Christoph Hahl, Betreiber des "Waldgeist" in Marxheim hat im Thekenbereich Plexiglasscheiben zum Schutz des Personals und der Gäste eingebaut.
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Christoph Hahl, Betreiber des "Waldgeist" in Marxheim hat im Thekenbereich Plexiglasscheiben zum Schutz des Personals und der Gäste eingebaut.

Hofheimer Gastronomie hofft auf den Sommer

"Wir brauchen Abstand und Anstand"

  • Christine Sieberhagen
    vonChristine Sieberhagen
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Auch 14 Tage nach der Wiederöffnung der Restaurants bleibt der ganz große Ansturm der Gäste noch aus.

Hofheim -Die Pflicht kommt vor der Kür: Bevor die Gäste im "Waldgeist" ein Schnitzel bestellen, müssen sie erst ein Formular mit ihren Kontaktdaten ausfüllen. Dies ist nötig, um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können, Eine von mehrere Auflagen, die den Wirten im Zuge der Lockerungen auferlegt wurden. Eine Auflage "die absolut richtig und wichtig ist", wie Christoph Hahl, Betreiber des Marxheimer Ausflugslokals meint. Der spektakuläre Fall des Corona-Ausbruchs in einem Restaurant im niedersächsischen Leer - dort haben sich bei einer Wiedereröffnungsparty 27 Gäste mit dem Virus infiziert, über 150 Kontaktpersonen wurden in Quarantäne geschickt - unterstreiche, wie wichtig die Maßnahmen zur Eindämmung der Ansteckungsgefahr seien, meint Hahl. Doch gerade dieser aktuelle Fall trage dazu bei, dass die Menschen nach wie vor verunsichert seien. Und das bekommen die Wirte zu spüren, die nach der zweimonatigen Corona-Zwangspause seit 15. Mai wieder öffnen dürfen. "Die Leute reagieren noch sehr verhalten. Es ist nicht so, dass sie uns gleich die Bude eingerannt haben. Derzeit gibt es bei uns keine längere Warteschlangen", schildert Hahl und fügt an: "Das kann aber an Pfingsten wieder ganz anders aussehen - schon weil die umstrittene Fünf-Quadratmeter-Regel nun wieder aufgehoben ist." Die Landesregierung hatte am Dienstag mitgeteilt, dass diese Vorgabe wegfällt. Nach ihr war nur ein Gast pro fünf Quadratmeter Fläche erlaubt.

Dass diese bundesweit einzigartige Regelung nun gekippt wurde, freut auch Sander Prins vom "Türmchen" am Untertor. "Nun haben wir natürlich ein bisschen mehr Spielraum im Außenbereich." Und dieser ist derzeit ein Hoffnungsschimmer für den Betreiber des Altstadtlokals, in dem man normalerweise bei schönem Wetter kaum einen Plätzchen auf der Terrasse ergattert. Im Moment sieht das anders aus: "Ja, die Leute kommen, aber natürlich nicht in Massen. Wir beobachten dasselbe wie der Einzelhandel. Die Menschen schauen erst mal, sind aber noch zögerlich." Die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns werde auch das jetzt langsam anlaufenden Geschäft kaum ausgleichen können, fürchtet er. Derzeit arbeitet er mit reduzierter Mannschaft. "Ich hoffe dass ich meine Leute bald aus der Kurzarbeit holen kann. Aber wir schlagen uns wacker", schildert der Türmchen-Wirt, der nach wie vor auch einen Lieferservice anbietet.

Mit kleinerem Service-Team ist auch der "Meisterturm" nach der Zwangspause an den Start gegangen. "Wir können nicht von null auf hundert gehen", sagt Betreiberin Barbara König. Deshalb wurde in dem Ausflugslokal nicht nur das Personal verringert, sondern auch die Öffnungszeiten und die Speisekarte. "Unsere Gäste sind wirklich super und haben uns die Treue gehalten. Trotzdem merkt man einfach, dass die Leute noch sehr vorsichtig sind, weil sie sich erst mit der Situation vertraut machen müssen." Der spontane Restaurantbesuch beispielsweise ist nicht mehr ohne weiteres möglich - im "Meisterturm" muss man derzeit reservieren und der Aufenthalt ist auf zwei Stunden begrenzt. "Anders können wir das gar nicht organisieren." Nachdem die Gäste ihren Tisch verlassen haben, muss alles desinfiziert werden. "Die neue Situation stellt uns Wirte vor große Herausforderungen und wir müssen uns langsam herantasten", schildert König, die die wirtschaftlichen Folgen des Shutdowns sowie die eingeschränkten Möglichkeiten im Zuge der Anti-Corona-Maßnahmen noch nicht abschätzen kann. Klar ist: "Uns fehlen natürlich die Gesellschaften. Wir bekommen ständig Anfragen, müssen aber die Gäste weiterhin vertrösten. Und natürlich machen sich die Abstandsregelungen bemerkbar: Im Biergarten haben wir normalerweise Platz für 220 Besucher, im Zuge der Anti-Corona-Maßnahmen können wir derzeit dort nur 60 Leute bewirten." Ob sie sich eine komplette Aufhebung der Maßnahmen, wie in Thüringen angedacht, wünschen würde? "Das ist eine schwierige Gratwanderung. Ich fände es zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht, denn die Infektionsgefahr schwebt ja wie ein Damoklesschwert über uns - und die Gesundheit unserer Gäste steht für uns an oberster Stelle."

Ein Satz, den auch Christiane Stöckle, Inhaberin der "Scheuer" unterstreicht: "Wir brauchen jetzt Abstand und Anstand", lautet die Maxime der Gastronomin, die sich über den Zuspruch ihrer Kunden freut, die das Restaurant in der Altstadt besuchen oder den Abholservice nutzen. "Wir konnten Hygiene schon vor Corona. Vertrauen spielt für die Gäste eine Rolle; und das honorieren sie." Christine sieberhagen

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