Lothar R., hier am ersten Verhandlungstag, hat während des gesamten Prozesses geschwiegen.
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Lothar R., hier am ersten Verhandlungstag, hat während des gesamten Prozesses geschwiegen.

Prozess

Hofheim: Staatsanwalt fordert lebenslange Haft

  • vonMatthias Gerhart
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Reiterhof-Mord: Lothar R. soll Lea (22) heimtückisch ermordet haben. Der Verteidiger plädiert auf Freispruch.

Langenhain/Frankfurt. -Lebenslange Haft plus Feststellung der besonderen Schwere der Schuld: Geht es nach der Frankfurter Staatsanwaltschaft, wird der 56 Jahre alte Lothar R. aus Wiesbaden für den Eifersuchtsmord an seiner früheren Geliebten bis an das Ende seines Lebens im Gefängnis leben müssen. Staatsanwalt Daniel Wegerich zeigte sich am Freitag in seinem gut 45 Minuten dauernden Schlussvortrag vor dem Frankfurter Landgericht überzeugt davon, dass R. die 22 Jahre alte Lea am Abend des 20. August vergangenen Jahres auf dem Langenhainer "Sonnenhof" aus nächster Nähe mit einem Schuss in den Kopf getötet hatte.

Maßgeblich für diese Überzeugung waren jene Haupt-Indizien, die bereits zur Erhebung der Mordanklage gegen den 56-Jährigen geführt hatten: Der Standort des Mobiltelefons zum Tatzeitpunkt sowie die gentechnischen Spuren der Toten an den Handschuhen des mutmaßlichen Täters, der das Opfer nach dem Schuss offenbar noch einmal angefasst hatte. Er wollte prüfen, ob Lea auch wirklich tot war, so der Staatsanwalt. Wegerich führte in seinem Plädoyer aber auch weitere Umstände ins Feld, die für eine Täterschaft des Angeklagten sprechen:

Nach der Tat im Lastwagen übernachtet

So habe der Kraftfahrer die Nacht nach der Tat in einem Lastwagen auf dem Parkplatz seines Arbeitgebers in Mainz verbracht - was vorher noch niemals der Fall gewesen sei. Darüber hinaus habe er auf seinem Hofgrundstück im Wiesbadener Stadtteil Kloppenheim Schießübungen unternommen - und zwar mit einer 22-Kaliber-Waffe. Auch die junge Frau wurde mit 22-Kaliber-Munition erschossen, die sich R. - so der Staatsanwalt - zuvor bei einem Bekannten besorgt hatte.

Nach der Tat habe niemand aus seinem Bekanntenkreis bei dem Angeklagten irgendwelche Zeichen der Trauer oder Betroffenheit verspürt. Er sei über den Tod seiner früheren Geliebten völlig gleichgültig gewesen.

Die Verteidigung, die am Freitag Freispruch beantragt hatte, versuchte in dem 15 Verhandlungstage dauernden Mordprozess unter anderem, den Verdacht auf den 17 Jahre alten Sohn des Angeklagten zu lenken, der entsprechende Äußerungen in seinem Freundeskreis gemacht habe. Dies solle dem Angeklagten im Strafmaß nachteilig angerechnet werden und zur Feststellung der Schuldschwere führen, sagte Wegerich.

Lothar R. habe seine beiden Kinder in die Sache hineingezogen und beispielsweise dazu benutzt, um den aktuellen Aufenthaltsort des späteren Opfers auszuspionieren. So habe Sohn Kevin denn auch am Tattag dem Vater gesagt, dass Lea in Langenhain sei und damit unbewusst die Tat erst ermöglicht.

Darüber hinaus seien mit der Heimtücke und den niedrigen Beweggründen zwei Mordmerkmale verwirklicht worden - die Voraussetzung für die Verschärfung der lebenslangen Haftstrafe.

Während die beiden Rechtsanwältinnen der als Nebenkläger an dem Prozess beteiligten Verwandten der Toten in ihren Schlussvorträgen der Staatsanwaltschaft inhaltlich beitraten und ebenfalls die höchstmögliche Strafe beantragten, ließen die beiden Verteidiger alle Argumente zu Lasten ihres Mandanten von sich abprallen. Rechtsanwalt Karl Heilhecker aus Wiesbaden sagte zu Beginn seines Schlussvortrags, er halte die Täterschaft des Angeklagten für "nicht gegeben".

Urteil soll am Donnerstag fallen

Für den Mandanten spreche besonders die Tatsache, dass er kurz nach der Tat auf dem Motorrad in der Nähe des Reiterhofs gesehen worden, dabei aber aus einer ganz anderen Richtung gekommen sei. Ob der Mann auf dem Krad aber tatsächlich Lothar R. war, blieb in der Beweisaufnahme bis zum Schluss umstritten. Durch den Helm konnte praktisch nur der Bart des Fahrers identifiziert werden.

Auch darüber wird sich die von Richter Volker Kaiser-Klan geleitete Schwurgerichtskammer Gedanken machen, ehe sie am 8. Oktober (14 Uhr) aus dem Beratungszimmer treten wird, um das Urteil zu verkünden. Übrigens: Auch bei der Möglichkeit zu einem letzten Wort hielt es Lothar R. wie zuvor während des gesamten Prozesses - er schwieg. Matthias Gerhart

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