Das schockte Anlieger und Besucher: Rechtzeitig vor Beginn der Brutsaison ließ der Kreis die Gehölze rund um den Löschteich entfernen.
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Das schockte Anlieger und Besucher: Rechtzeitig vor Beginn der Brutsaison ließ der Kreis die Gehölze rund um den Löschteich entfernen.

Bauprojekt

Hofheim: Wenig Chancen für die Teich-Retter

  • vonBarbara Schmidt
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Bürger sammeln mehr als 1000 Unterschriften gegen die Erweiterung der Landratsamtes. Aber das Projekt ist beschlossene Sache.

Hofheim -Die 1000er-Marke bei der Online-Petition zum Bauvorhaben am Hofheimer Landratsamt ist schon ein ganzes Stück überschritten, fast 1050 Unterschriften waren gestern Morgen registriert. Die Bürger, die sich für eine Alternative zum Erweiterungsbau auf der Fläche des Löschteichs stark machen, wollen Landrat Michael Cyriax (CDU) die Unterschriftenliste in den kommenden Tagen überreichen.

Am Montagabend hatte die SPD Main-Taunus zum "Townhall-Meeting", einer Art Bürgergespräch, geladen, Corona-bedingt in digitaler Form. Der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Kreistag, Dr. Philipp Neuhaus, Hofheims SPD-Stadtrat Bernhard Köppler und der SPD-Kreisvorsitzende Michael Antenbrink wollten damit zumindest den Bürgern ein offenes Ohr bieten. "Ich begrüße es unwahrscheinlich", zeigte sich Arnold Paluch, einer der Sprecher der Aktivisten, dankbar für diese Möglichkeit, "wenigstens mal einen Teil der Bevölkerung zu Wort kommen" zu lassen.

Dass sich dadurch in der Sache etwas ändern wird, "da will ich Ihnen keine Hoffnung machen", mussten sowohl Antenbrink wie Neuhaus eingestehen. Alles sei rechtens, das Geld für die Baumaßnahme habe die Koalition im Kreistag gerade mit dem Haushalt 2021 bewilligt. Die SPD habe diesen, wie alle Oppositionsparteien, nicht mitgetragen, so Neuhaus. Das ändere aber nichts daran, dass nun gebaut werden könne.

SPD-Chef spricht von Rechtsweg

Er verwies noch auf den Antrag seiner Fraktion zu einer Bürgerbeteiligung. "Als es hieß, das läuft, haben wir diesen Punkt zurückgezogen", so Neuhaus. Wie die Bürgerbeteiligung dann tatsächlich erfolgt sei, bewertete er als "schlicht und ergreifend schlecht". Dem Kreistag habe der Kreisausschuss auch keine Alternativ-Planungen vorgestellt. An dem allgemeinen Bedarf einer Erweiterung des Landratamtes habe auch die SPD keine Zweifel. Eine Anfrage, wie viele Arbeitsplätze in Präsenz nach den Erfahrungen der Pandemie tatsächlich noch gebraucht würden, sei aber noch nicht beantwortet. Das sei der SPD auf Nachfrage erst für April/Mai in Aussicht gestellt worden.

"Der Weg, den man jetzt noch gehen kann, um das Projekt aufzuhalten, ist der Rechtsweg", so SPD-Chef Michael Antenbrink. Das stieß allerdings bei den Gesprächspartnern aus der Bürgerschaft auf kein sonderliches Echo. Man habe in die Richtung schon Erkundigungen eingeholt, so Karin Arndt, die nötige Betroffenheit von dem Bauvorhaben fehle aber wohl.

Köppler, der betonte, nicht als Stadtrat, sondern als SPD-Vertreter an dem Gespräch teilzunehmen, äußerte "Verständnis dafür," dass sich Protest rege, weil "ein liebgewordener Anblick nicht mehr zur Verfügung steht". Dass es um mehr gehe als einen schönen Ausblick, der Stadt etwas genommen werde, was gut fürs Kleinklima sei und den Menschen ein beliebter Naherholungs-Bereich, der vor allem von Familien mit Kindern und von alten Menschen gern genutzt wird, erwiderte ihm Bettina Veit. Geblieben sei der Eindruck, dass die Stadt sich nicht für die Belange ihrer Bürger einsetze. "Bezeichnend" sei für ihn zudem, so Paluch, dass der Landrat ganz oben im sogenannten "Akzentbau" sein Büro anordnen wolle. Das sei ihm neu, so Neuhaus.

Bürger: Situation neu bewerten

Die Bürger machten deutlich, ihnen reiche als Gesprächsergebnis nicht, "ein bisschen mehr voneinander zu wissen". Paluch formulierte als Erwartung an die Verantwortlichen, dass sie den Mut haben sollten, "bei geänderten Rahmenbedingungen die Situation neu zu bewerten". Das nehme man gerne mit, so der SPD-Fraktionschef, der wie Antenbrink aber deutlich machte, als Opposition habe man im Kreis nichts zu melden. "Die politischen Verhältnisse sind nun einmal, wie sie sind." Einsetzen will sich die SPD zumindest noch dafür, dass auf der verbleibenden Restfläche des Parks "wieder eine Wasserfläche ist". babs

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