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Hofheim: Rüge für Lorsbachs CDU-Chef

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Von: Manfred Becht

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Der Vorsitzende der Lorsbacher Christdemokraten Stefan Weise.
Der Vorsitzende der Lorsbacher Christdemokraten Stefan Weise. © Hans Nietner

Impfgegner Stefan Weise löscht seinen umstrittenen Facebook-Eintrag

Lorsbach -Vor rund einem Jahr hat Stefan Weise in Lorsbach viel öffentliche Anerkennung bekommen. Selbst Architekt, hatte er kostenlos einen Plan zum Umbau des Kindergartens ausgearbeitet. Die Pläne kamen zwar nicht zum Tragen, dem Engagement Weises tat dies aber keinen Abbruch. Inzwischen ist die Stimmung eine andere geworden. "Solche Leute müsste man anzeigen", erregt sich ein Facebook-Nutzer. "Wenn ein Parteifunktionär in der Öffentlichkeit ein solches Denken offenbart, ist er untragbar", schrieb eine andere Nutzerin. Sie reagierten auf Äußerungen, die Weise im Internet zum Thema Corona getroffen hat. Weise ist Vorsitzender der Lorsbacher CDU.

Was hatte Weise geschrieben? Zunächst einmal zeigte er sich überzeugt, dass das Robert-Koch-Institut und das Bundesgesundheitsministerium die Bevölkerung mit falschen Zahlen täuschen. Adressiert an den hessischen Ministerpräsidenten ließ er wissen, dass die Politik den Druck auf Ungeimpfte noch so sehr erhöhen könne, erpressen lasse er sich nicht. "Längst hat er den Boden sachlicher Argumentation verlassen, ist offenbar tief in den Querdenker-Sumpf abgerutscht", kommentierte ein Hofheimer Politik-Blogger.

Aber es kam noch heftiger. Weise stellte im November ein Bild des Konzentrationslagers Auschwitz ins Internet. Nicht mit Gaskammern habe es damals angefangen, sondern mit Hetze und Intoleranz. Und jetzt würden wieder Menschen aus der Gesellschaft ausgeschlossen, hieß es. Wie ein Hund habe er vor der Tür sitzen müssen, als er mit Freunden in ein Lokal gewollt habe - aber als Ungeimpfter nicht rein durfte.

Die Logik der Argumentation des 53-Jährigen ist klar: Bei den Nationalsozialisten begann es mit der Ausgrenzung von Juden, und am Ende wurden sechs Millionen Menschen ermordet. Weise erweckt den Eindruck, als gelte es jetzt irgendwelchen Anfängen zu wehren, die er in der aktuellen Corona-Politik sieht. Weil es sonst wieder zu einem schlimmen Ende kommen könnte, so die Logik des Christdemokraten. Er sieht sich selbst als Opfer der Corona-Politik; als Widerstandskämpfer. Umgekehrt wird ihm vorgeworfen, mit derlei Andeutungen in seinen Facebook-Einträgen den Nationalsozialismus und die Ermordung der Juden zu verharmlosen.

Bürgermeister Christian Vogt, gleichzeitig Vorsitzender der CDU, weist darauf hin, dass es Gespräche mit Stefan Weise gegeben habe. Dessen Äußerungen missbillige er auf das Äußerste. Vogt ließ erkennen, dass es auf eine Rüge, nicht auf einen Parteiausschluss hinauslaufen könnte - eine zweite Chance habe jeder verdient.

Weise selbst lässt auf Anfrage dieser Zeitung wissen, er sage zu dem Thema öffentlich nichts mehr. Die Äußerungen auf Facebook seien gelöscht, daher nicht mehr diskutabel. "Als Enkel von politisch verfolgten und inhaftierten Großeltern ist mir die Menschenwürde eines jeden Einzelnen noch heilig", schreibt er. "Zum Glück gibt es viele Menschen, die meine Mahnungen richtig interpretiert haben."

Geändert hat Weise seine Einschätzungen also offenbar nicht.

Kommentar: Unsäglich

Was ging bloß im Kopf des Lorsbacher CDU-Vorsitzenden Stefan Weise vor, als er es wagte, die Shoa, die Verfolgung und Ermordung von Millionen Juden durch die Nazis, in einen diffusen Opfer-Zusammenhang mit Impfgegnern zu bringen, nur weil diese sich jetzt in der Corona-Pandemie besonderen Einschränkungen ausgesetzt sehen? Das war unsäglich und im Kern nichts anderes als eine Verhöhnung der Menschen, die in Auschwitz und anderen Vernichtungslagern umgebracht wurden. Wenn Weise dann noch wehklagt, dass er als Ungeimpfter eine Kneipe nicht betreten durfte, wird deutlich, auf welchem Niveau der Mann argumentiert. Gegner der Corona-Politik dürfen und sollen ihre Kritik äußern, in der Sache auch hart, aber nicht auf solch perfide Weise. Hofheims CDU-Vorsitzender Christian Vogt will seinen Lorsbacher Parteifreund für dessen inzwischen gelöschten Facebook-Auftritt rügen. Das ist ein bisschen wenig, Herr Vogt: Als Führungskraft eines CDU-Ortsteilverbandes ist Weise ungeeignet. Von Kajo Schmidt

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