - Blick in die riesige Grube, die für den ersten Teil-Neubau des Martha-Else-Hauses ausgehoben worden war. Damit die Baustelle nicht absäuft, musste Schichtenwasser abgepumpt werden. Die oberflächennahen Ströme machen das Bauen am Kapellenberg oft kompliziert. Nachdem der Neubau inzwischen steht, soll das ursprüngliche Hauptgebäude des Altenheims (hinten) abgebrochen werden.

Bauprojekt

Hofheim: Nachbarn fürchten Folgeschäden

  • VonBarbara Schmidt
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Erste Absenkungen soll es bereits geben. Ist der Neubau des Martha-Else-Hauses die Ursache?

Hofheim -Eigentlich hatte die Bauherrschaft - die Stiftung Martha-Else-Haus - am Mittwoch nur die Nachbarschaft über den Fortgang der Baumaßnahmen zur Erneuerung des Martha-Else-Hauses informieren wollen. Doch die, die gekommen waren, interessierten die neuen Seniorenwohnungen, die im zweiten Bauabschnitt entstehen sollen, nur wenig. Der Nachbarschaft brennen andere Dinge unter den Nägeln: Sorgt der Neubau des Altenheims möglicherweise für Schäden an ihren Häusern? Und was hat der Bauherr vorab getan, um dies zu verhindern oder zumindest um für Schäden geradestehen zu können?

Ein bisschen spät für solche Fragen, wenn ein Haus schon steht, könnte man denken. Doch im Verlauf der wenig strukturierten Versammlung wurde schnell klar: Die Anwohner haben sich früh um Antworten bemüht, ihre E-Mails an den zuständigen Geschäftsführer Axel Urban seien aber einfach nicht beantwortet worden. Sie habe davon nichts gewusst und entschuldige sich in aller Form dafür, suchte Gabriele Binder-Isele als stellvertretende Stiftungsvorsitzende zu beschwichtigen. Sie bat um eine neue Chance und versprach nun Antworten und auch eine Einsicht in die hydrogeologischen Gutachten, die man "selbstverständlich" habe in Begleitung der Baumaßnahmen anfertigen und mehrfach aktualisieren lassen. Denn das erste Gutachten habe sich als "nicht aussagekräftig" erwiesen, als man die Baumaßnahme begonnen hatte. Dabei wurde nämlich im oberen Bereich des Grundstücks, also zur Friedensstraße hin, eine Drainage entdeckt, von der niemand Kenntnis gehabt habe. Über diese sei wohl über Jahrzehnte das anfallende Schichtenwasser in die Kanalisation geleitet worden. Von Mengen, wie man sie auch während der Bauarbeiten gehabt habe, als mehr als 25 000 Kubikmeter Wasser in die Kanalisation gingen, sprach der Architekt.

Auf die Frage, ob ein erstes Gutachten vor Erteilung der Baugenehmigung vorlag, äußerte Architekt Klaus Gesell vom Büro Gesell, Kristein und Partner in Andernach, "die Baugenehmigung fragt nach keinen Gutachten". Dem widersprachen etliche Anwesende für den Bereich des unteren Kapellenberges und verwiesen auf die Haukeberg-Katastrophe, bei der es zur vollkommenen Zerstörung eines Wohnhauses aufgrund von Bauarbeiten an der Elisabethenschule gekommen war. Heidemarie Müncheberg verwies auf die umfangreiche Sammlung ihres verstorbenen Vaters, des früheren Stadtverordneten und Heimatforschers Günter Rühl, zu der Problematik. Für Müncheberg ist der seit der Baumaßnahme deutlich abgesunkene Wasserstand in einem Brunnen, den schon ihr Urgroßvater in der Rossertstraße angelegt habe, ein klarer Hinweis, dass sich an den Wasserströmungen im Untergrund, den sogenannten Hofheimer Kiesen, etwas verändert habe.

Bauherrschaft und Architekt räumten auf Nachfrage der Nachbarn ein, dass vorab kein Beweissicherungsverfahren für die umliegenden Gebäude durchgeführt worden sei. Lediglich Fotos von den umliegenden Gebäuden "über den Zaun" habe man gemacht. Ein Großteil der Anwohner hat inzwischen von sich aus ein solches Sicherungsverfahren angestrengt, das notwendig ist, um Schäden infolge einer Baumaßnahme zu belegen. Wenn die Stiftung die Unterlagen haben wolle, könne sie diese erhalten, allerdings nur gegen eine Kostenerstattung, machte ein Sprecher der Anwohner deutlich. Erste Absenkungen und Veränderungen an Gebäuden oder Außentreppen seien bereits aufgetreten. Nun sei wichtig zu klären, ob dies Folge der Baumaßnahme sei und ob der Bauherr entsprechend versichert sei und entsprechend eine Entschädigung möglich.

Der Stiftungsvorsitzende Manfred Sterlepper versprach, man werde dies prüfen und außerdem Einsicht in die vorhandenen Gutachten gewähren.

Jetzt wird der älteste Teil des Altenheims abgerissen

Der zweite Bauabschnitt für den Martha-Else-Haus-Neubau soll in den nächsten Wochen in Angriff genommen werden. Zunächst wird der älteste Gebäudeteil des Altbaus aus den 1960er Jahren entkernt und abgerissen. Geplant ist, an seiner Stelle einen Bau auf Stelzen zu errichten, der ermöglicht, darunter die nötigen 29 Stellplätze einzurichten. In dem neuen Haus, das unterirdisch an den bereits stehenden Neubau des Altenheims angebunden werden soll, sind zwölf 2- und 3-Zimmer-Wohnungen für Senioren geplant, die Betreuungsleistungen durch das Martha-Else-Haus nach Bedarf in Anspruch nehmen können.

Wie der Stiftungsvorsitzende Manfred Sterlepper am Rande des Informationsabends für die Nachbarschaft bestätigte, soll es noch eine Umplanung geben. Wie berichtet, hatte die Arztpraxis, die im Erdgeschoss des Altenheim-Neubaus eingerichtet worden war, nicht vermietet werden können. Dort solle jetzt die Tagespflege einziehen. Dafür seien nur kleinere Umbauten nötig, so Sterlepper.

Das Gebäude der Tagespflege an der Sodener Straße, in dem die Küche der Einrichtung ist, die auch Essen auf Rädern beliefert, soll - was bisher nicht Teil der Planung war - komplett saniert und umgebaut werden. Die Küche sei nicht mehr zeitgemäß, so Sterlepper. In den beiden oberen Geschossen, die die Tagespflege bis zum Umzug in die Lobby des Neubaus genutzt hatte, sollen zwei weitere Wohnungen entstehen.

Begonnen werden soll mit der Neubaumaßnahme an der Staufenstraße Anfang 2022. Für den Abriss, der sich unter anderem wegen der nicht funktionierenden Telefonanlage im Neubau verzögert hatte, haben sich die Nachbarn erbeten, dass dieser mit weniger Lärm und Staub einhergeht, als es beim Abriss der übrigen Altbau-Teile der Fall war. babs

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