Klare Ansage vor der Tiefgarageneinfahrt ins Chinon-Center: Radfahrer haben hier nichts zu suchen. Für sie gibt es einen Abstellplatz an der Pfarrgasse.
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Klare Ansage vor der Tiefgarageneinfahrt ins Chinon-Center: Radfahrer haben hier nichts zu suchen. Für sie gibt es einen Abstellplatz an der Pfarrgasse.

Nahmobilität

Hofheim: Nagelprobe auf Radler-Freundlichkeit

  • vonBarbara Schmidt
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Chinon-Center-Kunden wollen mit Rad nicht schlechter parken als mit Auto.

Hofheim. -Seit Wochen ist es ein Thema, das Radfahrer ärgert. Sie sind in der Garage im Tiefparterre des Chinon-Centers nicht erwünscht. Mehrfach schon gab es Stress mit Security-Mitarbeitern, weil Radfahrer ihren Drahtesel in der Garage abgestellt hatten oder dies tun wollten. Seiner Frau, die stets ihr Rad an der Schranke vorbei in die Garage geschoben habe, habe man sogar schon Hausverbot angedroht, sagt Lothar Höhn.

Der bekannte Hofheimer will bewusst die Umwelt schonen und für weniger Autoverkehr in der Stadt sorgen und macht daher auch etwas größere Einkäufe gern mit dem Rad. Das Problem: Für einen 80-Jährigen wie ihn ist es, auch wenn Höhn noch recht fit ist, schon beschwerlich, mit vollen Einkaufstaschen mit schwerem Inhalt wie Milch, Mehl, Zucker oder Kartoffeln den Weg zu den für Fahrräder vorgesehenen Stellplätzen im Außenbereich des Chinon-Centers zurückzulegen. Denn im Unterschied zur Garage können hierher keine Einkaufswagen mitgenommen werden. Das aber geht in der Garage, wo er die Einkäufe direkt aus dem Wagen in seine Fahrrad-Seitentaschen packen kann.

Höhn ist längst nicht der Einzige, der deswegen in der Vergangenheit gern mal sein Rad in der Garage auf der Lidl- und Edeka-Ebene geparkt hat. Und er argumentiert, dass in einer Zeit, in der doch mehr Radfahren von allen Parteien gefordert würde, beim Parken nicht nur an die Autofahrer gedacht werden dürfe. Doch seit einiger Zeit hängt ein Schild an der Zufahrt, das hier das Radfahren verbietet. Für Höhn die falsche Reaktion. Er träumt vielmehr von einem Willkommens-Schild für Radfahrer, das höflich auffordert: "Bitte absteigen" und Hinweise auf den Fahrradstellplatz in der Nähe des Center-Zugangs, Schließfächer für Helme und eine Ladestation für E-Bikes gibt.

Eigentümerin des Chinon-Centers ist die Patrizia Grundinvest, sie hat die Parkgaragen aber an die Hallen- und Parkhaus GmbH (HuP), eine hundertprozentige Tochter der Stadt Hofheim, vermietet. Die HuP übernimmt die Bewirtschaftung. Norman Diehl, neben Bürgermeister Christian Vogt Geschäftsführer der HuP, stellt erst einmal klar, dass es noch nie erlaubt gewesen sei, in einer Autogarage Rad zu fahren. Das neu aufgehängte Schild am Eingang weise damit nur auf eine bestehende Regelung hin, die an sich nicht neu sei. Tatsächlich sei das Parkhaus auch zu eng, um neben Autos hier auch Radfahrer zuzulassen. Zudem sei es in der Vergangenheit zu Sach- und Personenschäden gekommen. So sei die Schranke, die sich nach jedem Auto wieder schließt, schon Radlern, die nach einem Auto schnell hätten durchfahren wollen, auf den Fahrradhelm geschlagen.

Diehl räumt ein, dass sich die Zeiten geändert hätten und das Fahrrad heute ein sehr viel größeres Thema als noch vor zwölf Jahren sei, als das Center geplant und gebaut wurde. Er finde es auch "total berechtigt und total nachvollziehbar", dass Kunden mit Rad nicht schlechter gestellt sein wollten als solche mit Auto. Auch die Schwierigkeit, schwere Einkäufe zu einem Rad zu bekommen, wenn dafür der Einkaufswagen nicht genutzt werden könne, sei nicht zu leugnen. Die Verhältnisse in der Garage ließen die Einrichtung einer eigenen Fahrspur für Räder aber nicht zu.

Ob es andere Lösungen geben könne, sei etwas, was die HuP immerhin gemeinsam mit dem Centermanagement prüfen könne und in den nächsten Monaten auch prüfen werde, sichert der HuP-Geschäftsführer zu. Dass es vom Unfall- und damit vom Versicherungsrisiko her, das den Kritikern bisher als ein Hinderungsgrund genannt wurde, keinen Unterschied macht, ob in der Garage ein Rad oder ein Kinderwagen oder ein Rollator geschoben wird, gesteht Diehl zu. Ob dann allerdings auch jeder sein Rad schiebe, sei aber natürlich eine Frage.

Alternativ lasse sich prüfen, ob es möglich wäre, nahe den Fahrradstellplätzen Einkaufswagen abzustellen. Klar sei, dass eine verstärkte Nutzung von Rädern, E-Bikes und sogar Lastenrädern Konsequenzen auf das Stellplatz-Angebot in der Stadt haben müsse. Von daher handele es sich um berechtigte Fragen, für die man zumindest offen sei. Diehl betont aber, er wolle "nicht zu viel Hoffnung machen, dass wir gleich eine Lösung haben". babs

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