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Mobilitätszentrale dicht: Deutsche Bahn verkauft in Hofheim keine Bahntickets mehr

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Von: Manfred Becht

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Die Mobilitätszentrale und Reisebüros bieten den Ticket-Service nicht mehr an. Automaten oder das Internet sind für manche Kunden keine Alternativen.

Hofheim – Wohl spätestens seit Gründung der Deutschen Reichsbahn im Jahre 1920 konnte man in Hofheim (Main-Tauns-Kreis) Karten für die Bahn zu Reisezielen in ganz Deutschland kaufen. Nach mehr als einem Jahrhundert ist damit Schluss. Die Mobilitätszentrale der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft (MTV) verkauft seit dem Jahreswechsel keine DB-Tickets mehr für den Fernverkehr, die Verkaufsstelle im alten Bahnhofsgebäude wurde schon vorher dichtgemacht, und die Reisebüros haben sich aus dem Geschäft ebenfalls zurückgezogen.

Viele haben sich darüber schon geärgert, zum Beispiel der Diedenbergener Gottfried Pretsch. Der hat sich zunächst mal den Internetauftritt der Bahn angeschaut, als er eine Fahrkarte nach Augsburg kaufen wollte. Dort sind bis heute als Verkaufsstellen auch die MTV-Mobilitätszentrale und ein Reisebüro in der Hofheimer Innenstadt angegeben.

Weder in Reisebüros noch vor Ort am Hofheimer Bahnhof lassen sich Fahrkarten mehr kaufen. Manche Kunden schätzen die persönliche Beratung und fühlen sich jetzt von der Deutschen Bahn im Stich gelassen. Symbolbild/dpa
Weder in Reisebüros noch vor Ort am Hofheimer Bahnhof lassen sich Fahrkarten mehr kaufen. Manche Kunden schätzen die persönliche Beratung und fühlen sich jetzt von der Deutschen Bahn im Stich gelassen. (Symbolbild) © dpa

Aber die Seite ist veraltet. Eine Fahrkarte nach Augsburg habe er in der Mobilitätszentrale nicht kaufen können. Auch Kreisblatt-Leserin Therese Hummel hat sich sehr gewundert, als sie die Mobilitätszentrale besuchte. Ein so großzügiges Büro habe man gebaut, nur um die gebotenen Leistungen bald nach Eröffnung wieder einzuschränken.

Hummel erinnert an die vielen Anstrengungen, die unternommen werden, um die Menschen in die öffentlichen Verkehrsmittel zu bekommen. „Alle reden vom Klima, aber dann werden die Leute für viel Geld nach Höchst geschickt“, sagt auch Gottfried Pretsch. Denn dort kann man Fahrkarten der Deutschen Bahn noch kaufen. Dann bezahlt man aber schon für die Fahrt dorthin 11.30 Euro.

Deutsche Bahn in der Kritik: „Viele misstrauen dem Online-Banking“

Für Pretsch hat sich das Problem zwar gelöst, er holte die Fahrkarte in Wiesbaden, als er ohnehin in der Landeshauptstadt zu tun hatte. Aber nicht jeder ist zufällig einmal in der Nähe einer der verbliebenen Verkaufsstellen. Nicht jeder könne auch mit den Möglichkeiten umgehen, die Fahrkarten per Internet zu bestellen. „Viele misstrauen dem Online-Banking“, weiß Pretsch.

Auch beim Reisebüro kam er nicht weiter. Die Bahn habe neue Verträge zum Jahreswechsel geschickt, die Bedingungen seien aber nicht mehr akzeptabel gewesen, heißt es aus dem Reisebüro in Kriftel, das für viele Hofheimer ja noch in vertretbarer Entfernung liegt. Die neuen Verträge der Bahn sahen vor, dass überhaupt keine Provision mehr gezahlt wird, berichtet das Hofheimer Reisebüro. Die zehn Euro Gebühr, die schon lange genommen werden, decken aber die Kosten nicht. Trotzdem kommt diese Gebühr bei den Kunden nicht gut an. Deshalb habe man diesen Service zum Jahresanfang eingestellt.

Die Deutsche Bahn zeigt sich in dem Zusammenhang recht wortkarg. „Wir können bestätigen, dass am Bahnhof in Hofheim nach Auszug der MTV, über die bis dato der Verkauf unserer Fahrkarten mit erfolgte, seit Jahresbeginn keine DB-Fahrkarten mehr am Schalter verkauft werden.“, so eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage dieser Zeitung. Das ist nicht nur ungenau, denn der Verkauf fand seit Monaten nicht mehr im Bahnhof statt, sondern in der Mobilitätszentrale am Untertor. Das ist auch keine Begründung für den Schritt.

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Kritik an Deutscher Bahn: Auch MTV verärgert über geänderte Vertragsbedingungen

Es gebe Fahrkarten an den RMV-Automaten, lässt die Bahn noch wissen. Das sei aber keine gleichwertige Möglichkeit, sagt Therese Hummel. Denn zum Beispiel Aktionen wie den Sparpreis könne man dort nicht nutzen. Und es gebe auch nicht für alle Verbindungen dort Fahrkarten. Für sie ist die persönliche Beratung im Verkauf durch Automaten oder das Internet nicht zu ersetzen.

Auch die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft ärgert sich über die aktuelle Strategie der Bahn. Diese läuft darauf hinaus, Provisionen einzusparen. Denn auch die MTV hat wegen der geänderten Vertragsbedingungen den Verkauf der Bahn-Tickets eingestellt. Und das macht keinen guten Eindruck ein paar Monate nach Eröffnung der Mobilitätszentrale, die ja schon im Namen den Anspruch erhebt, ein umfassendes Angebot zu machen. (Manfred Becht)

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