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Rektorin Annika Sieper und der kleine Labrador-Welpe Sky besuchen die Erst- und Zweitklässler der Grundschule in Hofheim am Taunus.

Pädagogik

Besser Lernen dank Schulhund: Grundschule in Hofheim bildet Labrador-Welpen aus   

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Kann ein Schulhund den Unterricht verbessern? Die Pestalozzi-Schule in Hofheim am Taunus bildet dafür nun einen Welpen aus und nennt Vorteile.

Hofheim - "Guten Morgen Sky", rufen die Kinder im Chor. Gerade noch haben sie mit Lehrer Böhm für das Chorprojekt geprobt, jetzt kommt Rektorin Annika Sieper mit dem hellgrauen Labradorwelpen ins Klassenzimmer. 

Seit den Herbstferien nämlich hat die Pestalozzischule einen Schulhund; den Hund der neuen Rektorin, den sie jeden Morgen mitbringt und langsam an die Schüler gewöhnt. Die Vorteile eines Schulhundes hat sie dem Kollegium und den Eltern in einem eigenen Konzept vorgestellt. Zehn Seiten ist es lang und erklärt, dass ein Hund an der Schule Konzentration, Empathie und Verantwortungsgefühl stärke und - für viele Lehrer ein echter Traum - sogar die Lautstärke reduziere.

Hofheim am Taunus: Hund in Grundschule - Lehrer reagieren positiv

Zum Glück weiß Sky nicht, welch große Aufgaben in der Grundschule im Hofheimer Ostend auf ihn warten. In seinem tragbaren Haus hat er morgens noch im Rektorenzimmer friedlich geschlummert und dann den Postboten begrüßt, der ein Paket ins Sekretariat geliefert hatte. "Willst du für mich unterschreiben, Sky?", hatte die Sekretärin gelacht. Dass der Vierbeiner ab und zu hinter ihrem Tresen herumwuselt, findet sie klasse und hat nichts dagegen, Sky Gassi zu führen, wenn Rektorin Sieper gerade unterrichtet. "Wir haben auch einen Hund zu Hause", sagt sie.

Auch das Kollegium habe positiv auf den Hund, hat reagiert, erzählt die Rektorin. Vorerst darf Sky nur in ihre eigene Klasse. Zehn Minuten pro Woche. Von den Eltern hat sie die Genehmigung eingeholt und dabei geklärt, dass keine besonderen Ängste oder Allergien vorliegen. Die Treppe hoch muss Sky noch getragen werden. "Das wäre sonst schlecht für seine Hüfte." 

Hund in Grundschule in Hofheim am Taunus - Kontakt mit Schülern

In der anderen Hand trägt Annika Sieper ein kleines Körbchen und - ganz wichtig - die Box mit den Leckerlis, wichtiges Utensil in der Welpenerziehung. Im Klassenraum heißt es erst einmal leise sein für die Schüler. Das haben die Erst- und Zweitklässler, die in der Pestalozzischule gemeinsam unterrichtet werden, bereits gelernt. "Was müssen wir denn noch beachten?", fragt die Rektorin in die Runde, während Sky in seinem Körbchen vor der Tafel liegt. "Der Nebenraum muss geschlossen sein", wissen die Kinder. Der 14 Wochen alte Hund darf nämlich keine Reste vom Boden fressen und auch nicht aus den Schulranzen, die daher geschlossen sein müssen. Vor allem Schokolade sei gefährlich für den Welpen. "Zum Glück habe ich meine schon in der Pause aufgegessen", ruft Philipp (6).

"Wer will Sky denn ein Leckerli geben?", fragt Rektorin Sieper. Fast alle Hände schießen in die Höhe. Jordan darf als erster nach vorne kommen. Erstmal begrüßt er den Welpen, hockt sich dann mit gestreckter Hand hin. "Jetzt musst du Sky noch loben", sagt die Lehrerin. "Fein, Sky", sagt Jordan, dann darf eine Mitschülerin nach vorne. Sechs mal bekommt Sky ein Leckerli und hätte bestimmt noch eine Weile so weitergemacht. Hätte er nicht die Dose mit Leckerlis hinter Frauchens Rücken erspäht und seine Nase komplett hineingesteckt. Jetzt will er nur noch ganz viel aus der großen Dose. "Sky, was machst du?", ruft Frauchen empört, die Kinder lachen. Dann ist auch wieder Schluss mit dem aufregenden Ausflug in den ersten Stock. "Tschüss Sky", rufen die Kinder.

Hofheim am Taunus: Hund bei Schülern beliebt - Positive Bilanz 

"Die sind lammfromm, wenn der Hund da ist, er macht einen guten Job", sagt Lehrer Tobias Böhm. Auch zu Hause sei er Gesprächsthema Nummer eins. Das habe ihm ein Vater erzählt, den er letztens im Supermarkt getroffen habe. Besonders verhaltensauffällige Kinder hätten einen schnellen Draht zu dem Welpen, fühlen sich von ihm verstanden, so der Pädagoge. Das steht auch in dem Konzept von Rektorin Sieper.

Kaum ist sie draußen, hört man die Kinder wieder singen. Sky darf sich jetzt ein wenig ausruhen. Derzeit besucht er mit seinem Frauchen noch die Welpenschule, ab Januar soll er in Flörsheim eine zertifizierte Ausbildung zum Schulhund machen und dann häufiger im Klassenraum auftauchen. Angedacht ist auch eine Hunde-AG in der Schule.

Die beiden Kinder von Annika Sieper freuen sich, dass Mama den Hund in die Schule mitnimmt. "Ansonsten hätten wir uns keinen angeschafft", sagt Annika Sieper. Von der Grundschule der Tochter hatte sie mitbekommen, wie förderlich sich ein Schulhund auf die Atmosphäre auswirkt.

Von Juliane Schneider

Auch an der Marienschule in Limburg wird ein Schulhund im Unterricht eingesetzt. Vorher wurden bereits positive Erfahrungen im AG-Bereich gesammelt. 

In einigen Frankfurter Schulen dürfen Hunde mit ins Klassenzimmer - Die Kinder lieben ihre knuffigen Schulkameraden. Sie heißen Rocky, Confetti und Rudi und sind mit das Süßeste, was Frankfurts Schulen zu bieten haben. Wir stellen einige der Vierbeiner vor.

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