Ein Stromer hängt am Netz: Öffentliche Ladesäule in Hofheim, in der Straße Am Ambettbrunnen.
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Ein Stromer hängt am Netz: Öffentliche Ladesäule in Hofheim, in der Straße Am Ambettbrunnen.

Infrastruktur

Hofheim: Strom-Tankstellen sind immer noch Exoten

  • VonManfred Becht
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In Hofheim gibt es gerade mal zehn Ladestationen. Da muss noch einiges passieren.

Hofheim -Zehn Ladestationen für Elektroautos gibt es derzeit nach Angaben des Energieversorgungsunternehmen Syna in Hofheim, jede wäre dann für 4000 Hofheimer da. Bundesweit dagegen kommen auf eine Ladestation 3600 Einwohner. Je nach Quelle können es auch nur 2200 Einwohner sein, die Angaben weichen voneinander ab. Wie auch immer: Es gibt einen echten Nachholbedarf in der Kreisstadt.

Das Problem gewinnt an Bedeutung. Wie der Main-Taunus-Kreis unlängst mitgeteilt hat, wächst die Zahl elektrobetriebener Autos neuerdings schneller an. Ende 2018 waren es gerade 1600, zurzeit sind es 6700. Erster Kreisbeigeordneter Johannes Baron (FDP) rechnet damit, dass es zum nächsten Jahreswechsel etwa 8800 Autos sein könnten.

Appell an die Kommunen

Baron appellierte daher an Kommunen und private Betreiber, weitere Ladestationen einzurichten. Nun ist es nicht so, dass die Stadt nichts unternimmt. Wie der Magistrat auf Anfrage der BfH mitgeteilt hat, möchte die Stadt von einem Landesprogramm zum Bau von Ladestationen profitieren und hat Zuschüsse für sechs Anlagen beantragt. Je zwei davon sollen an das Bürgerhaus Marxheim, die Stadthalle und auf den Kellereiplatz.

Bis zu 40 Prozent der Investitionskosten könnte die Stadt aus Wiesbaden erstattet bekommen, wenn der Antrag bewilligt wird. Die Zahl der Ladestationen ist aber kein Zufall, denn die Zuschüsse gibt es nur, wenn mindestens sechs Ladepunkte gebaut werden. Die Stadt lässt sich also vom Land anschieben, macht aber nicht mehr als notwendig ist, um diese Hilfe zu bekommen.

123 private Ladepunkte sind angemeldet

Weitere Beschlüsse gab es jetzt in der Hofheimer Stadtverordnetenversammlung. Demnach soll der Magistrat über den Stand an vorhandenen und geplanten Ladepunkten berichten. Auffällig ist, dass sich alle vorhandenen Anlagen in der Kernstadt, einschließlich Marxheim, befinden, vor allem an Autohäusern und öffentlichen Einrichtungen. Die Stadtteile sind ausgespart, nur in Wallau gibt es eine Säule auf dem Gelände des Möbelhauses Ikea. In den anderen Stadtteilen haben auswärtige E-Auto-Fahrer keine Möglichkeit zum Nachladen.

Wie viele private Ladestationen es gibt, ist unklar. 123 dieser Ladepunkte sind bei der Syna angemeldet. Seit 2019 gebe es die Pflicht, solche sogenannten Wallboxen beim Netzbetreiber anzumelden, sagt Syna-Sprecherin Katja Heise. "Ob das auch alle tun, können wir nicht sagen", so Heise. Man kann gespannt sein, ob der Magistrat andere Zahlen nennt, wenn das Thema wieder auf die Tagesordnung kommt.

Dies wird nach dem Willen des Parlaments im Planungsausschuss passieren. Dort sollen zur weiteren Diskussion auch Vertreter des ADAC, ein Vertreter eines Betreibers von Schnellladestationen und ein Mitarbeiter des örtlichen Stromversorgers - das ist die Süwag mit ihrer Tochter Syna als Netzbetreiber - eingeladen werden. Voraussichtlich muss zu dem Thema eine Sondersitzung abgehalten werden, denn nach dem Willen der Stadtverordneten soll der Magistrat eine Reihe von Fragestellungen vorbereiten. Gesprochen werden soll über den künftigen Bedarf, Standorte, Förderprogramme und Kosten.

Dabei wies die CDU, die den Antrag in der Stadtverordnetenversammlung eingebracht hatte, darauf hin, dass Ladestation nicht gleich Ladestation ist. Offensichtlich gebe es in Hofheim nur 22-Kilowatt-Ladesäulen, nicht aber die leistungsfähigen 300-Kilowatt-Schnellladepunkte.

Wichtiges Kriterium

Es liegt auf der Hand, dass die Möglichkeit zum schnellen Laden für viele Autofahrer ein wichtiges Kriterium bei der Nutzung eines Elektroautos ist. Und während es zumeist unkritisch ist, das Auto in der heimischen Garage über Nacht aufzuladen, dies also mehrere Stunden dauern kann, sollen öffentliche Ladestationen von möglichst vielen Fahrern genutzt werden - da sind lange Ladezeiten kontraproduktiv. "Ein langsames Aufladen über Nacht an öffentlichen Ladepunkten kommt nicht infrage, wenn zukünftig ein Großteil der Fahrzeugflotte auf Elektroantriebe umschwenkt", so CDU-Fraktionschef Alexander Kurz.

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