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Hofheim: "Wir wollen unsere Schützlinge nicht im Stich lassen"

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Von: Ulrike Kleinekoenen

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Knapp 20 Teilhabeassistentinnen und -assistenten machten am Donnerstagnachmittag vor dem Kreishaus auf ihre Situation aufmerksam.
Knapp 20 Teilhabeassistentinnen und -assistenten machten am Donnerstagnachmittag vor dem Kreishaus auf ihre Situation aufmerksam. © ulk

Urlaub rasiert, Stundenlohn gekürzt, in den Ferien ohne Job: Schulassistenten protestieren vor dem Landratsamt für faire Verträge und gerechte Bezahlung

Hofheim. Pina Andolina ist gerne Teilhabeassistentin, die 38-Jährige betreut schon seit zehn Jahren ein Kind an der Kelkheimer Anne-Frank-Schule mit sonderpädagogischer Förderung. "Es hat viel Zeit gekostet, Vertrauen und eine Beziehung aufzubauen", sagt sie. Auf ihren Arbeitgeber, die Dienstleistungsgesellschaft Taunus gGmbh (DGT), eine 100-prozentige Tochter des Main-Taunus-Kreises, ist sie gerade gar nicht gut zu sprechen. Denn sie wird künftig weniger verdienen. 100 Euro, so hat sie ausgerechnet, wird sie monatlich weniger im Portemonnaie haben, wenn im September die neuen Verträge wirksam werden. Doch dagegen erhebt sich Widerstand.

Bevor gestern um 17 Uhr der Sozialausschuss des Kreistags zusammen kam, versammelten sich vor dem Landratsamt knapp 20 der rund 200 Teilhabeassistentinnen und -assistenten im MTK. "Schluss mit den undurchsichtigen Verträgen der DGT" und "Schluss mit der Sommerarbeitslosigkeit" stand auf den Plakaten der Teilnehmer an der Protestkundgebung, zu der die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte. Dass der Stundenlohn der Teilhabeassistenten um zwei Euro gekürzt werden soll, begründet die DGT indes damit, dass sie weniger Refinanzierung vom Kreis erhalte, was auf einen coronabedingten finanziellen Einbruch zurückgehe.

Was Schulassistentin Buket Topac besonders bitter aufstößt, ist die Tatsache, dass sie per E-Mail erst am 30. Mai informiert wurde, sich innerhalb von drei Tagen bei der Arbeitsagentur zu melden, da die bestehenden Verträge zum Schuljahresende auslaufen. Dies war jedoch viel zu spät. Die nach den Sommerferien dann geltenden neuen Verträge sehen auch nur noch 20 statt 30 Urlaubstage vor. Gewerkschaftssekretärin Astrid Buchheim fordert, dass die Gehälter in der Sommerpause fortgezahlt werden müssen, so wie bisher auch: "Die Beschäftigten der Dienstleistungs-Gesellschaft Taunus gGmbH erbringen Teilhabeassistenz und ermöglichen damit Schülern mit Beeinträchtigungen den Schulbesuch." Obwohl der Bedarf an Teilhabeassistenten steige, sollen sie jetzt schlechter gestellt werden. "Es wäre eigentlich angebracht, ihre Situation attraktiv zu gestalten."

Die Kreispolitiker werden sich noch vor der Sommerpause mit dem Thema beschäftigen. Zur Kreistagssitzung am 4. Juli haben die Linken einen Antrag eingebracht. Danach soll der Kreis die bisherigen Einnahmeausfälle durch einen Zuschuss ausgleichen und der Gesellschaft künftig mehr zahlen.

Pina Andolina und ihre Kollegen wissen, dass ihre Arbeit gefragt ist und sie schnell woanders einen Job bekommen würden. Aber sie wollen ihre Schützlinge nicht im Stich lassen: "Wir lieben unsere Kinder."

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