Matthias Pickel ist zurzeit der einzige, der die Technik des Tonstudios im Haus der Jugend perfekt beherrscht.
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Matthias Pickel ist zurzeit der einzige, der die Technik des Tonstudios im Haus der Jugend perfekt beherrscht.

Porträt

Hofheim: Der Tonstudio-Chef im Wasserschloss

  • vonStephanie Kreuzer
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Der 21-jährige Student Matthias Pickel will Musikproduzent werden. Noch bis Anfang nächsten Jahres betreut er junge Musikmacher im Haus der Jugend.

Hofheim. "Das Angebot hier ist sehr gefragt, daher stocke ich gerade meine Stunden auf", erzählt Matthias Pickel, "denn bereits vor Corona hatten wir zum Teil Wartezeiten von bis zu vier Monaten." Der 21-jährige Hofheimer leitet seit eineinhalb Jahren das Tonstudio im "Haus der Jugend" im Wasserschloss und ist jeden Donnerstagnachmittag dort Ansprechpartner für jugendliche Musikliebhaber aus dem Umkreis, die - nach Anmeldung - ihre kreativen Ideen mit Unterstützung eines Profis umsetzen wollen.

"Pro Session, die zwei Stunden dauert, sind immer vier oder fünf junge Musiker hier, um an ihren Projekten zu arbeiten. Die meisten sind zwischen 12 und 17 Jahre alt, maximal darf man 21 sein." Musikalisch sei jede Stilrichtung willkommen, ob Klassik oder Hiphop.

Nachfolger wird eingearbeitet

"Ich bediene das Studio Equipment, nehme die Jugendlichen auf und bearbeite die Projekte audio-technisch, so dass sie sich genauso anhören, wie es die jungen Künstler wollen. Ein sehr dankbarer Job für mich, da dieser direkt bei mir 'um die Ecke' ist, in einem angenehmen Umfeld stattfindet und ich mit Jugendlichen Musik machen darf."

Aktuell bemühe sich das Team Jugendarbeit der Stadt Hofheim um Möglichkeiten, das Studio überhaupt wieder öffnen und - wenn möglich - größere Kapazitäten anbieten zu können. Allerdings ist Pickel momentan der Einzige, der weiß, wie man die technische Ausstattung richtig bedient: "Da ich aber in einem Dreivierteljahr mein Studium abschließe und wegziehe, führe ich gerade einen interessierten Jugendlichen aus Hofheim in die Technik ein, damit er mich dann hoffentlich ablösen kann, denn das Studio muss unbedingt weitergenutzt werden!"

Gerne erinnert er sich nämlich an seine ersten musikalischen Gehversuche als Kind und ist seinen Eltern heute rückblickend sehr dankbar, dass er auferlegt bekam, ein Instrument zu lernen: "Während sich mein großer Bruder für die Gitarre entschied, wählte ich das Klavier. Das hat uns beide stark beeinflusst und ist in unseren Leben ein wichtiges Motiv."

Mit zehn wollte er was anderes

Mit zehn Jahren wollte er allerdings keinen traditionellen Unterricht in klassischer Musik mehr, sondern seine Klavierkenntnisse in Akkordstruktur und Harmonien ausbauen: "Glücklicherweise konnte mich mein Klavierlehrer und Mentor Roland Herbst, der selbst Produzent, Texter und Soundtechniker ist, bei meinem musikalischen Werdegang in allem unterstützen, was ich verfolgen wollte."

Auch im "Songwriting" sammelte er rasch erste Erfahrungen und hatte bereits mit zwölf Jahren zig Lied-Ideen notiert. "Diese habe ich allerdings meistens nur meiner Familie präsentiert", lacht er. Während der Schulzeit nahm er an drei Musicals der Main-Taunus-Schule teil, einmal als Keyboarder und zweimal als Darsteller. Um seine Kenntnisse auszubauen, damit aus dem Hobby ein Beruf werden kann, startete er vor drei Jahren in Frankfurt ein Studium der Audio-Produktion, das er im kommenden Frühjahr mit dem Bachelor abschließen wird. Nebenher singt er nicht nur und spielt weiterhin Klavier, sondern inzwischen auch Bass und Gitarre. Außerdem verfolgt er seine eigenen Projekte und freut sich über entsprechende Anfragen. Als ihn kürzlich die Mutter eines Freundes bat, für den Kinder-Podcast des Kulturvereins Diedenbergen einen Intro-Song zu komponieren, ließ er sich nicht lange bitten, den passenden Jingle "Wenn Dir langweilig ist und Du zuhause bist" zu liefern.

"Empe" ist sein Künstlername

Unter dem Künstlernamen "Empe" - abgeleitet aus seinen Initialen - hat Pickel mit selbst geschriebenen und produzierten englischsprachigen Songs eine Platte namens "Introspection" und zwei Singles ("Safe Space" und "Rescue") auf allen Streaming-Plattformen veröffentlicht. "Die Resonanz ist sehr gut, auch wenn ich natürlich noch keine sehr große Reichweite habe und in erster Linie nur hier im Kreis bekannt bin", erzählt er, "aber genau da will ich weitermachen". Denn er ist sich sicher, dass er sein Geld künftig mit der Produktion von Musik verdienen will - egal, ob das die eigene oder die von jemand anderem ist. "Ich hoffe einfach nur, mit so vielen begabten Künstlern wie möglich arbeiten zu können." Die Richtung ist klar: "Mein Ziel ist es nicht, selbst als Sänger auf der Bühne zu stehen, aber ich will mein Leben lang in den kreativen Entstehungsprozess von Musik eingebunden sein." Das dürfte nach seinem Geschmack auch gerne außerhalb Deutschlands passieren: "Um in die internationale Musikszene reinzukommen, braucht man allerdings die richtigen Kontakte, die mir noch fehlen." Stephanie Kreuzer

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