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Susanne Schuhmacher-Godemann, Referentin für Sozialpastoral im Bezirk Main-Taunus, fordert wie viele andere Katholikinnen auch, dass Frauen wie Männer Diakonin, Priesterin, Bischöfin und Päpstin werden können.

Religion

Hofheim: "Ohne die Frauen ist keine Kirche zu machen"

  • vonBarbara Schmidt
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Spannendes Podium in St. Bonifatius. Die Zahl der Katholiken schrumpft ohne Ende weiter.

Marxheim. -Die Duldsamkeit des katholischen Kirchenvolks, vor allem seines weiblichen Teils, hat in der Vergangenheit so manchen Beobachter erstaunt. Doch immer mehr Katholikinnen und Katholiken scheinen mit ihrer Geduld an ein Ende zu kommen: 272 271 Menschen in Deutschland haben 2019, nach der Veröffentlichung einer Studie zum sexuellen Missbrauch durch Kleriker, ihre Mitgliedschaft in der römisch-katholischen Kirche quittiert. Die Zahl der Kirchenaustritte erreichte damit einen neuen Höhepunkt. Und immer mehr von denen, die noch Mitglied sind, fordern: Es muss sich etwas ändern.

Insbesondere die Frauen wollen nicht länger schweigen. "Ohne die Frauen ist keine Kirche zu machen", waren die Podiumsteilnehmerinnen einig, die sich auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) in der Kirche St. Bonifatius diskutierten. Das Thema: "Frauen in der Kirche/Maria 2.0 - Wo stehen wir, wohin führt der Weg?"

Den Zugang zum Amt ermöglichen

Britta Baas, Redakteurin der Zeitschrift "Publik Forum" und die Hofheimerin Susanne Schuhmacher-Godemann, Referentin für Sozialpastoral im Bezirk Main-Taunus und Vertreterin ihrer Berufsgruppe beim "Synodalen Weg" der katholischen Kirche in Deutschland, waren sich in einem ganz einig: Dass Frauen "nur assistieren und dienen, führt nicht in eine innovative Zukunft", so Baas. Wie die Protestbewegung Maria 2.0, finden Baas und Schuhmacher-Godemann es daher an der Zeit, dass auch Frauen den Zugang zum Amt, vom Diakon über Priester und Bischof bis zum Papst, in der Kirche erhalten, das bislang Männern vorbehalten ist.

Das, gab Dr. Ulrike Gerdiken, Professorin an der Katholischen Hochschule Mainz, zu bedenken, bringe zwar eine Beteiligung von Frauen an der Macht, aber keine wirkliche Veränderung für die kirchlichen Strukturen - die jedoch Kritikern gerade als Grundübel gelten, weil sie unter anderem die Vertuschung von Missbrauch möglich gemacht hatten. "Wenn wir sagen, wir wollen das, was die Männer auch haben, dann geben wir uns ja in dieses patriarchalische System hinein." Außerdem, so Gerdiken, sei es in ihren Augen mittlerweile "vergeudete Kraft und verschwendete Lebenszeit", sich für eine Gleichstellung der Frauen in der Kirche einzusetzen. "Das werden wir nicht schaffen."

Kirche schon jetzt anders leben

Gerdiken hat für sich einen anderen Lösungsansatz gefunden. Ihren "Aha-Moment" habe sie bei der Beschäftigung mit der Differenzphilosophie erlebt. Die habe sie dazu geführt, Kirche lieber schon jetzt anders zu leben. Die Frage sei dann: "Was können wir miteinander aus unseren Kräften erreichen und geben?" Ja, sie wolle "eine Reformation anzetteln", bekannte Gerdiken. Das sei allemal inspirierender als darauf zu warten, dass Männer das Kirchenrecht änderten.

Schuhmacher-Godemann und Baas widersprachen vehement. Sie respektiere den Weg Gerdikens zwar, so Journalistin Baas, für sie selbst sei er aber "vollkommen inakzeptabel". Gerade umgekehrt finde sie es richtig: Erst, wenn auch Frauen die Ämter hätten, die jetzt Männern vorbehalten seien, könne auch etwas an der strukturellen Verfasstheit der Kirche geändert werden.

Für Schuhmacher-Godemann drängt zudem die Zeit. Die Kirchenaustritte zeigten: "Die Jungen gehen", die Kirche in Deutschland werde "implodieren", wenn sie nicht sehr bald die Gleichbehandlung der Geschlechter, die für junge Menschen heute selbstverständlich sei, nachvollziehe.

Dr. Barbara Wieland, Kirchenhistorikerin aus Unterliederbach und Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken, setzte in der Diskussion noch einmal andere Akzente. Für sie steht nicht so sehr die Frage danach im Mittelpunkt, wer in der Kirche ein Amt haben darf, sondern wie dieses ausgeübt wird. Als gutes Beispiel für eine andere Form von Leitung in Kirche nannte sie Katharina Kasper (1820-1898). Die Gründerin der Dernbacher Schwestern habe in ihrem Orden eine Art Team-Leitung praktiziert.

Wichtig sei zudem, in der Umbruchsituation, in der auch Wieland aktuell die Kirche sieht, zu fragen: "Was muss bleiben? Was sind die ,essentials'?" Viele blieben ja gerade deshalb in der Kirche, weil sie Arbeitsfelder sähen, wie die Flüchtlingsarbeit oder die Caritas, in denen Kirche wichtig für die Gesellschaft sei. Frauen, so Wieland, hätten durchaus Möglichkeiten, Veränderungen in Kirche zu bewirken. "Und sie haben auch schon was verändert."

"Es bleiben viele Fragen", resümierte Carol Wanske, die den Abend für die KEB St. Peter und Paul unter Corona-Bedingungen für das nahezu komplett weibliche Publikum organisiert hatte. Stoff für eine weitere Veranstaltung, so Wanske, werde es daher ganz sicher geben. babs

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