Der Angeklagte Lothar R. im Gerichtssaal.
+
Der Angeklagte Lothar R. im Gerichtssaal.

Reiterhof-Mord

Hofheim: Der Sohn des Angeklagten hat ein Alibi

  • vonMatthias Gerhart
    schließen

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der 22 Jahre alten Lea wurde fortgesetzt. Ein Ehepaar wollte zugunsten des Angeklagten Lothar R. auspacken. Es kam aber nichts.

Langenhain/Frankfurt. Im Prozess um den Eifersuchtsmord am "Sonnenhof" in Langenhain ist im Zuschauerraum des Frankfurter Landgerichts so etwas wie eine "Lagerbildung" zu beobachten. Es gibt Zuschauer, die bis ins Mark von der Unschuld des wegen Mordes angeklagten Kraftfahrers Lothar R. (56) überzeugt sind. Und es gibt eben jene, die sich als moralische Unterstützer der Familie der ermordeten Lea (22) geben, die einmal die Lebensgefährtin des Angeklagten war und sich einige Zeit vor der Bluttat im August vergangenen Jahres von ihm getrennt hatte.

Merkwürdige Bemerkungen

Auf Antrag der Verteidigung wurde gestern ein Ehepaar vernommen, das zur ersten Kategorie gehört. Besonders die Ehefrau soll - nach Angaben einer anderen Zuschauerin aus Kategorie zwei - merkwürdige Bemerkungen gemacht haben, als das umfangreiche Vorstrafenregister von R. erörtert worden war. So etwas wie: "Wenn der Lothar tatsächlich verurteilt wird, packe ich aus".

Die Zeugenvernehmung gestern zeigte aber ziemlich rasch, dass es wohl weniger eigene Wahrnehmungen sind, die die Eheleute auf die Seite von R. gebracht hatten, denn das obligatorische "Bauchgefühl". Man hat R. als leutseligen Pferdefreund wohl etwas anders kennengelernt, als ihm eine so brutale Tat zutrauen zu können. Jedenfalls blieb die Frau auch eine stichhaltige Antwort auf die Frage schuldig, was sie denn mit dem "Auspacken" gemeint haben könnte.

Schon während der zurückliegenden Verhandlungstage kam immer wieder die Rede darauf, dass es auch Hinweise auf eine mögliche Täterschaft des erst 17 Jahre alten Sohns des Angeklagten gebe. Er soll die später Getötete auch erpresst haben - angeblich, weil sie ein Verhältnis mit einem Mann eingegangen sei, der ebenfalls ein Pferd auf dem Hof des Angeklagten stehen hatte. Für die Staatsanwaltschaft aber ist es das wichtigste Detail, dass der 17-Jährige zum Tatzeitpunkt ein klares Alibi hatte. Er hielt sich bei einem Bekannten auf, komme deshalb als Mörder nicht in Frage. Auch ein Bekannter des Sohnes, der gestern noch mal in den Zeugenstand musste, relativierte frühere Angaben, wonach der Sohn sich selbst als Täter bezichtigt hatte.

Die Anklage wirft Lothar R. vor, seine 22-jährige Ex-Freundin nach der Trennung im August vergangenen Jahres mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe getötet zu haben. Der Tatort lag in der Nähe des Langenhainer Reiterhofs.

Richter setzt eine Frist

Nun soll der Prozess am 21. August fortgesetzt werden. Es soll an diesem Tag ein ergänzendes Gutachten eines Fachmanns des Landeskriminalamtes eingeführt werden. Thema: Funkzellen am Tatort und die mögliche Verortung diverser Mobiltelefone. Weitere Beweisanträge hat die Verteidigung des nach wie vor zum Vorwurf schweigenden Angeklagten bislang nicht gestellt.

Um ein prozessuales "Open End" zu vermeiden, setzte Vorsitzender Richter Volker Kaiser-Klan eine Frist bis zum 27. August für weitere Anträge. So etwas ist strafprozessual durchaus möglich. Die Vertreter der Staatsanwaltschaft sitzen in puncto Plädoyers jedenfalls in den Startlöchern. Sie hatten R. bereits zu einem Geständnis geraten und erklärt, dass ihm nicht nur eine lebenslange Haftstrafe, sondern auch eine anschließende Sicherungsverwahrung drohe. Matthias Gerhart

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare