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Hofheim: Wichtiger Brief des Magistrats wird vermisst

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Von: Manfred Becht

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Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler (r.) überreichte die Unterschriftenliste an Abteilungsleiterin Kathrin Brückner von Hessen Mobil. Mit dabei: Andreas Nickel und Ortsvorsteher Dieter Kugelmann (v.l.).
Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler (r.) überreichte die Unterschriftenliste an Abteilungsleiterin Kathrin Brückner von Hessen Mobil. Mit dabei: Andreas Nickel und Ortsvorsteher Dieter Kugelmann (v.l.). © Becht

L 3011-Sperrung: Stadt einigt sich mit Reiterhof über Umfahrung - Nachricht erreicht Hessen Mobil nicht

Wiesbaden/Lorsbach. Zunächst sah alles nach einer gewöhnlichen Übergabe von Protest-Unterschriften aus. Das Lorsbacher Aktionsbündnis gegen die Vollsperrung der Landesstraße 3011 hatte eine Liste mit 1604 Namen mitgebracht und erläuterte seinen Standpunkt. Die Verkehrsbehörde Hessen Mobil, die die vielbefahrene Straße für zwölf Monate sperren will, nahm die Unterschriften entgegen und erläuterte ihren Standpunkt ebenfalls. Der übliche Gang der Dinge wäre dann gewesen, dass man sich verabschiedet hätte, ohne dass sich irgendwelche neuen Aspekte ergeben hätten.

Nicht so gestern in der Wiesbadener Wilhelmstraße, im Hauptquartier von Hessen Mobil. Mitglieder der Hofheimer Delegation - Andreas Nickel als Sprecher des Aktionsbündnisses, Dieter Kugelmann als Ortsvorsteher von Lorsbach und Andreas Hegeler als Stadtverordnetenvorsteher - waren mehr als erstaunt, als klar wurde, dass ein Schreiben des Magistrats an das hessische Wirtschaftsministerium, abgeschickt vor drei Wochen, die untergeordnete Behörde Hessen Mobil bislang nicht erreicht hat. Das kann Folgen haben.

In dem Schreiben lässt der Magistrat nämlich wissen, dass es eine Einigung mit dem an der Straße gelegenen Reiterhof gebe über die Führung einer provisorischen Spur über das Gelände des Betriebs. Dies würde bedeuten, dass die Sperrung sich auf drei oder vier Monate begrenzen ließe und es darüber hinaus einen ampelgeregelten Betrieb auf der einen Spur geben würde. So etwas gebe es momentan auch, Lorsbach komme damit zurecht, erklärte Aktionsbündnis-Sprecher Nickel.

Nur: Der Magistrat und der Reiterhof wollen ihre Vereinbarung - es geht auch um einen provisorischen Lagerplatz und um eine vorübergehend andere Unterbringung von Pferden, erst unterschreiben, wenn klar ist, dass es dafür noch nicht zu spät ist. Hessen Mobil braucht vor dem Beginn der Baustelle einige Monate Vorlaufzeit. Kathrin Brückner, Leiterin der Abteilung Bau und Planung, ließ durchblicken, dass es sich um eine außerordentlich schwierige Baustelle handele, die gründlich vorbereitet werden müsse.

Es kann also auf jede Woche ankommen - deshalb ist die Frage so wichtig, was aus dem Brief geworden ist. Die Landes-Straßenbehörde hat den Beginn der Bauarbeiten schon einmal verschoben, um der Stadt mehr Zeit zum Verhandeln zu geben. "Beliebig oft können wir das Spiel nicht wiederholen", so Brückner. Nur: So lange Hessen Mobil den Brief aus dem Hofheimer Rathaus nicht kennt, so lange kann es sich auf die Einigung zwischen Stadt und Reiterhof nicht einstellen.

Andreas Nickel war trotzdem zufrieden mit dem Treffen bei Hessen Mobil. Nicht nur, dass man einigermaßen wertschätzend empfangen worden sei. Aus Lorsbacher Sicht kann man ja immer noch hoffen, dass der problemlösende Vertrag zwischen Stadt und Reiterhof tatsächlich zustande kommt und dann Hessen Mobil genügend Vorbereitungszeit hat.

Nach einer Verrohrung des Mühlgrabens, die Platz schaffen und dadurch ebenfalls eine einjährige Sperrung überflüssig machen würde, sieht es jedenfalls nicht aus. Auf diese verhältnismäßig unkomplizierte Lösung setzten die mehr als 50 Demonstranten, die gestern Morgen zum Teil mit dem Fahrrad aus Lorsbach nach Wiesbaden gekommen waren und in der Wilhelmstraße ordentlich Lärm machten. "Wieso kann ein Graben mehr wert sein als ein ganzes Dorf", hieß es auf den Plakaten. "Lieber geöffnete Läden als ein offener Mühlgraben" hatte ein anderer aufgeschrieben.

Die Straßenbauer lehnen die Verrohrung des Mühlgrabens ab, weil dies eine Verschlechterung des Gewässers zur Folge hätte. In Lorsbach wird darauf hingewiesen, dass dies so absolut nicht zu sehen ist und dass abzuwägen ist, ob der Eingriff in das Gewässer vor dem Hintergrund aller Nachteile einer Umleitung nicht weniger wichtig sei. Eine solche Abwägung könne weder Hessen Mobil noch das Wirtschaftsministerium vornehmen, so dagegen Planerin Brückner. Aus ihrer Sicht lässt die Rechtslage keinen Spielraum. Das Verschlechterungsverbot dürfe nicht umgangen werden.

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