139 Personen maximal dürfen gleichzeitig im Bio-Supermarkt Buch in der Hofheimer Innenstadt einkaufen.
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139 Personen maximal dürfen gleichzeitig im Bio-Supermarkt Buch in der Hofheimer Innenstadt einkaufen.

Corona

Hofheim: Wieso sollen im Supermarkt weniger Gefahren lauern als in anderen Geschäften?

  • vonBarbara Schmidt
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Viele Menschen können die unterschiedlichen Corona-Regeln beim Einkaufen nicht nachvollziehen. Das gibt Anlass zu Fragen.

Hofheim -Die Bundes-Notbremse hat wieder einmal neue Regeln gebracht. Ob sie etwas bringen, liegt weiter an ihrer Akzeptanz. Da kam doch mancher Zweifel auf in den vergangenen schönen Frühlings-Tagen. Dicht beieinander saßen Sonnenhungrige im trockenen Bachbett vor der Türmchenzeile, ohne Maske, dafür in angeregtem Gespräch. Ein Haushalt plus eine Person? Das schien längst nicht immer der Fall. "Das kontrolliert ja auch keiner", meinte eine Geschäftsfrau, die das Treiben vor der Tür beobachtete und fand, dass es doch besser wäre, die Außen-Gastronomie zu öffnen. "Dann würde es deutlich geregelter zugehen."

Im Supermarkt läuft es problemlos

Für viele gar nicht einsichtig sind die Unterschiede, die beim Einkaufen gemacht werden. Dann kommen Fragen wie: "Warum dürfen wir einfach so in den Supermarkt, aber für andere Einkäufe braucht es eine Anmeldung und einen Negativ-Test?" Leser berichten von "Discounter-Tourismus", von Menschen, die kommen, um nur mal zu gucken, einfach, weil ihnen langweilig ist.

Warum, wenn es um Corona-Regeln geht, die Ansteckungsgefahr im Supermarkt offenbar nicht so ein großes Argument ist, obwohl dort doch immer viele Menschen sind, diese Frage kennt auch Markus Buch. Und er kann einiges an Erfahrung aus seinen Märkten nach mehr als einem Pandemie-Jahr zur Objektivierung beisteuern. Sein wichtigster Eindruck: Der ganz überwiegende Teil der Kunden sowohl in seinen Edeka-Märkten wie im Bio-Markt halte sich gut an die Regeln, Masken würden korrekt getragen, Abstände eingehalten. "Das klappt", sagt Buch. Nach wie vor werde auch die Möglichkeit, Einkaufskörbe und Wagen mittels bereitgestellter Tücher zu desinfizieren, gut genutzt.

Bei der zweiten Welle habe es zum Teil regelrechte Provokationen gegeben, Kunden, die bewusst ohne Maske kamen, "um einfach ihren Unmut kund zu tun." "Das war schon lästig", sagt Kaufmann Buch, ist aber vorüber. Inzwischen habe sich alles so gut eingespielt, dass es kaum noch die Sicherheitsdienste braucht. Selbst das Ostergeschäft sei "ganz entspannt gelaufen". Einkäufe konzentrierten sich nicht mehr vor allem auf das Wochenende, alle Werktage würden ähnlich gut genutzt.

Was das Ansteckungsrisiko im Supermarkt betrifft, da kann Buch nur auf die verweisen, die jeden Tag dort viele Stunden verbringen, auf die Mitarbeiter seiner drei Geschäfte in Hofheim und Hattersheim. Eine Ansteckung "auf der Firma", wie der Hofheimer formuliert, habe es wissentlich bislang "gar keine" gegeben. Rund ein Dutzend Quarantäne-Fälle in den vergangenen 13 Monaten hat er verzeichnet, immer habe der Grund im Privaten gelegen. 1000 Selbsttests haben seine Mitarbeiter bisher gemacht, alle waren negativ. Lebensmittelläden würden sehr stark belüftet, "das ist immer schon so", sagt Markus Buch. Vielleicht liege hier eine Erklärung.

Kontrollieren mit Augenmaß

Dass Menschen zu zweit oder dritt einkaufen kommen, obwohl aufgerufen wird, allein zu gehen, das ist in vielen Märkten zu beobachten. Sie anzusprechen, hält Buch für schwierig. Wäre das Kind sonst allein daheim, käme die alte Dame ohne Begleitung gar nicht zurecht? "Wo ziehen sie die Grenze?", fragt er.

Im öffentlichen Raum ist die Ordnungspolizei für das Überwachen des regelkonformen Verhaltens zuständig. Sie kontrolliere tagsüber die Einhaltung der Regeln "im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten und Personalstärke", so Rathaussprecherin Iris Bernardelli. Außerhalb der Dienstzeiten übernimmt das die Landespolizei. Würden Verstöße festgestellt, werde "im Rahmen pflichtgemäßen Ermessens" gehandelt, sprich, bei Erstverstößen wird nur zur Einhaltung der Regeln aufgefordert, die Uneinsichtigen müssen mit der Aufnahme der Personalien und einem Ordnungswidrigkeitsverfahren rechnen. Polizeisprecher Johannes Neumann sagt, die allermeisten hielten sich nach Eindruck der Polizei an die Regeln. Das gelte auch für die neue nächtliche Ausgangssperre, wie die Kontrollen zeigten.

Warum etwa auf dem Wochenmarkt eine Maske zu tragen ist, nicht aber dort, wo mehrere Leute dicht an dicht sitzen, wie in den vergangenen Tagen in der Innenstadt zu beobachten, kann auch Bernardelli nicht beantworten. Für Märkte gehe man wohl davon aus, dass bei regem Betrieb regelmäßig Abstände nicht eingehalten werden könnten. Ansonsten gelte im Freien, etwa auf Ruhebänken, das Abstandsgebot und die aktuelle Kontaktbeschränkung: Ein Haushalt plus eine Person.

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