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Vogel verhindert Wohngebiet: Das steckt hinter der kuriosen Geschichte

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Von: Isabel Wetzel

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Ein Gartenrotschwanz auf einem Ast: Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat den Lebensraum des Vogels vor Gericht verteidigt.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat den Lebensraum des Gartenrotschwanzes vor Gericht verteidigt. © Bernd Feil/Imago

Nach jahrelangem Streit ist ein geplantes Wohngebiet in Hofheim am Taunus endgültig Geschichte. Der Grund dafür ist ein kleiner Vogel.

Hofheim – Fast zehn Jahre hat es gedauert bis zu dieser Entscheidung: Der Bebauungsplan für das Wohngebiet Vorderheide 2 in Hofheim am Taunus ist unwirksam. Es wird also keine neuen Wohnungen in dem Gebiet geben. Das hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel (VGH) entschieden. Die Kreisstadt nahe Frankfurt* hatte für das Gebiet insgesamt 220 Wohneinheiten für rund 700 Menschen geplant – bis der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) 2011 gegen das Vorhaben klagte*.

Die Pläne zum Bauen und Wohnen in Hofheim*, die über Jahre zu einer juristischen Hängepartie wurden, fallen damit also nun einem Vogel zum Opfer, genauer gesagt dem geschützten Gartenrotschwanz. Denn, so begründen die Richter die Entscheidung, für das Wohngebiet hätten rund 11 Hektar „hochwertiger Naturraum“ weichen müssen, der Lebensraum für etliche Vogelarten wie den Gartenrotschwanz, Fledermäuse und andere Tierarten bietet.

Vogel und Fledermaus: Baugebiet in Hofheim (Taunus) für den Artenschutz gekippt

Zudem heißt es vom Gericht, das Land Hessen* hätte den Bereich als Vogelschutzgebiet zugunsten der besonders geschützten Zugvogelart Gartenrotschwanz melden müssen. Dann hätte gar nicht erst geplant werden dürfen. Außerdem hätten in der Planung Ausweichmöglichkeiten für die Tiere berücksichtigt werden müssen, so das Gericht. Vor allem die Erhaltung des Gartenrotschwanzes und der Zwergfledermaus könnten mit den vorliegenden Plänen nicht gewährleistet werden.

Gartenrotschwanz
KlassifizierungRotschwänze
UnterordnungSingvogel
Größe13 bis 15 Zentimeter
ZugvogelLangstreckenzieher, überwintert in Afrika
In Deutschland heimischvon Ende April bis September

Der Bebauungsplan der Stadt Hofheim sah für das Wohngebiet hauptsächlich Einfamilienhäuser auf großzügig geschnittenen Grundstücken vor. Damit unterschreitet der Plan außerdem die „regionalplanerischen Wohndichtevorgaben“ für städtische Baugebiete, erklärten die Richter. Das heißt einfach gesagt: zu wenig Wohnraum auf zu großer Fläche. Es bestehe demnach kein öffentliches Interesse an dem Wohngebiet. Daran ändere auch der nach wie vor hohe Wohnungsbedarf im Rhein-Main-Gebiet und rund um Frankfurt nichts, so die Entscheidung der Richter.

Wohngebiet in Hofheim gescheitert: Keine Revision zugelassen

Neben dem BUND hatten auch zahlreiche private Eigentümer von benachbarten Grundstücken gegen das Bauvorhaben der Stadt geklagt. Die Klagen bezogen sich allerdings vor allem darauf, dass die Anwohner deutlich mehr Verkehr in der Region fürchteten und spielten daher keine entscheidende Rolle bei der Entscheidung gegen die Pläne. Auf die Frage, warum sich das Verfahren so lange hingezogen hat, sagte der Verwaltungsgerichtshof Kassel, es seien zahlreiche, sehr umfangreiche Unterlagen eingereicht worden. Das Gericht sei also schlichtweg nicht eher dazu gekommen.

Auch durch die Eilverfahren aufgrund der Corona*-Pandemie in den vergangenen zwei Jahren habe sich die ohnehin schon hohe Belastung des VGH noch verstärkt, sagte Thomas Müller von der Terramag GmbH auf Nachfrage. Die Terramag GmbH ist eine von mehreren Gesellschafterinnen der Entwicklungsgesellschaft Hofheim (EGH), die das Wohnprojekt realisieren wollte.

Doch jetzt ist endlich eine Entscheidung getroffen: Das Baugebiet fällt flach. Der Verwaltungsgerichtshof hat auch keine Revision durch das Bundesverwaltungsgericht zugelassen. Die Stadt kann dagegen allerdings noch Beschwerde einreichen, über die das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zu entscheiden hätte. (iwe) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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