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Hofheim: Radweg nach Lorsbach rückt in weite Ferne

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Von: Manfred Becht

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Wer auf der vielbefahrenen Landesstraße 3011 mit dem Fahrrad von Hofheim nach Lorsbach radeln will, begibt sich in Lebensgefahr. Ein Radweg wird deshalb schon seit Jahrzehnten gefordert.
Wer auf der vielbefahrenen Landesstraße 3011 mit dem Fahrrad von Hofheim nach Lorsbach radeln will, begibt sich in Lebensgefahr. Ein Radweg wird deshalb schon seit Jahrzehnten gefordert. © Maik Reuß

Das Planfeststellungsverfahren soll erst 2024 beginnen, außerdem gibt es noch viele offene Fragen

Hofheim/Lorsbach. Der Bau des seit Jahrzehnten geforderten Radwegs zwischen Hofheim und Lorsbach verzögert sich weiter. Wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage des FDP-Landtagsabgeordnete Stefan Naas hervorgeht, soll das Planfeststellungsverfahren für das Projekt erst im Frühjahr 2024 eingeleitet werden. Im vergangenen Jahr hatte die Landesstraßenbehörde Hessen Mobil gegenüber dieser Zeitung erklärt, das Genehmigungsverfahren beginne 2022.

Das bedeutet eine Verzögerung von mindestens zwei Jahren. Zwei Jahre, als so lange wird auch die Dauer des Planfeststellungsverfahrens angegeben. Dabei kann es weitere Verzögerungen aus den unterschiedlichsten Gründen geben. Damit ist klar, dass vor dem Jahr 2026 nichts gebaut wird.

Wie Hessen Mobil auf Anfrage mitgeteilt hat, sind die bisherigen Planungen aufgrund geänderter rechtlicher Vorgaben nicht mehr genehmigungsfähig. Nicht erlaubt ist vor allem der Bau von Stützwänden zum Schwarzbach hin. Deshalb müsse die Straße in einem Teil nach Westen verlegt werden. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass damit nur der Abschnitt nach der Ortsausfahrt Hofheim gemeint sein kann, nur dort verläuft der Bach in der Nähe der Straße. Eine Verlegung der Straße nach Westen, das bedeutet Eingriffe in den dort vorhandenen Wald - und das kann planungsrechtlich leicht ein größeres Problem werden.

Wie schon im Streit um die Sanierung der Stützwand in der Klärwerkskurve der L 3011 sind die Bedenken wegen einer Stützmauer für den Radweg von sogenannten Trägern öffentlicher Belange vorgetragen worden. Im Falle der Mauer am Klärwerk waren es Einwände der Wasser- und der Naturschutzbehörde. Wer nun bei der Radwegstützmauer rechtliche Hürden aufgebaut hat, diese Frage lässt Hessen Mobil unbeantwortet.

Hessen Mobil nennt den Termin für den Beginn des Planfeststellungsverfahrens unter dem Vorbehalt, dass keine weiteren Veränderungen notwendig werden. Man arbeite mit Hochdruck an dem Vorhaben, versichert die Behörde. Zunächst müssten Vermessungen ergänzt werden, dann folgen die technische Planung und dann die umweltfachliche Planung.

Aus der Antwort der Landesregierung auf die Landtagsanfrage der FDP geht hervor, dass der Radweg über einige private Flächen führt. Durch die Westverlegung der Straße nimmt die Zahl der Grundeigentümer auf keinen Fall ab, womöglich aber zu. Wie viele es sind, dazu gibt es von Hessen Mobil noch keine Zahlen. Es könne unter Umständen auch eine Enteignung notwendig werden, räumt Hessen Mobil ein. Dass dies das Projekt verzögern wird, liegt ebenfalls auf der Hand.

Und was sagt die Stadt Hofheim zu dem Schlamassel? "Der Radweg hat für uns hohe Priorität. Deshalb drängen wir permanent darauf, in dem Projekt voranzukommen", heißt es in einer Stellungnahme des Magistrats auf Anfrage dieser Zeitung. "In allen Belangen, in denen wir helfen können, unterstützen wir Hessen Mobil gerne." Das ist keine besonders ausführliche Reaktion, und erkennbar hält sich die Stadt mit kritischen Worten gegenüber der Wiesbadener Straßenverkehrsbehörde zurück. Das ist keine Überraschung, denn einen zusätzlichen Konflikt mit Hessen Mobil kann die Stadt derzeit wahrlich nicht gebrauchen. Falls die Vollsperrung der Landesstraße 3011 über eine Dauer von zwölf Monaten zum Zwecke der Reparatur der Stützwand in der Klärwerkskurve noch verhindert oder wenigstens verkürzt werden soll, dann geht das - wenn überhaupt - nur im Einvernehmen zwischen Stadt und Hessen Mobil.

Die Landesregierung hat derweil die Kritik daran zurückgewiesen, dass bei der Sanierung der Stützmauer nicht gleich auch wenigstens ein kleiner Abschnitt des Radweges gebaut wird. Die Genehmigung für den Radweg lasse noch auf sich warten, aber der Zustand der Stützmauer lasse eine Verschiebung der Sanierung nicht zu, heißt es in der Antwort auf die Landtagsanfrage.

Tatsächlich hatte Hessen Mobil schon durchblicken lassen, dass die Straße womöglich auch ohne Sanierung gesperrt werden müsse - wenn nämlich der Zustand der Wand so schlecht wird, dass nicht mehr sicher auf der Straße gefahren werden kann.

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