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Petra Ott zeigt in ihrem Werk, wie sehr wir von Müll umgeben sind. 

Plastik

Ausstellung "Der bittere Rest": Gegen die Verschwendung und den Konsum

Acht Künstler zeigen Arbeiten aus Plastik, den sie in Hofheim gesammelt haben. Die Ausstellung ist bis Donnerstag, 31. Oktober zu sehen.

Hofheim - Jeden Tag entsteht Müll. Vor allem aus Plastik. Der Kunststoff gelangt in die Ozeane. In die Erde. In die Luft. Ja, sogar in den Körper des Menschen dringt er ein. Plastik wächst zu einer Bedrohung für den Menschen an. Acht Künstler aus der Region haben sich mit dieser Problematik auseinandergesetzt und gemeinsam Müll in Hofheim gesammelt, aus denen Werke entstanden sind. In der Ausstellung "Der bittere Rest" des "Wallauer Fachwerk" können ihre Arbeiten bis zum 31. Oktober im Rathaus betrachtet werden.

Kunstlehrerin Ingrid Franke hat sich für Ölbilder entschieden. Auf einem ihrer fünf Werke sind drei Geschenktüten abgebildet. Gold, rot und dunkelblau sind sie. Eine Tüte ist mit einer violetten Schleife verziert. Das Motiv für die Ölbilder ist "Der schöne Schein". Ein Geschenk muss eben schön sein, damit es der Beschenkte als ästhetisch empfindet. Doch dafür zahlt man einen Preis: Verpackungsmüll.

Hofheim: Ausstellung "Der bittere Rest" zeigt auch Fotokunst

Digitale Fotokunst. Das ist das Faible von Marcus Juen aus Wallau. Der Künstler hat Bäume fotografiert. Aufnahmen in schwarz-weiß. Blaues, knalliges Plastik schlängelt sich um den Rumpf von Bäumen. Einst von den Menschen angebracht, um neu gepflanzte Bäume zu kennzeichnen, ist das Plastik mittlerweile in Vergessenheit geraten.

Annette Meyersen hat den im Alltag angehäuften Müll in ihrem Werk "König Konsum in seinem Seelenverkäufer auf dem Weg zu neuen Märkten" verarbeitet. Auch in Hofheim hat sie Müll gefunden, den sie verarbeitete. "König Konsum" rudert mit seinem Boot, das aus Papiermüll entsteht, unaufhaltsam durch den Plastik-Ozean. Der König trägt ein schwarzes Gewand und eine Kronkorken-Krone. Sein Gesicht ähnelt dem eines Totengräbers.

47 Motive hat Petra Ott für ihr Werk "Human Waste only" fotografiert. Die Motive zeigen Müll, der von den Menschen vergessen wurde - auch in Hofheim. So hat sich auf einem Foto eine Mülltüte in den Wipfeln eines Baumes verfangen. Ein weiteres Bild zeigt eine mit Plastik umwickelte Paprika. Tut das wirklich Not?

Druckgrafik fasziniert Sabina Potthoff. Für ihr Werk hat sie ein Weidezaunband verwendet, das Potthoff gemeinsam fand, als sie mit den anderen Künstlern in Hofheim Müll sammelte. Werbeslogans aus Abfallpapier zieren die Oberfläche. "Geiz ist geil", heißt es beispielsweise. Ein weiterer Slogan verspricht das süße Leben. Doch wegen des Konsums werden die Müllberge immer größer.

Plastik und Müll: Künstler erhoffen sich einen gesellschaftlichen Wandel

Birgit Samsons hat zwei Werke erstellt. Das erste zeigt einen schwarz-weißen Samen. Roter Filz dringt in ihn ein und Plastik droht alles zu verschlingen. Samsons zweites Werk ist in blau getaucht und besteht aus abstrakten Formen, die den Müll darstellen. Samson erhofft sich, den Müll in etwas anderes verwandeln zu können. Kann ein gesellschaftlicher Wandel, ja eine Transformation tatsächlich gelingen?

Edith Willmanns-Reichert hat sich auf Aquarellmalerei spezialisiert. Ihr Bild "Im Paradies?!" zeigt einen Strand. Das Wasser ist kräftig blau. In saftigem Grün erstrahlen die Pflanzen. Im Sand liegt allerhand Müll. Ketten, Brillen, Trinkflaschen sammeln sich zu Plastikinseln an.

Lara Mouvée geht mit ihrer Kamera auf Spurensuche. Mal als Betrachterin, mal als Erzählerin. "Wir wollten einen direkten Bezug zu Hofheim schaffen, deshalb sind wir froh, dass wir im Rathaus ausstellen dürfen", sagt sie. Zur Eröffnung von "Der bittere Rest" gibt es eine Performance der Künstler.

Von Moritz Serif 

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