Auch die beiden Organisatoren Dorit und Jan Florin haben ihre Fahrräder mit Plakaten bestückt - gleich geht's mit rund 100 Teilnehmern los, um in der nahen Innenstadt für eine andere Verkehrspolitik in Hofheim zu demonstrieren.
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In Hofheim im Taunus haben Dorit und Jan Florin zum zweiten Mal für fahrradfreundlicheren Verkehr demonstriert.

Verkehrswende

Für fahrradfreundlicheren Verkehr: Demonstranten heftig beschimpft und beleidigt

  • VonJuliane Schneider
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In Hofheim im Taunus findet die zweite Demo für fahrradfreundlicheren Verkehr statt. Die Organisatoren werden im Netz übel angegangen.

Hofheim – "Radwege wie in Bullerbü? Radwege wie in Stockholm!", steht auf Plakaten, die sich Dorit und Jan Florin an ihren Fahrrädern befestigt haben. Auf einer Reise nach Skandinavien hat sich das Ehepaar von den dort gut funktionierenden Radnetzen begeistern lassen. Für ihre Heimatstadt Hofheim sehen sie dagegen viel Verbesserungsbedarf und hatten daher vor drei Jahren die Initiative "Hofheim bewegt sich" ins Leben gerufen. Leider werde man im Netz sofort in eine Ecke geschoben und auch beleidigt, klagt Dorit Florin. "Spinner, Veganer, Grünkernfresser . . .", die Palette sei groß. Dabei gehe es ihnen nur darum, Rechte für Radfahrer und Fußgänger als gleichwertige Verkehrsteilnehmer einzufordern. Aus diesem Grund hatte das engagierte Paar am Samstag zum zweiten Mal zu einer Fahrraddemo geladen.

Dass das Ordnungsamt den Parkplatz vor der Stadthalle am Samstag nicht für Autos gesperrt hat, ist für Teilnehmer Holger Schlichting symbolträchtig. "Wir sollen uns hinter den Autos aufstellen!" Für die Demo hat sich der Hofheimer ein in Holz gerahmtes Plakat gewerkelt und auf den Gepäckträger geklemmt. "Mehr Platz für Fußgänger, spielende Kinder, Radfahrer. Weniger Platz für Autos und Parkplätze", fordert das mit entsprechenden Verkehrsschildern und Sonnenblumen verzierte Bild. Besonders die Rheingaubrücke sei ein echtes Ärgernis, sagt er, die sehr beengte Hauptader nach Marxheim, zu den dort befindlichen Schulen. "Da schieben sich die Stadt und Hessen-Mobil den Schwarzen Peter hin und her." Das führe dazu, dass Eltern ihre Kinder aus Sicherheitsgründen lieber zu den Schulen führen, was noch mehr Verkehr verursache.

Hofheim im Taunus: Über 100 Teilnehmer an Verkehrs-Demo

Leider sei einigen Autofahrern nicht klar, dass es gesetzlich vorgeschrieben sei, eineinhalb Meter Abstand beim Überholen von Radfahrern einzuhalten. Das sei an dieser Stelle aber auch gar nicht möglich und so mache der Schutzstreifen dort keinen Sinn. "Zu schmal und beängstigend", findet auch Sabine Proske diese Örtlichkeit. Ihr Fahrrad hat sie mit einer rosa Protestflagge dekoriert.

Kurz vor 11 Uhr füllt sich der Platz immer mehr. Mehr als 100 Demonstranten verteilen sich mit ihren Fahrrädern rund um die parkenden Autos: Familien, Paare, Singles. Leicht erhöht auf den Rathausstufen ergreift Jan Florin das Mikrofon und fordert eine autofreie Hauptstraße, zu öffnen nur für Anwohner, eine Fahrradbrücke nach Marxheim, sichere Radwege, darunter den seit 30 Jahren geplanten Radweg nach Lorsbach. Die Zuhörer klatschen bei den einzelnen Punkten und buhen, als der Redner anmerkt, dass die Stadt ein bereits 2006 erstelltes und 2017 überarbeitetes Verkehrskonzept in der Schublade liegen lasse.

Stadtverwaltung von Hofheim im Taunus lässt Verkehrs-Demonstranten links liegen

Auch dass Vertreter der Stadtverwaltung erst gar nicht bei der Demo erschienen sind, kommt bei den Teilnehmern nicht gut an. Man habe alle Parteien eingeladen, so Florin. Erschienen seien aber nur Vertreter von Grünen und Linken, die sich beide in kurzen Statements anschließen, wobei sich Grünen-Sprecherin Christa Katzenberg bei der Kritik an bürokratischen Hürden einen Zwischenruf gefallen lassen muss, dass die Grünen doch seit Jahren in Hessen den Verkehrsminister stellten. Einen Hoffnungsschimmer sieht die Hofheimer Kommunalpolitikerin in einem Nahmobilitäts-Gutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte und das morgen Abend um 19 Uhr in einer Sondersitzung der Ortsbeiräte Marxheim und Kernstadt und des Planungsausschusses in der Stadthalle vorgestellt werden soll. Die Sitzung ist öffentlich.

Abschließend ergreift ein junges SPD-Mitglied das Mikrofon. Er komme aus Langenhain, auch für ihn persönlich sei der Ausbau der Radwege ein Anliegen, denn es gebe für ihn nur die Alternative S-Kurve oder unbeleuchteter Weg durch den Wald. Dann setzen sich die Radfahrer - begleitet von der Polizei - zu einem Demonstrationszug in Richtung Innenstadt in Bewegung. Jan Florin hat in einem Fahrradanhänger einen großen Lautsprecher platziert, aus dem Lieder klingen, die sich weniger Autos in der Stadt wünschen. (Juliane Schneider)

Auch an anderer Stelle sorgt der Verkehr für Ärger: Einer vielbefahrenen Landstraße in Hofheim droht die Vollsperrung – Ein Horrorszenario für Autofahrer.

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