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Mit großer Begeisterung und neuen Plänen hat Dr. Karin Ademmer ihre Stelle am Hofheimer Krankenhaus angetreten. Foto: Knapp

Main-Taunus-Kliniken

Hofheim: Die neue Chefin der Psychiatrie

Sie ist glücklich, wieder in der Region zu sein. Dr. Karin Ademmer will mit der Schmerztherapie Neues anstoßen. Die Psychiatrie ist ein Schwergewicht in den Kliniken des MTK.

Hofheim -Psychiater müssen in ihrem Arbeitsalltag viel zuhören und beobachten. Ihre wachen Augen, ihr Interesse an ihrer Umwelt und den Menschen darin hat Dr. Karin Ademmer, die neue Chefärztin der Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik am Hofheimer Krankenhaus, aber wohl schon ihr Leben lang. Wie das ist, wenn Menschen die Erfahrung machen dürfen, dass Ärzte ihnen helfen, Heilung bringen, hat sie als Jugendliche stark beeindruckt. Ihre Eltern hätten damals in Indien sogenannte "Eye-Camps" organisiert, um Landbewohnern ambulante Katarakt-Operationen zur Behandlung von Grauem Star zu ermöglichen, erzählt sie. Es sei für sie "sehr interessant gewesen zu sehen, wie die Menschen danach wieder gucken konnten. So was werde ich auch machen", habe sie sich damals vorgenommen, erinnert sich Ademmer.

Augenärztin ist sie aber dann doch nicht geworden, anders als ihre ältere Schwester. "Eher Zufall" sei es gewesen, dass ihr Weg sie nach dem Medizinstudium in Indien in die Psychiatrie geführt habe, urteilt die Tochter einer deutschen Mutter und eines indischen Vaters im Rückblick. "Eigentlich" hatte sie in Deutschland nur einen kurzen Aufenthalt geplant, die Aufnahmeprüfung für die weitere Ausbildung in den USA hatte sie bereits in der Tasche. Am Ende waren die Familienbande stärker - auch ihre Schwester arbeitete bereits in Deutschland. "So bin ich ein bisschen hier hängen geblieben", sagt sie mit einem Lächeln.

Fasziniert von den Krankheitsbildern

Bereut hat sie es nicht, auch wenn es zu jener Zeit kaum freie Stellen für den Mediziner-Nachwuchs gab und die Wahl des Fachgebiets eher von den Möglichkeiten bestimmt war, als wirkliches Wunschkonzert. In der Psychiatrie hätten sie die Krankheitsbilder fasziniert. Die damals üblicherweise vor allem medikamentöse Behandlung, gefiel ihr weniger. "Da mache ich etwas anderes", hat sie sich gesagt. Nach der Familienpause promovierte die zweifache Mutter im Bereich der Inneren Medizin. Sie habe dann aber festgestellt, "dass mein Herz doch für die Menschen mit psychischen Problemen schlägt."

Ihnen hat sie sich dann konsequent gewidmet - und dabei nach und nach die eigenen Qualifikationen verbreitert. An der Uni-Klinik in Gießen machte sie bis 2002 die Facharzt-Ausbildung in Psychosomatik, am Klinikum Frankfurt-Höchst bis 2005 den Facharzt in Psychiatrie und Psychotherapie. Stationen an der Marburger Uni-Klinik (2011 bis 2013) als Oberärztin und dem Zentrum für Psychiatrie in Winnenden als Chefärztin folgten. An beiden Kliniken waren die Alterspsychiatrie und Psychotherapie Schwerpunkte. Nur ein Punkt, der sie als Bewerberin um die Nachfolge von Professor Stephan Volk am Hofheimer Krankenhaus offenbar besonders interessant machte.

Vorweisen kann Ademmer auch einen Master (MBA) in Gesundheits-Management. Zuletzt war Ademmer zwei Jahre als Chefärztin am Klinikum in Leer tätig. Die Rückkehr in den Main-Taunus-Kreis, wo sie auch schon während ihrer Tätigkeit in Höchst lebte, freut die 56-Jährige nicht nur wegen der neuen Herausforderung und den ihrer Einschätzung nach attraktiven beruflichen Perspektiven. Tochter und Sohn leben ebenfalls hier im Rhein-Main-Gebiet. Wie "ein kleiner Sechser im Lotto" sei die neue Stelle aber auch deshalb, weil sie in Hofheim mit Psychiatrie und Psychosomatik, erweitert noch um die Schlafmedizin mit ihrem Schlaflabor, eine Konstellation habe, die ihr von den eigenen breit angelegten Interessen und Qualifikationen her besonders gefalle.

Sie genießt mit allen Sinnen

Dass sich die Klinikleitung für eine "nicht-habilitierte Frau" entschieden habe, sagt Ademmer, mache ihr diese sehr sympathisch. Die nun dritte Chefärztin stellt klar: "Ich möchte nicht genommen werden, weil ich eine Quotenfrau bin, sondern weil ich gut bin." Der Austausch zwischen den Fachbereichen wie mit anderen Einrichtungen ist etwas, was sie in den ersten Wochen angegangen ist. Gemeinsam mit der Schmerz- wie mit der Altersmedizin will sie Neues anstoßen. In der Psychophysiologie, in der es um Beziehungen zwischen psychischen Vorgängen und körperlichen Funktionen geht, sieht Ademmer einen zusätzlichen Behandlungsansatz, den sie auch in Hofheim gern "mit ins Auge fassen" möchte.

Sie selbst genießt gern mit allen Sinnen. In ihrer Freizeit etwa ein gutes Essen, auch aus internationalen Küchen, schöne Landschaft und Natur, oder die Kunst. Auch ein Grund, warum sie die Rückkehr ins Rhein-Main-Gebiet glücklich macht. 

Von Barbara Schmidt

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