Hier wird letzte Hand angelegt. Blick in die Halle, in der die Endfertigung der nagelneuen Maschinen stattfindet - wie seit mehr als 100 Jahren in der Hattersheimer Straße. Am Stammsitz von Polar Mohr - Hofheims Unternehmen mit Weltruf - wird nach wirtschaftlich schwierigen Zeiten wieder kräftig investiert.
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Hier wird letzte Hand angelegt. Blick in die Halle, in der die Endfertigung der nagelneuen Maschinen stattfindet - wie seit mehr als 100 Jahren in der Hattersheimer Straße. Am Stammsitz von Polar Mohr - Hofheims Unternehmen mit Weltruf - wird nach wirtschaftlich schwierigen Zeiten wieder kräftig investiert.

Wirtschaft

Polar Mohr investiert am Stammsitz – Nach Corona der Blick in die Zukunft

  • VonBarbara Schmidt
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Nach schwierigen Jahren wird der Standort Hofheim jetzt wieder gestärkt. Der renommierte Maschinenbauer stellt sich neu auf und freut sich über eine gute Auftragslage.

Hofheim – Die in Familienbesitz befindliche Firmen-Gruppe Polar (Polar Group) hat, wie berichtet, das schon seit mehr als 20 Jahren nicht mehr selbst genutzte Werk II an der Homburger Straße an einen Investor verkauft, der hier Wohnraum realisieren will. "Das Geld, das erzielt wurde, bleibt im Unternehmen", versichert nun Geschäftsführer Michael Wombacher im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Inhaber-Familie Mohr glaube an die Zukunft des Maschinenbau-Unternehmens, für dessen Neuaufstellung Wombacher angetreten ist.

Der Weltmarktführer im Bereich der Papierschneidemaschinen mit Stammsitz an der Hattersheimer Straße hat keine einfachen Jahre hinter sich. Immerhin war mit der Übernahme des Verpackungsspezialisten "Dienst" in Hochheim bereits 2011 eine breitere Aufstellung eingeleitet worden. Wombacher, der als Automatisierungsspezialist gilt, hat im Unternehmen nun seit Anfang 2020 eine Neuausrichtung vorangetrieben. Polar Mohr solle sich "vom reinen Maschinenhersteller zum Lösungsanbieter entwickeln", erläutert der Manager.

Hofheim: Neue Ausrichtung von Polar Mohr kommt beim Kunden gut an

Zur Strategie gehört, die Kompetenzen des Schneidemaschinen-Herstellers und die des Verpackungsspezialisten zu verzahnen, so dass Kunden etwa nicht nur einen Etikettenschneider bei Polar erwerben können, sondern gleich ein ganzes kommunizierendes Maschinen-System. Das ermöglicht dann vom Zuschnitt großer Druckbögen über das Ausstanzen der Etiketten bis hin zur Verpackung für den Transport zum Kunden einen deutlich effizienteren Verfahrens-Prozess.

Die Resonanz bei den Kunden sei sehr gut, sagt Wombacher, die Geschäftszahlen für das laufende Jahr seien deutlich verbessert. "Im Moment können wir so schnell nicht liefern, wie sie uns die Produkte aus den Fingern reißen", so der Polar-Chef. In manchen Bereichen fahre das Unternehmen derzeit wieder im Zwei- und sogar Drei-Schicht-Betrieb. "Das hatten wir seit zehn Jahren nicht mehr."

Lohn für einen längeren Umstrukturierungsprozess, der aber eben auch Investitionen erforderlich gemacht habe und mache. Dass es gelungen ist, diesen trotz noch einmal wirtschaftlich deutlich erschwerter Bedingungen aufgrund der Corona-Pandemie durchzuführen, sei nur möglich gewesen, weil die Inhaber an die Zukunft des Unternehmens glaubten, ist Wombacher überzeugt. Immerhin müsse Polar Mohr seine eigene Infrastruktur für die Innovationen neu ausrichten.

Polar Mohr in Hofheim: Vergangenes Jahr „wirtschaftlich schlechteste in der Geschichte“

So machte die Integrierung des Verpackungsspezialisten Dienst, der von Hochheim nach Hofheim geholt wurde, Umstrukturierungen auf dem Firmengelände an der Hattersheimer Straße nötig, die auch für Gebäudesanierungen genutzt wurden. Bereits 2019/20 sei eine neue Schweißerei entstanden, sagt Wombacher.

Genutzt wurde die Corona-Zeit, in der es unter anderem dank der Kurzarbeits-Regelungen gelungen sei, alle rund 450 Mitarbeiter am Standort Hofheim zu halten, auch um die Belegschaft für die neuen Anforderungen zu schulen. All das koste Geld, macht der Polar-Geschäftsführer deutlich. Dabei sei das vergangene Jahr zugleich "das wirtschaftlich schlechteste in der Geschichte des Unternehmens" gewesen.

Innovation in Hofheim: Polar Mohr schaut in die Zukunft

Das Know-how von Polar sei nach wie vor ein Pfund und in der Branche hoch anerkannt, ist Wombachers Erfahrung, die ihn zuversichtlich auf die kommenden Jahre blicken lässt. Innovativ sei Polar Mohr, zudem kann er darauf verweisen, dass das im September 1906 gegründete Maschinenbau-Unternehmen seit seinem Amtsantritt acht Patente angemeldet und sechs Produktinnovationen vorgestellt hat.

Zu den Neuerungen, die sehr gut ankämen, gehört die Entwicklung eines "intelligenten Messers", für das Polar Mohr Technologiepartner des Messerherstellers Hagedorn war. Das IntelliKnife kann unter anderem messen und melden, wann ein Nachschleifen erforderlich ist. Ein Beispiel für eine Optimierung auch beim nach wie vor wichtigen Standbein der Papierschneidemaschinen.

Das Traditionsunternehmen an der Hattersheimer Straße wurde von Adolf Mohr (1877-1940) begründet. Seine Söhne Karl (1915-1988) und Rudolf (1913-1974) führten es weiter. Ingenieur Rudolf Mohr galt als Vater des modernen Schneidemaschinenbaus. Schnellschneider für Papier machten Polar Mohr zum Branchenführer. Mehr als 130 000 dieser Maschinen wurden bereits in alle Welt verkauft. Neben dem Hauptsitz des Unternehmens in Hofheim gibt es noch eine kleine Tochter in Shanghai mit rund 40 Mitarbeitern. (babs)

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