Für Behinderte, Reisende mit schwerem Gepäck, Eltern mit Kinderwagen oder Ausflügler mit Fahrrad ist der Weg zu den Gleisen am Lorsbacher Bahnhof eine Tortur. Schon seit Jahren hoffen Politik und Bürger, dass sich daran etwas ändern wird. Nun keimt wieder Hoffnung auf, dass der Bahnhof barrierefrei umgebaut wird. Foto:Knapp
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Für Behinderte, Reisende mit schwerem Gepäck, Eltern mit Kinderwagen oder Ausflügler mit Fahrrad ist der Weg zu den Gleisen am Lorsbacher Bahnhof eine Tortur. Schon seit Jahren hoffen Politik und Bürger, dass sich daran etwas ändern wird. Nun keimt wieder Hoffnung auf, dass der Bahnhof barrierefrei umgebaut wird. Foto:Knapp

Verkehr

Neue Hoffnung auf barrierefreien Umbau des Lorsbacher Bahnhofs

  • vonManfred Becht
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Mittlerweile nutzen mehr als 1000 Fahrgäste täglich den Lorsbacher Bahnhof. Damit rutscht das Projekt in der Prioritätenliste der Bahn nach oben.

Hofheim -Für den in Lorsbach dringend gewünschten barrierefreien Umbau des dortigen Bahnhofs gibt es offenbar neue Hoffnung. Da inzwischen mehr als 1000 Fahrgäste den Bahnhof täglich nutzen, rutscht der Umbau bei der Deutschen Bahn in der Prioritätenliste nach oben. Der als Notlösung gedachte Bau eines sogenannten Reisendenüberganges hat jedoch eine erneute Abfuhr erhalten und ist damit jetzt wohl endgültig vom Tisch.

Wie die Stadt in einem Schriftwechsel mit der Bahn erfahren hat, handelt der Verkehrskonzern mit dem Land Hessen eine neue Rahmenvereinbarung über die Sanierung und den Umbau von Bahnhöfen aus. Demnach hat Lorsbach Chancen, in diese Vereinbarung mit aufgenommen zu werden, weil mittlerweile durchschnittlich mehr als 1000 Fahrgäste täglich gezählt werden. Dann gewinnt das Projekt für die Bahn eine höhere Priorität, es gibt Geld für Investitionen.

Vogt: "Kein Selbstläufer"

Wegen der niedrigeren Nutzerzahlen hatte die Bahn früher einen Ausbau nur bei einer hohen Kostenbeteiligung der Stadt in Angriff nehmen wollen. Hofheim hatte sich darauf auch eingelassen, bis das Projekt im Rahmen der Sparmaßnahmen nach der Finanzkrise dem Rotstift zum Opfer fiel. Dies hatte in Lorsbach für erhebliche Verärgerung gesorgt.

Wie aus den Worten von Bürgermeister Christian Vogt hervorgeht, ist die Sache nun aber keineswegs ein Selbstläufer. Aus ganz Hessen seien 130 Vorschläge für den neuen Maßnahmen-Katalog eingereicht worden. Es komme nun darauf an, entsprechend Druck auszuüben, damit die Bahn im Lorsbacher Sinne entscheidet. Unter anderem soll erreicht werden, dass sich der RMV im neuen Regionalen Nahverkehrsplan hinter die Lorsbacher Forderung stellt. Zuletzt hatte der Kreistag diese Forderung an den RMV beschlossen.

Wie die Leiterin des Fachbereichs Bauen im Hofheimer Rathaus, Christine Filip, im Ortsbeirat berichtete, waren die Planungen zum Umbau der Station schon sehr weit fortgeschritten, bevor die Stadt das Projekt stoppte. In einigen Punkten müsse sie noch fertiggestellt werden, für anderes gebe es aber auch schon Genehmigungen. Offenbar geht die Stadt davon aus, dass diese älteren Planungen weitgehend noch verwendbar sind. CDU-Ortsbeirat Stefan Weise erinnerte zwar daran, dass das Gremium mit den damaligen Plänen gar nicht so zufrieden gewesen sei. Barbara Grassel (Linke) warnte allerdings davor, jetzt noch einmal mit einer Diskussion über verschiedene Varianten zu beginnen. "Sonst ist das endgültig tot", so ihre Einschätzung. Der Ortsbeirat wollte diese Debatte dann auch tatsächlich nicht mehr führen.

Kein Übergang für Fußgänger

Nicht mehr gesprochen wird wohl auch über das Projekt eines sogenannten Reisendenübergangs. Es handelt sich dabei um die Idee eines Übergangs über die Schienen, der nur Fußgängern vorbehalten ist. Dieser sollte nach den Vorstellungen des Ortsbeirates etwa in Höhe der Parkplätze angelegt werden, um gehbehinderten Menschen den Zugang zum Mittelbahnsteig auch ohne barrierefreien Umbau zu ermöglichen.

Die Bahn hat dies unter Hinweis auf ihre Sicherheitsbestimmungen wiederholt abgelehnt, die Stadt hatte sich auf Drängen des Ortsbeirates daher an das Eisenbahnbundesamt gewandt. Das ist die staatliche Aufsichts- und Genehmigungsbehörde für die Bahn. Das Eisenbahnbundesamt hatte daraufhin erklärt, es gebe keine Sicherheitsbedenken - es müssten allerdings die Vorgaben der Bahn eingehalten werden.

Die Bahn wiederum ließ wissen, dass es eine getrennte Steuerung der Schranken eines solchen Überganges geben müsse, sie könnten nicht einfach an die Schranken des vorhandenen Übergangs gekoppelt werden. Dies mache umfangreiche Umbauten der Signaltechnik notwendig. Diese sind, wie sich immer wieder zeigt, sehr teuer. Dazu kämen Auswirkungen auf die Fahrgeschwindigkeit der Züge und damit auf den Fahrplan der S2. Dies hat auch den Magistrat überzeugt, der daher dafür plädiert, die Idee eines Reisendenüberganges endgültig aufzugeben. Auch aus dem Ortsbeirat kam keine Stimme mehr dafür, diese Idee noch weiter zu verfolgen. Manfred Becht

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