Kurz vor der Rheingaustraßenbrücke beginnt der auf die Fahrbahn gemalte Radfahrstreifen. So wie er hier in Richtung Innenstadt plötzlich da ist, so abrupt endet er auf der anderen Straßenseite, wenn&#39s hinauf nach Marxheim geht.
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Kurz vor der Rheingaustraßenbrücke beginnt der auf die Fahrbahn gemalte Radfahrstreifen. So wie er hier in Richtung Innenstadt plötzlich da ist, so abrupt endet er auf der anderen Straßenseite, wenn's hinauf nach Marxheim geht.

Verkehr

Hofheim: "Radstreifen auf der Rheingaustraße ist machbar"

  • vonBarbara Schmidt
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Was kann man in Hofheim noch mehr für Radler tun? Der Kelkheimer Ordnungsamtsleiter Torsten Kleipa liefert einen Lösungsvorschlag für die vielbefahrene Rheingaustraße.

Hofheim. -Am Samstag gab es in Hofheim schon wieder eine Fahrrad-Demo. Wie "Fridays for Future" am Tag zuvor wollte auch die Bewegung "Kidical Mass" so für eine fahrradfreundlichere Verkehrspolitik eintreten - oder besser - in die Pedale treten. Kinder und Jugendliche sollen sich sicher mit dem Rad durch ihre Stadt bewegen können. Das findet auch Torsten Kleipa. Der Hofheimer hat deshalb einen Brief geschrieben und ihn an sehr viele Amtsinhaber und Mandatsträger vom Landrat bis zum Ortsbeiratsmitglied geschickt. Sein Anliegen: Deutlich zu machen, dass ein Radstreifen auf der Rheingaustraße sehr wohl machbar wäre.

Seit Jahren schon wird in diese Richtung immer mal wieder ein Vorstoß unternommen. Nur passiert ist nahezu nichts. Geld für den Schutzstreifen stand sogar schon mal im Etat der Kreisstadt, doch immer wieder hieß es: Wir können das als Stadt ja nicht entscheiden, denn die Rheingaustraße ist nun einmal B 519 und der Kreis als zuständige Verkehrsbehörde und Hessen Mobil als zuständiger Kostenträger machen da nicht mit.

Der Bund müsste zahlen

"Mich stören solche Äußerungen, wenn es heißt, dass etwas nicht geht, obwohl das falsch ist", sagt Torsten Kleipa. Sein Eindruck: Ein "einheitlicher und zutreffender Informationsstand" sei offenbar nicht gegeben. Denn als Chef des Kelkheimer Ordnungsamtes und dank seiner langjährigen Verwaltungserfahrung kenne er "die verkehrlichen Regelwerke und Vorschriften recht gut".

Zur Realisierung eines Schutzstreifens für Radfahrer sei lediglich eine Anhörung der Landesbehörde Hessen Mobil und der Verkehrspolizei erforderlich. Dann brauche es noch eine verkehrsbehördliche Anordnung. Hessen Mobil müsse dann die Maßnahme auf Kosten des Bundes, dem Straßenbaulastträger bei Bundesstraßen, umsetzen.

Dass die Rheingaustraße von der Einmündung Thüringer Weg an stadtauswärts zu schmal wird für einen Rad-Schutzstreifen, gesteht auch Kleipa zu. Bisher gibt es den Schutzstreifen nur genau da, wo die Straße am gefährlichsten ist: auf der Rheingaubrücke. Direkt dahinter werden Radler zum Linksabbiegen in Richtung Völkerviertel gewiesen. Doch zumindest bis Höhe Thüringer Weg wären in beide Richtungen Schutzstreifen möglich, meint der Marxheimer Torsten Kleipa. Dass dafür Linksabbieger-Spuren wegfallen müssten, gesteht er zu. Nachfolgende Autofahrer müssten dann warten. Das sei etwa auf der Kelkheimer Straße in Fischbach nicht anders.

Fahrradclub hat Bedenken

Kleipa weiß, dass selbst der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) die Schutzstreifen mit gemischten Gefühlen betrachtet. Dessen Vertreter Holger Küst habe ihm geschrieben, dass Autofahrer dort, wo es die Streifen gebe, Radfahrer eher in zu knappem Abstand überholten. Er hält dem entgegen, dass der Schutzstreifen immerhin eine Einladung an Radfahrer wäre, die Rheingaustraße zu nutzen. Also ein positives Signal: Wir wollen Euch hier haben, statt der aktuell gesendeten Botschaft, macht Euch ab in die Wohngebiete. Ob der Streifen die Sicherheit erhöhe, sei nicht die Frage, um die es ihm gehe. Im Längsverkehr sehe er aber auf der durchgängig vorfahrtsberechtigten Rheingaustraße keine besondere Unfallgefahr, verweist er auf die eigene Erfahrung als Radfahrer.

Im Ortsbeirat Marxheim klang das Thema nur am Rande beim Tagesordnungspunkt Mitteilungen an. Erster Stadtrat Wolfgang Exner ließ wissen, die Stadt wolle die Anregung Kleipas "noch mal inhaltlich prüfen". Es gebe dabei die Notwendigkeit, sich mit den anderen zuständigen Stellen abzustimmen. Wichtig sei unter anderem, auch die Belange der Fußgänger zu berücksichtigen. Damit spielt Exner auf die von Kleipa vorgeschlagene Lösung für die Parkflächen auf den teilweise sehr breiten Bürgersteigen an. Statt am Bordsteinrand müsste dann an der Hinterkante des Gehwegs geparkt werden. Dass es dabei Nachteile gibt und auch Parkplätze wegfallen könnten, räumt der Marxheimer selbst ein. Wie groß denn die Chancen seien, dass bei der neuerlichen Prüfung "was bei rum kommt", wollte die Grüne Gabriele Colpe-Decker im Ortsbeirat wissen. Exners Antwort: Dazu könne er nichts sagen, dann nehme er ja das Ergebnis der Prüfung schon vorweg. babs

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