Etienne Neubauer kümmert sich normalerweise um die Bühnentechnik im Showspielhaus. In Corona-Zeiten erklärt er mit Maske, wie die Gäste regelkonform zu ihrem Platz gelangen.
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Etienne Neubauer kümmert sich normalerweise um die Bühnentechnik im Showspielhaus. In Corona-Zeiten erklärt er mit Maske, wie die Gäste regelkonform zu ihrem Platz gelangen.

Kultur

Hofheim: Superlüftung lässt die Gäste sicher lachen

  • vonStephanie Kreuzer
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Nach monatelanger Schließung ist der Neustart im "Showspielhaus" mit einem umfassenden Hygienekonzept gelungen.

Hofheim/Kriftel. -"Zusammenhalten! Komm' ins Theater!", heißt es auf der Website des Showspielhauses, das ein "sicheres Lachen" verspricht: "Laugh Safe!" Seine gute Laune hat Bernhard Westenberger, neben Hans-Jürgen Mock der Betreiber der Bühne auf der Hofheim-Krifteler Grenze, jedenfalls nicht verloren - oder zumindest wiedergefunden: "Manchmal wusste man in den vergangenen Monaten nicht, ob man heulen oder saufen sollte. Aber aus dieser psychischen Talfahrt erwuchs auch eine Aufbruchstimmung, und die hat uns zu neuen Ideen geführt."

Denn bisher waren im Hochsommer wegen der Hitze im Saal keine Aufführungen möglich, und so bot es sich an, nicht nur eine Klimaanlage, sondern zusätzlich ein spezielles Filtersystem einzubauen, das eine besonders saubere Luft garantiert. "Mir wurde klar, dass der Hauptknackpunkt, warum 200 Leute mit wenig Abstand im Flugzeug, aber nicht im Theater sitzen dürfen, die Belüftung ist." Diese ionisierende Lüftungsanlage "nanoe™ X" macht nun Viren und Bakterien unschädlich und versorgt den Saal mit Frischluft, die alle 15 Minuten komplett ausgetauscht wird. Vier dieser Lüftungsschächte sind im Theatersaal installiert, zwei im Foyer.

Neue Perspektiven für die Sommerzeit

"Manche Gäste haben schon gesagt, dass sie die besonders gute Luft wahrnehmen", freut sich Westenberger, "und es ist natürlich schön, wenn sich die Leute wohler fühlen". Zudem eröffnet diese Anlage ganz neue Möglichkeiten für die künftigen Sommermonate, in denen die diesjährigen Verluste zumindest zum Teil aufgefangen werden sollen. Denn das Showspielhaus Main-Taunus will sich auch im Eventbereich, also für Hochzeiten und Firmenveranstaltungen, die man mit einer Klimaanlage besser bewerben kann, breiter aufstellen. "Rund um dieses neue System haben wir auf der Grundlage der hessischen Corona-Verordnung unser Hygienekonzept erstellt, und - auch dank eines KfW-Darlehens über 250 000 Euro - insgesamt 70 000 Euro in die entsprechenden Maßnahmen investiert. Momentan leben wir also auf Pump, man muss es tatsächlich so drastisch ausdrücken." Dankbar ist Westenberger, dass bisher beinahe 700 Gäste ein Spendenticket gekauft haben - für eine Veranstaltung am 3. Oktober, die "garantiert nicht stattfindet". An der "Wall of Fame" im Foyer wurden diese Wohltäter verewigt.

Statt 200 gibt es nur 100 Plätze

Um auch die ängstlicheren Besucher "abzuholen", sind umfangreiche Änderungen und Regeln eingeführt worden. So werden Eintrittskarten nur online verkauft und "auf Sicht" kontrolliert, eine Garderobe gibt es nicht. Das Restaurant im Foyer bleibt bis auf Weiteres geschlossen, um ausreichend Platz für breite Ein- und Ausgangswege zu gewährleisten, die mit Pfeilen am Boden gekennzeichnet sind. Auch auf Maskenpflicht und Mindestabstand von 1,50 Meter wird hingewiesen, auf den Tischen liegen laminierte Erinnerungen an die "coronakonformen" Regeln. Statt 200 gibt es nur 100 Plätze, Plexiglas-Abtrennungen zwischen den Reihen sorgen für die nötige Distanz. Das gastronomische Angebot - erweitert um Bowl- und Wok-Gerichte - wird nur am Platz serviert.

"Es ist geschafft, wir sind wieder am Start", strahlt Bernhard Westenberger, "und auch alle Künstler sind heiß darauf, zu arbeiten und nach sechs Monaten endlich wieder auf der Bühne zu stehen. Das ist einfach überwältigend, selbst ich war bei meinem ersten Auftritt zunächst beinahe sprachlos."

Spielfreude ist wieder da

Auch den beiden Darstellern des heutigen Abends, Nicole Emert und Markus Finger, merkt man die Spielfreude an. Die humorvolle Hommage an den 1977 verstorbenen "King of Rock 'n' Roll" Elvis Presley dreht sich rund um dessen 85. Geburtstag, die Legende um einen vorgetäuschten Tod und eine Sonderbriefmarke - daher der Titel "Elvis (k)lebt". Im Postamt, das kurzerhand auch mal zum Tonstudio umfunktioniert wird, spielen und singen sich Emert und Finger in verschiedenen Rollen, allen voran Postangestellte Gisela und Paketzusteller Bruno, durch die größten Elvis-Hits, die originell übersetzt oder neu getextet wurden. Mit "Return to sender", also "An den Absender zurück", hat der "King" ja ein Lied sozusagen speziell für die Post geschrieben, wie beide erstaunt feststellen. Auch Sangeskollegen wie Heino oder die junge Margit Sponheimer, der eine Romanze mit Elvis angedichtet wird, bekommen ihren Auftritt. Finger präsentiert "Bist Du einsam heute Nacht?" - im Original "Are you lonesome tonight" - mit einem gespielten englischen Akzent und fragt verwundert "Warum klinge ich eigentlich wie Howard Carpendale?", bevor er lachend kurz innehalten muss.

Publikum geht begeistert mit

Verdientermaßen gibt es Zwischenapplaus und bestätigende Pfiffe, es wird eifrig mitgeklatscht, und beim mit Verve vorgetragenen Elvis-Hüftschwung von Emert würden viele Zuschauer am liebsten direkt mittanzen. Finger nutzt gar den Mikrofonständer als Rhythmusinstrument, und das Publikum geht begeistert mit. Während der gesamten Aufführung bleibt der erforderliche Abstand zwischen den beiden Darstellern gewahrt, auch der Schlussapplaus wird mit entsprechender Entfernung zueinander entgegengenommen.

"Elvis (k)lebt" wird am kommenden Wochenende sowie an vier weiteren Terminen im November noch einmal gespielt. "Wir versuchen gerade, einen halbwegs vernünftigen Spielplan zum Laufen zu bekommen, starten also mit einer Belegung von Mittwoch bis Samstag", erklärt Westenberger. Immer sonntags lädt die Showreihe "Gag & Breakfast" beispielsweise mit Kabarettisten wie Barbara Ruscher oder Anka Zink zum Frühstück ein. Stephanie Kreuzer

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