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So sieht eine Hofheimer Bürgerversammlung online aus: der Bürger am Bildschirm, die Protagonisten vor der Kamera.

Baugebiet Marxheim II

Hofheim: Talkshow statt Bürgerforum - Kommentar-Funktion abgeschaltet

  • vonBarbara Schmidt
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Es ging um Hofheims größtes Neubaugebiet: Mehr als 200 Zuschauer haben an der ersten digitalen Bürgerversammlung teilgenommen.

Hofheim -"Es gibt ein Ergebnis einer mehr als zwei Jahre andauernden Arbeit. Das wollen wir nun auch vorstellen." So hatte der Erste Stadtrat Wolfgang Exner (CDU) am Donnerstagabend vor der Presse begründet, warum trotz des November-Lockdowns die Bürgerversammlung, die im Ablauf-Plan des Beteiligungsprozesses zum Baugebiet Marxheim II vorgesehen war, durchgeführt werden sollte. Dass dies wegen der Pandemie-Entwicklung nur in Form eines digitalen Formats machbar war, sei nicht absehbar gewesen, als man das Ganze geplant habe. "Uns wäre auch wieder eine Veranstaltung in der Stadthalle mit 400 Bürgern lieber gewesen", so Exner. Stattdessen blieb den interessierten Bürgern so am Freitag von 18 Uhr an nur der Platz vor dem heimischen Computer. Live aus der Hofheimer Stadthalle konnten sie via Youtube nach der Begrüßung durch den Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler (CDU) und einer kurzen Vorstellungsrunde den vier Protagonisten - neben Hegeler und Exner Moderatorin Kristina Oldenburg (Firma Kokonsult) und Stadtplaner Torsten Becker (Tobestadt, Frankfurt) - zusehen und zuhören. Die nahmen erst einmal vorschriftsmäßig mit Abstand in orangefarbenen Sesseln Platz. Eine Menge Information, mehr noch, als sie die Presse erhalten hatte. gab es dann rund 45 Minuten lang von Stadtplaner Becker über den von ihm entworfenen Rahmenplan für das nun "Hofheimer Römerwiesen" betitelte und 30 Hektar große Areal.

Und die Bürger? Die erhielten von Moderatorin Oldenburg vor Beckers Ausführungen rasch noch den Hinweis, dass sie sich über ein zweites Gerät oder ein weiteres Browser-Fenster auf www.menti.com mit einem Code oder direkt über einen QR-Code, der auf dem Bildschirm erschien, beteiligen könnten. Auf diese Weise gelinge es, "dass wir Ihre Fragen direkt auf den Rechner geschickt bekommen".

Leider, anders als bei anderen Veranstaltungen dieser Art, konnte diese Fragen keiner der Bürger sehen. Die Kommentar-Funktion bei Youtube war zudem abgeschaltet worden. Kristina Oldenburg las Fragen von ihrem Tablet ab, die sie offenbar auswählte. Von wem sie kamen, blieb ein Geheimnis. Anders als in jeder "normalen" Bürgerversammlung, wo bei Wortmeldungen stets gebeten wird, den Namen zu nennen, und auch anders als in gängigen Fernsehformaten blieben die Fragesteller hier anonym. Wie viele von den bis zu 221 Bürgern, die sich zuschalteten - Köpfe dürften es mehr gewesen sein, da vor manchem Bildschirm wohl mehr als eine Person gesessen hat - die Möglichkeit zum Fragen überhaupt nutzten, blieb ebenso offen wie, ob es Schwerpunktthemen gab und was denn die Bürger eher lobend und was eher kritisch sahen.

Warum nicht ein Format, das auch einen Chat ermöglicht, gewählt wurde und warum die Kommentarfunktion ausgeschaltet wurde, dazu erläuterte Moderatorin Oldenburg auf Nachfrage dieser Zeitung: "Die Stadt hat das so mit uns vorbesprochen."

Gleich nach der Frage, warum gerade jetzt eine Umbenennung des Baugebiets von "Marxheim II" in "Römerwiesen" komme, war das Thema Verkehr dran. "Ein wichtiges Thema", und "für den Erfolg des Gesamtprojekts ein Kernthema" räumte Exner ein. Es sei der Stadt bewusst, dass sie daran "noch ganz intensiv zu arbeiten" habe. "Im nächsten Jahr" wolle sie dazu auch Lösungen präsentieren und "ganz intensiv mit der Öffentlichkeit diskutieren". Planer Becker machte deutlich, dass der Verkehr, der "häufig die Debatte dominiere" nicht sein Thema sei. Er habe "bewusst andere Schwerpunkte gelegt."

Dass es auch Einfamilienhäuser, etwa in Form von Reihenhäusern geben soll, erfuhr ein Frager. Ein Anderer, der wissen wollte, ob man schon etwas kaufen könne, hörte von Exner, er sei nicht der Erste, im Rathaus könne man ihn mit auf die Liste nehmen. Wer sicherstelle, dass in "Hofheimer Qualität" gebaut werde, oder wie zuversichtlich der Stadtverordnetenvorsteher sei, dass die Freiflächen tatsächlich wie im Rahmenplan vorgesehen umgesetzt würden, interessierte noch. Hegeler: "Es ist wichtig, dass wir uns daran halten. Sonst ist Politik nicht vertrauenswürdig. Das möchte ich nicht."

Rund 15 Fragen wurden in der verbleibenden Stunde abgearbeitet. Um die 70 weitere seien gestellt worden, erfuhren die Zuhörer. Antworten dazu soll es auf der Internetseite hofheim-roemerwiesen.de geben. babs

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