Das ist der Rahmenplan für das Neubaugebiet Römerwiesen/Marxheim II auf dem Hochfeld.
+
Das ist der Rahmenplan für das Neubaugebiet Römerwiesen/Marxheim II auf dem Hochfeld.

Neubaugebiet

Neubaugebiet in Hofheim muss viele Hürden überwinden

  • VonBarbara Schmidt
    schließen

Das geplante Neubaugebiet in Hofheim muss mit vielen Problemen kämpfen. Die Themen Verkehr und bezahlbarer Wohnraum werden kontrovers diskutiert.

Hofheim – Das so wichtige wie umfangreiche Thema Rahmenplan Römerwiesen in Hofheim stand am Mittwochabend auf der Tagesordnung einer gemeinsamen Sondersitzung des Ausschusses für Planen, Bauen, Umwelt und Verkehr und der Ortsbeiräte Kernstadt und Marxheim in der Stadthalle. Aber nicht nur das. Zuerst wurde den Gremien das Ergebnis des Nahmobilitäts-Checks vorgestellt, bei dem es um Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger geht. Für sich schon ein großes Thema - das entsprechend viel Zeit fraß. "Ich würde mir wünschen, dass wir uns damit intensiver beschäftigen würden, aber das geht nicht heute Abend", drängte Tobias Undeutsch (SPD) vom Ortsbeirat Marxheim nach einer knappen Stunde auf eine Vertagung, die aber erst nach einer weiteren Diskussionsschleife und einer Mahnung von Wilhelm Schultze (BfH), dem Antrag Undeutschs endlich zu folgen, einstimmig beschlossen wurde. Die Folge: Stadtplaner Torsten Becker (Tobe-Stadt) musste im von ihm selbst so empfundenen "Schweinsgalopp" den Rahmenplan und den Weg dahin in Erinnerung rufen, bevor nach eineinhalb Stunden endlich Zeit für Fragen und Anträge war.

Für den Ortsbeirat Marxheim, der vorab schon Fragen erarbeitet hatte, die nur schriftlich beantwortet wurden, was Nachfragen erschwert, reklamierte Dr. Kristin Seitz (CDU), zu drei ganz wesentlichen Vorfragen gebe es "überhaupt keine Auskunft". An erster Stelle nannte sie das Thema Verkehr, das den Marxheimern wegen der hochbelasteten Rheingaustraße auf den Nägeln brennt. "Warum fange ich mit der Planung an, ohne dass ich vorher ein Verkehrskonzept habe?", so die Frage der Marxheimer, für die Seitz bekräftigte: "Das müsste geklärt werden, bevor wir überhaupt in diesen Rahmenplan einsteigen."

Neubaugebiet in Hofheim: Viele offene Fragen

Erster Stadtrat Wolfgang Exner als zuständiger Planungsdezernent entgegnete, dies könne sehr wohl parallel passieren und da tue die Stadt auch einiges, nur könne er aufgrund des Gesprächsstandes nicht mehr dazu öffentlich sagen.

Auch die Frage der Zielgruppen dieses Baugebiets und die Finanzierung seien ungeklärte Punkte, die aber für die Bewertung des Vorhabens relevant seien, befand Seitz. Immerhin sind in Beckers Entwurf zum Beispiel große Grünbereiche vorgesehen. Wie wirtschaftlich ein solcher Plan dann sein kann oder ob diese Flächen, wenn's dann konkret wird, aus finanziellen Gründen geopfert werden, steht hinter der Frage.

Die Frage, wer dort überhaupt wohnen soll, beschäftigt auch Grüne und SPD im Planungsausschuss. Für die Sozialdemokraten stellte Aaron Kowacs den Antrag, "mindestens ein Drittel" der geplanten 1400 Wohneinheiten sollten gefördert oder preisgedämpft sein. Das gab Beifall aus den Reihen der rund 40 Zuhörer. Doch abgestimmt haben wollten diesen Antrag weder Exner noch der Ausschussvorsitzende Patrick von Rosen (CDU), der angab, dies sei mit SPD-Fraktionschef Alexander Tulatz so verabredet. Zudem müsse der Antrag erst protokolliert werden. Das fanden zwar mehrere Gremienmitglieder ein merkwürdiges Vorgehen, zeigten sich aber am Ende nach kurzer Verständigung zwischen SPD, Grünen und BfH einverstanden.

Rahmenplan für Neubaugebiet in Hofheim vielfach gelobt

Exner wandte noch ein, die Stadt könne nur auf den Flächen, die ihr im Gegenzug zur Erschließung des Gebiets zufielen, mit der Hofheimer Wohnungsbau günstigen Wohnraum realisieren. Bernd Hausmann (Linke) fand die Forderung der SPD dagegen eher zu niedrig. München schreibe jetzt für neue Baugebiete 44 Prozent bezahlbaren Wohnraum fest. Luxuswohnungen würden in Hofheim nicht noch viel mehr gebraucht, sind auch die Grünen einig. Grundsätzlich sieht Marianne Knöss auch die Frage des tatsächlichen Bedarfs kritisch. Hier habe sich gerade in der Pandemie so viel verändert, und ob die Immobilienblase platze, wisse derzeit auch niemand. Eine zeitgemäße Bedarfsanalyse hätten die Grünen daher gern und die Möglichkeit festgeschrieben, das Baugebiet auch irgendwann nicht mehr weiter voranzutreiben, wenn es nicht nötig ist. Für Ralf Weber (FDP) völlig unverständlich. Der Markt sei leer, Wohnungen gingen sofort weg, wenn es welche gebe. Dass gerade für die Jüngeren und auch für Familien Hofheim nicht mehr bezahlbar sei und immer mehr weggingen, bekräftigten Schultze und Klemens Weber (SPD). Das, so Knöss, sei keine Frage. Dagegen müsse in der Tat etwas getan werden.

Gelobt wurde übrigens bei aller Kritik gleich mehrfach Beckers Rahmenplan, gerade im Vergleich zu vielen anderen jüngst realisierten Baugebieten in der Region sei diese Planung wirklich gelungen, befanden neben Exner auch Vertreter anderer Parteien. Auch dass Becker betont hatte, ein Nachsteuern sei aufgrund neuer Erfahrungen und Verhältnisse möglich, es sei eine "lernende Planung", gefiel.

Hofheim: Beschluss zu Neubaugebiet Römerwiesen kommt erst im Dezember

Der Linke Bernd Hausmann kritisiert allerdings, dass Becker entlang der Haupterschließungsstraße, die möglicherweise auch noch auf die L 3011 angebunden werden soll, die großen Mehrfamilienhäuser setzen will. So werde die Mehrheit der Menschen, die einmal in den Römerwiesen wohnen sollten, vom Verkehrslärm besonders belastet. Lärmschutz gehe für kleinere Gebäude wie Reihenhäuser deutlich leichter. Auch dieser Antrag wurde vertagt. Alle drei Gremien entschieden einstimmig, noch weiter beraten zu wollen. Das sei auch möglich, so Erster Stadtrat Exner, denn einen Beschluss zum Rahmenplan solle das Stadtparlament erst in der Dezembersitzung fassen. (babs)

Erst vor Kurzem wurden weitere Verzögerungen im Neubaugebiet in Hofheim bekannt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare