Normalerweise plätschert der Schwarzbach gemütlich in Richtung Main. Aber bei Starkregen kann er mächtig anschwellen und über die Ufer treten.
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Normalerweise plätschert der Schwarzbach gemütlich in Richtung Main. Aber bei Starkregen kann er mächtig anschwellen und über die Ufer treten.

Umwelt

Hofheim und der Hochwasserschutz - Kaum Konkretes

  • VonManfred Becht
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In der Kreisstadt sind eine Menge Fragen offen. Zuständig ist der Abwasserverband Main-Taunus.

Hofheim. -Alles andere wäre eine Überraschung gewesen: Nach der Hochwasserkatastrophe an der Ahr wird der Schutz vor Überschwemmungen auch in der Hofheimer Politik ein Thema. Dass die Stadt nicht untätig ist, hatte Bürgermeister Christian Vogt (CDU) bereits öffentlich erklärt. Aber es gibt offene Fragen, etwa nach konkreten Maßnahmen und nach Zuständigkeiten.

Es sei in den vergangenen Jahren für den vorbeugenden Hochwasserschutz einiges getan worden, so Rathaus-Sprecherin Iris Bernardelli auf Anfrage dieser Zeitung. Zuständig dafür sei der Abwasserverband Main-Taunus. Der Verband habe umfassende Konzepte für einen weitreichenden Hochwasserschutz erarbeiten lassen, führe überörtliche Maßnahmen und durch und koordiniere örtliche Projekte. Dem Abwasserverband war die Zuständigkeit für den Hochwasserschutz vor allem auf Betreiben der Stadt Eppstein übertragen worden.

Aber welche Maßnahmen hat der Abwasserverband bislang konkret umgesetzt? Auf der Internetseite weist er lediglich auf die Konzepte hin, die die Stadt erwähnt. Über die konkreten Inhalte berichten beide Seiten nichts; aus einer Antwort des Magistrats auf eine Anfrage in der Stadtverordnetenversammlung geht hervor, dass es sich vor allem um die Schaffung von Rückstauflächen handelt. Diese sollen verhindern, dass zu schnell zu große Wassermassen am Unterlauf des Schwarzbaches ankommen.

Konzepte wurden nicht veröffentlicht

Die Konzepte selbst wurden bislang nicht veröffentlicht. Das nervt vor allem die Linken in der Hofheimer Stadtverordnetenversammlung, die sich nach den Konzepten und dem Stand der Umsetzung erkundigen, letztlich aber keine genauen Antworten erhielten. Deshalb haben sie beim Abwasserverband selbst nachgefragt und unter Berufung auf das Umweltinformationsgesetz die Herausgabe der Unterlagen verlangt.

Der Linken-Stadtverordnete Bernd Hausmann begründet dies damit, dass die Stadt eine Anfrage zum Thema nicht fristgerecht beantwortet habe. Freilich ist der Magistrat seinerseits auf den Abwasserverband angewiesen. 2018 hatte der Verband die Stadt auf Nachfrage wissen lassen, man habe die Ausarbeitung eines neuen Konzeptes in Auftrag gegeben und könne noch nicht sagen, welche Maßnahmen in den nächsten Jahren realisiert werden könnten. In Sachen Regenrückhaltebecken hat sich offenbar nicht viel getan. Ebenfalls aus dem Jahre 2018 stammt eine Auskunft des Abwasserverbandes für den Kreistag, wonach es im Verbandsgebiet nur zwei Rückhaltebecken gebe, eines in Weilbach und eines in Bad Soden. Über spätere Vorhaben wurde öffentlich nicht berichtet. Die Stadt Hofheim hat auf Anfrage erläutert, dass die Stadt Rückhaltebecken im Schmelzweg, in Lorsbach und in Wallau angelegt habe. Dort wird allerdings nur Wasser aus der Kanalisation zurückgehalten. Das hat mit über die Ufer tretenden Bächen direkt nichts zu tun.

Die Stadt habe außerdem die Kanalisation in der Innenstadt erweitert, so Bernardelli. Dabei soll es wohl nicht bleiben. Die Stadt überprüfe die Katastrophenschutzmaßnahmen und den Hochwasserschutz in allen Stadtteilen, berichtete Bürgermeister Vogt in seiner wöchentlichen Videobotschaft. "Die aktuellen Bilder machen nachdenklich", erklärte Vogt mit Blick auf die Lage an der Ahr. Derzeit würden alle verfügbaren Informationen zusammengetragen, ergänzt Bernardelli.

Die Frage stellt sich auch, ob die Zuständigkeiten eindeutig und sinnvoll verteilt sind. Der überörtliche Hochwasserschutz sei Sache des Abwasserverbandes, örtliche Maßnahmen sollten die Kommunen selbst erledigen, erläuterte der Main-Taunus-Kreis 2018 im Umweltausschuss. Womöglich führt diese Aufgabenverteilung nun dazu, dass sich die Stadt Hofheim zu dem, was schon passiert ist und was noch geschehen soll, nicht äußern kann oder will.

Hofheims Sirenen funktionieren

Der Linke Bernd Hausmann vertritt außerdem die Einschätzung, dass sich die Zuständigkeit des Abwasserverbandes auf die Bachläufe konzentriere. Um die aber geht es gar nicht immer - vor wenigen Jahren erst hat ein Starkregen im Norden der Stadt für erhebliche Schäden in der Altstadt gesorgt, ohne dass dies in irgendeiner Form mit dem Schwarzbach zu tun hatte. Die Stadt Eppstein befasst sich mit diesem Thema schon lange, hat beispielsweise viele Versickerungsmulden im Wald angelegt. Zu klären wäre, ob es in Hofheim Nachholbedarf gibt.

Immerhin sind die technischen Möglichkeiten vorhanden, die Bevölkerung rechtzeitig zu warnen. 20 funktionsfähige Sirenen gebe es in der Stadt, so Bernardelli; die Stadt habe dafür im vergangenen Jahr 30 000 Euro ausgegeben. Die Bedeutung der Signale und das richtige Verhalten müssten verstärkt bekannt gemacht werden, so Bernardelli.

Vorab daher der Hinweis: Ein kontinuierlich auf- und abschwellender Dauerton warnt bei Hochwasser und anderen Naturkatastrophen, aber auch bei Krieg, gefährlichen Krankheitserregern und einem Komplettausfall der Grundversorgung.

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