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Als einen ihrer Erfolge beansprucht die Wallauer Wählergemeinschaft für sich, dass die neue Ländcheshalle nicht kleiner wird als die alte Halle.

Politik

Hofheim: Wallauer Wählergemeinschaft gibt auf

  • vonManfred Becht
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Frust im Hofheimer Politikbetrieb: Die WGW wird zur Kommunalwahl am 14. März 2021 nicht mehr antreten.

Wallau. -Mit großen Ambitionen war die Wählergemeinschaft Wallau (WGW) im Jahr 2016 gestartet. Mehr Gewicht sollte der Stadtteil in der Hofheimer Politik bekommen - und wenn dies nicht zu erreichen sei, dann wurde langfristig selbst eine Loslösung Wallaus von Hofheim nicht ausgeschlossen. Aus dem Stand gewann die WGW bei der Kommunalwahl vor viereinhalb Jahren damit vier von neun Sitzen im Wallauer Ortsbeirat, in die Stadtverordnetenversammlung konnte sie zwei Vertreter schicken. Aber das ist so gut wie vorbei - wie die WGW gestern mitgeteilt hat, wurde auf der Mitgliederversammlung einstimmig entschieden, bei der Kommunalwahl 2021 nicht wieder anzutreten.

"Es ist ungeheuer viel Arbeit zu investieren", sagte der Fraktionsvorsitzende Mario Kleber gestern gegenüber dieser Zeitung. Da gehe es längst nicht nur um sieben bis acht Parlamentssitzungen im Jahr; dazu kämen die Ausschüsse, die Fraktionssitzungen, der Parlamentsvorstand, diverse Betriebskommissionen und anderes - und immer müssten Unterlagen studiert werden. Das kostet Zeit. Die Ergebnisse all dieser Arbeit würden diesem Aufwand nicht gerecht, bilanziert Kleber.

Mit anderen Worten: Die WGW habe viel Arbeit in die Stadtverordnetenversammlung gesteckt, aber kaum irgendwelche Anträge durchbekommen. Das, woran sich Kleber überhaupt erinnert, sind vor allem Formalien, etwa dass dieses oder jenes Thema noch einmal im Ausschuss beraten wurde.

Er könne nicht für die anderen WGW-Parlamentarier sprechen, sondern nur für sich selbst, so Kleber. Aber er geht davon aus, dass bei allen die Motivationslage ähnlich ist. Dass die Entscheidung sogar einstimmig ausgefallen ist, spricht schon eine klare Sprache. Aus Sicht der Aktiven lohnt sich das Engagement offensichtlich nicht. Und der Rückzug ist komplett - die WGW tritt weder für die Stadtverordnetenversammlung an noch für den Ortsbeirat.

In einer Pressemitteilung von gestern spricht die WGW allerdings von gewissen Erfolgen, die in den vergangenen Jahren erreicht worden seien. So werde die neue Ländcheshalle nicht kleiner als ihre Vorgängerin, Eigentümerin bleibe die Stadt. Der Festplatz bleibe erhalten, die berüchtigte Schotterstraße in Richtung Breckenheim gepflastert. Die Stadt stelle wieder Geld für eine Senioren-Weihnachtsfeier zur Verfügung, und beim Sportplatz werde auch die Laufbahn erhalten. Die WGW habe unterschiedlich starken Anteil daran, so Kleber.

Aufgefallen ist die WGW in der Wahlperiode vor allem durch ihr Eintreten für eine hauptamtlich besetzte Außenstelle der Stadtverwaltung im Ort. Auf Betreiben der WGW wurde sogar ein Rechtsanwalt beauftragt zu ermitteln, welche Erfolgsaussichten eine Klage gegen die Entscheidung der Stadt habe, dass die Außenstelle nur noch ehrenamtlich zu besetzen sei. Die WGW habe davon abgesehen, eine solche Klage weiter zu verfolgen, da es zu lange dauere, eine Mehrheit im Ortsbeirat dafür zu organisieren. Dies habe die Erfolgsaussichten geschmälert.

Enttäuscht sind die Wallauer vor allem, wie in der Stadtverordnetenversammlung mit ihren Anträgen umgegangen wurde. "Obwohl die Anträge gut vorbereitet waren, hat man sich nicht einmal die Mühe gemacht, darüber zu diskutieren", so Kleber. Dagegen sei so mancher ungenügend vorbereitete Antrag der Koalition einfach durchgewunken worden. "Da kann ich meine Zeit sinnvoller verwenden", so Kleber.

In der Stadtverordnetenversammlung habe sich in der Vergangenheit der persönliche Umgang verbessert, räumt Kleber ein. Auf die politischen Entscheidungen habe sich dies aber nicht ausgewirkt. Im Ortsbeirat wiederum werde zwar viel diskutiert, aber das Stadtteilparlament sei am Ende doch nicht mehr als ein beratendes Gremium des Magistrates. Mit anderen Worten: Ob Beschlüsse des Ortsbeirates umgesetzt werden, ist vom Wohlwollen der Rathausspitze abhängig.

Im Ort, sagt Kleber noch, seien die Anfeindungen größer gewesen als in Hofheim. Tatsächlich ist aus Wallau immer wieder einmal von einer Polarisierung die Rede gewesen, wobei viele Alteingesessene der WGW zuneigten, die anderen eher den anderen Parteien. In Wallau wird die Kommunalwahl daher auch unter diesem Gesichtspunkt spannend - während die WGW zahlenmäßig in der Stadtverordnetenversammlung nicht ins Gewicht fällt, hat sie im Ortsbeirat fast die Hälfte aller Sitze inne. Die Frage ist, wer von den anderen Parteien vom Rückzug der WGW am meisten profitiert. Manfred Becht

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