Zu den religiös geprägten Werken Roedersteins gehört die Darstellung von "Magdalena am Fuß des Kreuzes".
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Zu den religiös geprägten Werken Roedersteins gehört die Darstellung von "Magdalena am Fuß des Kreuzes".

Kultur

Hofheim: Späte Ehre für Ottilie W. Roederstein

  • vonBarbara Schmidt
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Das Frankfurter Städel und das Kunsthaus in Zürich zeigen Werke der Hofheimer Künstlerin. Mit Hilfe historischer Dokumente, Fotografien und Briefen werden außerdem Roedersteins wichtigste Lebensstationen dargestellt.

Hofheim/Frankfurt -Das Frankfurter Städel und das Kunsthaus Zürich haben sich für ein Ausstellungsprojekt zusammengetan, das ganz sicher etwas von seinem Glanz auch auf das kleine Hofheim am Taunus ausstrahlen wird. Denn Person und Werk von Ottilie W. Roederstein stehen in seinem Fokus.

Die Hofheimer Ehrenbürgerin, die 1859 als Tochter der aus dem Rheinland stammenden Alwina und Reinhard Roederstein in Zürich das Licht der Welt erblickte, sei als Künstlerin "bald nach ihrem Tod weitgehend in Vergessenheit geraten", so die Einschätzung der Zürcher Kunsthalle, für die Sandra Gianfreda die Ausstellung kuratiert. Die Schau soll vom 18. Dezember 2020 an etwa 50 Gemälde und Zeichnungen Roedersteins zeigen. Es sei "nach über 80 Jahren die erst monographische Werkschau in der Schweiz", so das Kunsthaus. Zahlreiche Leihgaben kommen aus Hofheim. Das Stadtmuseum wird einen beachtlichen Teil seiner Roederstein-Sammlung zur Verfügung stellen, wie Direktorin Dr. Eva Scheid berichtet. "Wir haben ja einen schönen Bestand geerbt und dann auch komplettiert", sagt Scheid.

Selbstbildnis im Van-Gogh-Museum

Dass es ganz so nicht ist, dass Roederstein "heute fast gänzlich in Vergessenheit geraten" ist, wie auch das Städel in seiner Vorschau auf die Ausstellung (hier vom 19. Mai 2021 an) wissen lässt, kann sie mit einer aktuellen Leihgabe belegen. Das Selbstbildnis der Künstlerin aus dem Besitz des Stadtmuseums sei gerade an das Van-Gogh-Museum in Amsterdam ausgeliehen. Das Selbstbildnis gehört auch zu den Werken, die für die Schau in Zürich und Frankfurt erbeten wurden. Daneben verleiht das Stadtmuseum unter anderem die Porträts "Alte Frau oder Bäuerin", "Jeane Smith als Bretonin" oder das 1923 in Hofheim entstandene Profilbild der Roederstein-Schülerin Hanna Bekker vom Rath. Wie ihre Lehrerin war auch Bekker vom Rath eine jener starken Frauengestalten, die in der Kunstwelt in den vergangenen Jahren stärker in den Blick gekommen sind. Die Werkschau soll denn auch nicht nur Roederstein als Malerin "wiederentdecken", sondern zugleich mit Hilfe historischer Dokumente, Fotografien und Briefen "ihre wichtigsten Lebensstationen - Zürich, Paris, Frankfurt und Hofheim am Taunus -" nachzeichnen und "Rolle und Wirkung" Roedersteins als "Netzwerkerin und Künstlerin" deutlich machen.

Dass die Ottilie Roederstein, die 1909 mit ihrer Lebensgefährtin, der ebenfalls aus der Schweiz stammenden Elisabeth Winterhalter, eine neu erbaute Villa auf dem Kapellenberg bezog, eine Erscheinung war, die eine damals sehr überschaubare Stadtgesellschaft im Taunusstädtchen Hofheim nachhaltig beeindruckte, ist aus vielen Zeitzeugenberichten bekannt. Eine besondere Rolle spielt - auch für die Ausstellungen - der Hofheimer Hermann Wilhelm Jughenn, der als Nachbar, Freund, Kunstsammler und später als Biograph und Nachlassverwalter viel hinterlassen hat, was die Ausstellungsmacher jetzt dankbar aufgreifen. So kündigt das Städel aufgrund der Auswertung des Archivs von Jughenn "bisher nicht publizierte Informationen" an.

Frauen stehen im Mittelpunkt

Eine Rolle wird bei der Ausstellung auch der religiös geprägte Teil der Werke Roedersteins spielen. In den Gemälden stehen ebenfalls Frauen im Mittelpunkt. So leiht das Stadtmuseum eine Darstellung von "Magdalena am Fuß des Kreuzes" aus, die Pfarrei St. Peter und Paul wird die ihr von der Künstlerin vermachten Werke "Pietà" und "Maialtar" beisteuern.

Ob sich im kommenden Jahr auch in Hofheim neue Fans der Roederstein einfinden? Möglich, sagt Eva Scheid, die mit Blick darauf einige Werke Roedersteins in petto hat, die sie im Stadtmuseum zeigen kann. Zudem verweist sie auf die Führungen zu den Häusern der Künstlerkolonie auf dem Kapellenberg, die interessant sein könnten.

Für Scheid ist die neue Aufmerksamkeit für die Hofheimer Malerin zunächst einmal "vor allem für die Roederstein schön". Sie bestätige aber auch alle, die ihre Werke gesammelt, bewahrt und inventarisiert hätten. "Es sind nicht alle van Gogh", sagt Scheid mit Blick auf dessen Popularität und Vermarktung, die auch im Städel für Rekord-Besucherzahlen gesorgt hatte, "aber andere haben durchaus die gleiche Qualität."

Dass Ottilie Wilhelmine Roederstein Qualität auf die Leinwand gebracht hat, davon zeugen nicht zuletzt ihre zahlreichen Beiträge für besondere Schauen. So war sie auf den Weltausstellungen 1889 und 1900 mit ihren Werken ebenso vertreten wie 1912 bei der als "epochal" geltenden internationalen Kunstausstellung des Sonderbundes in Köln. Ob die Schauen in Zürich und Frankfurt auch den Wert der Gemälde und Zeichnungen Roedersteins steigen lassen werden? "May be", kann sein, sagt Scheid mit einem Lächeln. Barbara Schmidt

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