Die Rehe werden zunehmend eine Gefahr für den Hofheimer Stadtwald. Gerade Eichen, Ahorn und Kirsche knabbert das Wild gerne an und beschädigt vor allem die Jungbäume so stark, dass sie zu 100 Prozent verbissen werden.
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Die Rehe werden zunehmend eine Gefahr für den Hofheimer Stadtwald. Gerade Eichen, Ahorn und Kirsche knabbert das Wild gerne an und beschädigt vor allem die Jungbäume so stark, dass sie zu 100 Prozent verbissen werden.

Natur und Umwelt

Hofheim: Rehe verbeißen junge Bäume

  • vonManfred Becht
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Die Jäger sollen deshalb mehr Tiere schießen. Alles in allem bleibt der Hofheimer Stadtwald ein Zuschussgeschäft

Hofheim -5160 Euro bekommt die Stadt Hofheim in diesem Jahr von den Jagdpächtern dafür, dass das Wild junge Bäume anknabbert und so ein natürliches Nachwachsen des Waldes behindert. 40 000 Euro aber gibt die Stadt dafür aus, um den Wald vor diesen Schäden zu schützen. Ein Missverhältnis, sagte der Linken-Stadtverordnete Bernd Hausmann im Umweltausschuss der Stadtverordnetenversammlung. Auch Marianne Knöss passt das überhaupt nicht. "Der hohe Wildverbiss wirkt sich stark auf den Wald aus", so die Grünen-Stadtverordnete. So weitergehen kann das aus ihrer Sicht nicht.

Grüne und Linke liegen in ihren Vorstellungen zur Stadtpolitik oft weit entfernt von der Linie des Magistrats. In diesem Fall ist das aber anders. Immer deutlicher äußert sich David Kreddig, im Rathaus für den Stadtwald zuständig, im gleichen Sinne. "Wenn wir nicht einschreiten, kriegen wir hier eine Steppenlandschaft", mahnte Kreddig. Im Raum Darmstadt könne man derartige Auflösungserscheinungen des Waldes schon besichtigen.

Einzige Stellschraube ist die Jagd

Mit Blick auf den Klimawandel brauche Hofheim einen stabilen Mischwald, der aber mit so viel Wildverbiss nicht hinzubekommen sei. "Wir können auch nicht nur Zäune drum bauen", stellt er klar. Die einzige Stellschraube, an der die Stadt drehen könne, sei die Jagd. Mit anderen Worten: Es müssen mehr Rehe abgeschossen werden. Der Blick in den Bericht zum Stadtwald, den der Magistrat erstmals vorgelegt hat, unterstreicht dies. Demnach wurde ermittelt, dass auf einzelnen Flächen bis zu 53 Prozent der Jungbäume verbissen sind. Verschont bleiben eigentlich nur Buchen. Eichen, Ahorn und Kirsche werden zu 100 Prozent verbissen. Ein Mischwald aber ist kein Mischwald, wenn er nur aus Buchen besteht.

Stadtrat Bernhard Köppler (SPD) allerdings machte deutlich, dass man es sich aus seiner Sicht zu einfach in der Diskussion nicht machen darf. Es gebe viele unterschiedliche Interessen im Wald und es sei Aufgabe der Politik, für einen Interessenausgleich zu sorgen. Manchen sei das Wandern, das Radfahren, das Reiten am Wichtigsten, manche wollten überhaupt kein Holz produzieren - und manche eben möglichst viel Wild im Wald haben.

"Wir sind mit allen Beteiligten im Gespräch", berichtete Köppler. Wenn die Zahlen in einem solchen Missverhältnis stünden, müsse man gegensteuern, entgegnete Köppler zu Hausmanns Hinweis auf die Einnahmen und Ausgaben, die mit dem Wildverbiss zu tun haben. Wie das allerdings die Mehrheit der Stadtverordneten sieht, die letztlich entscheiden, das wurde nicht deutlich - aus den Reihen der Regierungskoalition von CDU, SPD, FWG und FDP äußerte sich niemand.

12 500 neue Bäume werden nachgepflanzt

Einstweilen müssen die Parlamentarier zur Kenntnis nehmen, dass der Stadtwald ein Zuschussgeschäft ist - in diesem Jahr wird die Stadt dafür voraussichtlich 110 000 Euro mehr ausgeben als einnehmen. Das liegt vor allem daran, dass die rund 400 000 Euro Einnahmen aus dem Verkauf von Holz nicht ausreichen, um die Ausgaben zu decken: 180 000 Euro kostet alleine die Holz-ernte, 180 000 Euro das Personal, 50 000 Euro die Wegeunterhaltung, 40 000 Euro der Wildschutz, dann 30 000 Euro die Verkehrssicherung, 25000 Euro die Nachpflanzung von Bäumen.

Nachgepflanzt wird viel, im Plan stehen mehr als 12 500 neue Bäume. Dazu gehören vor allem 3400 Esskastanien, 4000 Douglasien, 1600 Tannen, 800 Eichen, 600 Ulmen, 600 Elsbeeren und 200 Linden - die Förster streben schon einen Mischwald an. Zwischen Hofheim und Langenhain, am Eselsweg sei gerade eine Firma mit Pflanzungen beschäftigt, berichtete Kreddig. Manfred Becht

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