Die Zeilsheimer Straße trennt das Quartier in zwei Teile - auch das soll sich irgendwann einmal ändern. Es gibt also noch einiges zu tun.
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Die Zeilsheimer Straße trennt das Quartier in zwei Teile - auch das soll sich irgendwann einmal ändern. Es gibt also noch einiges zu tun.

Soziale Stadt

Hofheim Nord ist auf einem guten Weg

  • vonBarbara Schmidt
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Das Projekt Soziale Stadt, das anfangs kritisch beäugt wurde, ist beendet. Eine Umfrage ergab: Nach elf Jahren ziehen auch die Bürger eine positive Bilanz.

Hofheim. -So einige Stadtverordnete, aber auch viele Bewohner im Hofheimer Norden waren zu Anfang etwas kritisch gegenüber dem Projekt "Soziale Stadt". Mancher habe eine Stigmatisierung gesehen, weiß Projektleiter Jan Thielmann noch. Dass sie in einem sozialen Brennpunkt wohnen sollten, "in der Hofheimer Bronx", wie scherzhaft ironisch gewitzelt wurde, für den es ein Sozial-Programm wie in der Unterliederbacher Engelsruhe oder am Hattersheimer Südring bräuchte, das fanden viele beim Start der "Sozialen Stadt Hofheim-Nord" 2009 doch arg übertrieben. "Es war damals auch nicht fünf vor zwölf oder gar fünf nach zwölf, sondern eher 11 Uhr", bringt Bürgermeister Christian Vogt ein Bild, das klar macht: Hier ging es darum, frühzeitig einer ungünstigen Entwicklung entgegenzuwirken. "Es gab schon mal so etwas wie Nachbarschaftsstreitigkeiten und auch Leerstände bei Wohnungswechseln", erinnert sich Norman Diehl, Geschäftsführer der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB), die im Bereich der "Sozialen Stadt" mit Abstand der größte Vermieter ist. Rund 1000 Wohnungen hat die HWB in den Quartieren südlich und nördlich der Zeilsheimer Straße. Der präventive Ansatz sei die eine Besonderheit des Hofheimer Projekts gewesen, sagt Jan Thielmann, der andere, dass es gelungen sei, rund 90 Prozent der Projekte, die man sich vorgenommen hatte, auch umzusetzen. "Das gelingt nicht immer", so der Projektleiter vom beauftragten Unternehmen NH-Projektstadt, das neuerdings nur noch Projektstadt heißt.

Mit einer nicht repräsentativen Befragung der Bewohner von Hofheim Nord nach ihrer Bewertung der "Sozialen Stadt" ist das Projekt 2020 ausgelaufen. Der Rücklauf der Fragebögen, die es für Erwachsene und auch für Kinder gab, liege im üblichen Rahmen, sagt Thielmann. 221 Teilnehmer gab es, davon waren 45 Kinder und Jugendliche. Der Gesamt-Tenor ihrer Antworten: Die Soziale Stadt hat viele Verbesserungen gebracht. Besonders gelobt wird die Aufwertung der Spielplätze und der auch mit Projektgeldern geförderte Aus- und Umbau der Turnhalle des TV 1860 Hofheim, deren Verbleib am alten, zentralen Standort (statt einer Umsiedlung an den Stadtrand) besonders für Kinder und Familien ein großes Plus ist.

Die Vereine und ihre Jugendarbeit, aber auch die Aktionen von "Wir in Nord" (WIN, einem Zusammenschluss unterschiedlicher Akteure wie Lokaler Agenda, Kirchengemeinden oder Ausländerbeirat) wie das WIN-Fest oder "Alles was Räder hat", mit denen die Stadtteilarbeit ihren Anfang nahm, haben ganz wesentlichen Anteil daran, dass das soziale Miteinander sich in den vergangenen Jahren verbessert hat. So sagen die Umfrage-Teilnehmer überwiegend, sie wohnten gern in Hofheim Nord und hätten hier auch soziale Kontakte. Besonders gelobt wurde gestern bei der Vorstellung der Befragungs-Ergebnisse zum Abschluss des Projekts die Arbeit der "Familie Nord", die vom Caritasverband Main-Taunus getragen wird. Sie gehört neben dem Stadtteiltreff und Angeboten wie der Reihe "Kultur im Treff" zu den Bereicherungen, die nach dem Ende des Projekts Soziale Stadt weitergehen werden.

Dass es weiter Handlungsbedarf gibt, auch das hat die Umfrage gezeigt. Beim Thema Verkehrssicherheit etwa. Genannt wurde vor allem die Zeilsheimer Straße, die die Wohngebiete trennt, aber auch die Niederhofheimer Straße und die Kreuzung Pfarrgasse/Krifteler Straße/Rudolf-Mohr-Straße. Die Planung für eine Umgestaltung der Zeilsheimer Straße konnte Corona-bedingt und aus personellen Gründen bislang nicht vorangetrieben werden. "Da gehen wir ran", versprach Bürgermeister Vogt gestern. Tempo 30, mehr Bäume, eine Umgestaltung des komplizierten Kreuzungsbereichs vor der Turnhalle nannten Thielmann und Vogt als Optionen.

Auch andere laufende Projekte würden noch mit dem Partner Projektstadt zu Ende gebracht, so der Bürgermeister. Für die HWB unterstrich Geschäftsführer Diehl, es sei wichtig, am Ball zu bleiben und das Ohr weiter nah bei den Menschen zu haben. Dazu soll der neue Stadtteil-Treff ein Beitrag sein, mit dessen Bau an alter Stelle in der Homburger Straße in diesem Jahr begonnen werden soll. Für alle Nutzer des Treffs, der derzeit Corona-bedingt ebenfalls pausieren muss, sind Ausweichquartiere gefunden. babs

Fördergeld von Bund und Land

Hofheim Nord hat in vielerlei Hinsicht vom Städtebauförderprogramm "Soziale Stadt" profitiert. Schon bis zur Halbzeit 2014 waren Fördermittel in Höhe von 3 Millionen Euro aus Bund und Land geflossen, insgesamt wurden es rund 5 Millionen. Mitfinanziert wurden so etwa der Bau des Stadtteiltreffs, der Umbau der TV-Turnhalle, die Errichtung des Kinderhauses "Freche Spatzen" und die Aufwertung verschiedener Spielplätze und des Bolzplatzes am Finanzamt. Programm war immer auch die Bürgerbeteiligung. Die "Familie Nord" sorgte für bessere Sozialkontakte, Schwerpunkt war zuletzt die Verkehrssicherheit. babs

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