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Ellen und Roland Münst machen sich Sorgen um ihre Gesundheit.

Ultranet

Hofheim: "Wir sollen hier die Versuchskaninchen werden"

  • vonManfred Becht
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Ellen und Roland Münst leben im Schatten einer Stromleitung

Langenhain. -An oder unter eine Hochspannungsleitung ziehen und sich dann darüber beschweren - davon hält Roland Münst nichts. Als er und Ehefrau Ellen ihr Haus 1987 am Langenhainer Ortsrand bauten, akzeptierten sie die Leitungen, die da zwar nicht über ihr Haus, aber doch über das Grundstück und damit dicht am Gebäude gespannt waren. 2007 wurde die Leitung deutlich ausgebaut, ohne Genehmigung, wie Münst sagt. Tatsächlich, dies am Rande, hat es viele Diskussionen darüber gegeben, welche der Leitungen überhaupt genehmigt sind.

Ein Protest gegen das Vorhaben ist den Münsts damals, vor etwa 13 Jahren, nicht in den Sinn gekommen. Und das, obwohl die Leitungen, so wie sie es schildern, nachweisbare Auswirkungen hätten, und zwar keine positiven. Nun aber, wo ein erneuter Leitungsausbau geplant wird, reicht es dem Ehepaar. Jetzt gehen sie mit der Bürgerinitiative "Ultranet wollnmernet" auf die Barrikaden. Und haben ein wenig den Glauben daran verloren, dass die Behörden in erster Linie die Interessen der Bürger und nicht die des Leitungsnetzbetreibers Amprion im Kopf haben.

Auf dem Dach des Nachbarhauses, deutet Münst über den Gartenzaun hinweg, gibt es einen Schornstein mit einem Stahlrohr innendrin. Der Schornsteinfeger habe erklärt, das Teil nicht mehr anzufassen, um sich nicht erneut einen elektrischen Schlag zu holen. In einem anderen Haus kann man die Fensterrahmen aus Metall nicht berühren, ohne ein ähnlich "bizzelndes" Erlebnis zu haben. Er selbst habe im Dach Dämmplatten, die mit einer Aluminiumfolie kaschiert seien, berichtet Münst. Auch diese Folie lade sich elektrisch auf.

Statt finde alles dies nur, wenn es neblig ist in Langenhain. Und es werde oft neblig in Hofheims höchstgelegenem Stadtteil. Aber wann ist die Amprion gekommen, um die elektrischen Felder zu messen? Im Hochsommer, bei strahlendem Sonnenschein. Alles war in Ordnung, die Grenzwerte wurden eingehalten. Nebel komme in den Plänen nicht vor.

Dass alles noch schlimmer wird, das fürchten viele in Langenhain und in Wildsachsen und in allen anderen Orten, in denen die Leitung dicht an den Häusern vorbei geht. Denn geplant ist, auf die Masten der bestehenden Wechselstromleitung weitere Kabel für Gleichstrom zu spannen, der vom Rheinland nach Süddeutschland transportiert werden soll. Über das Zusammenwirken von Gleich- und Wechselstrom auf die Umwelt gebe es nicht viele Erkenntnisse, sagt Ellen Münst. "Wir sollen hier die Versuchskaninchen werden."

Es werde alles verharmlost, findet auch Roland Münst. Für Elektroinstallationen im Haus gebe es immer neue Vorschriften, erzählt er. Zum Beispiel dürfe eine Elektroleitung nicht zu dicht am Bett entlang geführt werden. Kein Handwerker würde sich trauen, solche Vorschriften zu missachten. Für neue Hochspannungsleitungen gibt es vorgeschrieben Mindestabstände zu Wohnbebauung. Aber Amprion weigere sich, diese einzuhalten.

Im Garten dürfe man keine Metallstangen zum Stützen der Bohnen verwenden, hat das Ehepaar erfahren. Alle möglichen Vorschriften gibt es zum Natur- und Landschaftsschutz. Aber kein Problem sei es offenbar, solche Leitungen zu bauen und die Masten deutlich zu erhöhen. Ein solcher Mast steht nahe bei dem Grundstück - so etwas möchte auch kaum jemand vor der Haustüre haben.

Der Bundeswirtschaftsminister habe eine verträgliche Lösung versprochen, erinnert sich Münst noch gut an einen Besuch von Peter Altmaier in Niedernhausen. Die Bundesnetzagentur als Genehmigungsbehörde aber spiele mit gezinkten Karten. "Wir fürchten, dass das nicht das Ende des Ausbaus ist", so Münst. Deshalb macht er auch bei der Bürgerinitiative mit, die ihre Enttäuschung über die jüngsten Planänderungen von Amprion gerade erst öffentlich gemacht hat. Deshalb wird er natürlich Widerspruch einlegen im laufenden Genehmigungsverfahren. Und appelliert an die Langenhainer und Wildsächser, dies bis Anfang November ebenfalls zu tun. Formulierungshilfen gebe es auf der Internetseite der BI. Manfred Becht

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