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Moritz Hemsteg in seiner Heimatkirche: In St. Peter und Paul, wo er lange Messdiener war, wollte er nach der Priesterweihe den Primiz-Gottesdienst feiern. Der ist nun wegen der Pandemie abgesagt. Foto: Matthias Knapp

Kirche

Der Hofheimer Moritz Hemsteg ist der einzige Kandidat, den Bischof Georg Bätzing in diesem Jahr zum Priester weiht

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Zur Priesterweihe von Moritz Hemsteg im Limburger Dom sind wegen der Corona-Auflagen am Pfingstsamstag nur 40 geladene Gäste zugelassen.

Hofheim -Es gibt nicht den einen Grund für die heute so seltene Berufswahl, die Moritz Hemsteg getroffen hat. Der 27-Jährige will Priester werden. Und befindet sich auf dem langen Weg dorthin unmittelbar vor der Ziellinie. Der Samstag vor Pfingsten ist im Bistum Limburg seit geraumer Zeit der übliche Weihe-Termin. Und dabei soll es trotz der Corona-Auflagen auch bleiben.

Moritz Hemsteg ist der einzige Kandidat, dem Bischof Georg Bätzing in diesem Jahr die Hände auflegen wird, um ihm das Weihe-Sakrament zu spenden. Das macht überdeutlich, dass nicht sehr viele Männer denselben Berufswunsch haben wie der junge Hofheimer. Schon vor dem Einser-Abitur an der Main-Taunus-Schule habe er Theologie studieren wollen, erinnert sich Hemsteg.

Vom Niederrhein ins Rhein-Main-Gebiet

Die eigene religiöse Musikalität, die Empfänglichkeit für das Spirituelle, hat er als kleiner Bub erstmals gespürt. Seine ersten Lebensjahre hat er in Wesel am Niederrhein verbracht, wo die Familie seines Vater seit Jahrhunderten zu Hause ist. Mit dem Großvater ging es ab und an sonntags zum Gottesdienst in ein Kloster. "Die Mönche dort fand ich sehr faszinierend", weiß Hemsteg noch, die besondere Atmosphäre habe zudem etwas bei ihm zum Schwingen gebracht.

Der Beruf des Vaters führte die Familie nach Hofheim, just als die Erstkommunion für Sohn Moritz vor der Tür stand. Seine Mutter habe ihm dann den Vorschlag gemacht, danach Messdiener zu werden, erzählt er. Die Gemeinschaft unter den Ministranten genauso wie die "sehr präsente Pfarrer-Figur", die er dort in Gestalt von Reinhold Kalteier erlebte, haben Anteil gehabt an den Wunsch, selbst an einer solchen positiv erlebten Kirche mitzubauen. Anders als viele Altersgenossen fand Moritz Hensteg schnell einen Zugang zur Eucharistiefeier. "Vor allem die Musik" sprach ihn an und alles, "was so die Seele erhebt", die Sinne anspreche, ein bisschen mystisch sei. Das bescherte dem Kantor einen neuen Orgelschüler.

Die Predigten seien erst mit der Zeit für ihn interessanter geworden, sagt der Priesteramts-Kandidat. Seit der Firmung habe er sich immer stärker für philosophische und andere geisteswissenschaftliche Fragen interessiert. Ob Priester nicht vielleicht ein Beruf für ihn wäre, diese Frage von Pfarrer Kalteier hat ihn dann nicht mehr losgelassen. Gleich nach dem Abitur ging Moritz Hemsteg zum Theologiestudium an die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Georgen und trat auch ins Priesterseminar ein.

Klar müsse er als Theologe nicht auch Priester sein, "aber für mich ging das nur zusammen". Knackpunkt für viele: Der obligatorisch mit der Weihe verbundene Zölibat. "Es war ein gewisser Prozess, zu verstehen, was es bedeutet, dass eine entscheidende Position leer bleibt im Leben", räumt Moritz Hemsteg ein. Die Familie, zu der zwei jüngere Schwestern gehören, und langjährige Freundinnen und Freunde, nicht zuletzt aus der Messdienerzeit in St. Peter und Paul, gehören für ihn unbedingt zu den "tragenden Beziehungen", die zu haben und zu halten dem Priesternachwuchs ausdrücklich geraten werde.

"Faszination am Evangelium"

Eine "bleibende Faszination am Evangelium" hat er während des Studiums bei sich festgestellt und viel Spaß an der Theologie entwickelt. Besonders das Jahr in Boston in den USA möchte der auch an wirtschaftlichen Fragen interessierte Moritz Hemsteg da nicht missen. Ein weiteres wichtiges Jahr verlebte er nach dem Magister im Bistum Münster. Es brachte ihm die Erkenntnis, dort zwar familiäre Wurzeln zu haben, am Ende aber doch im Bistum Limburg mit seiner synodalen Prägung längst zu Hause zu sein. Hier will Moritz Hemsteg nun Priester und nach der Kaplanszeit auch Pfarrer werden. Und Menschen eine Ahnung davon geben, was Jesus mit einem "Leben in Fülle" meint - im Hier und Jetzt und über den Tod hinaus. Dass es in jüngster Zeit viele Gründe gab, an der Kirche zu zweifeln, weiß der Hofheimer, der im Rahmen der Ausbildung zuletzt als Diakon in der Pfarrei Idstein gearbeitet hat. Aber die eigene gute Erfahrung und vor allem die Botschaft, um deren Vermittlung es am Ende doch geht, wiegen für ihn deutlich schwerer. Und so ist seine Berufswahl vor allem davon getragen, nicht durch eigene Gleichgültigkeit auch noch daran mitzuwirken, "dass das kirchliche Leben völlig zugrunde geht". Da will er lieber anpacken.

Info:

Es wird eine Priesterweihe unter besonderen Voraussetzungen. Denn der Limburger Dom wird nicht bestens gefüllt sein, singen wird nur eine kleine Schola, und die Handauflegung, der Weihe-Gestus schlechthin, bleibt allein dem Bischof vorbehalten. Immerhin: Der Weihrauch-Duft wird wohl stärker sein als der der Desinfektionsmittel - und Moritz Hemsteg findet es, nicht zuletzt im Sinne einer glaubwürdigen Kirche, nicht so verkehrt, dass Aufwand und Kosten für das Ereignis so kleiner ausfallen. Am Samstag, 30. Mai, 10 Uhr, ist die Weihe im Limburger Dom im Rahmen einer Eucharistiefeier vor rund 40 geladenen Gästen. Viele Menschen aus der Heimatgemeinde müssen also daheim bleiben und sich mit dem Live-Streaming auf www.bistum-limburg.de trösten. Die Primiz, die erste Messe, der ein Neugeweihter vorsteht, war für Pfingstsonntag in St. Peter und Paul geplant. Sie fällt genauso wie das anschließende Gemeindefest der aktuellen Situation zum Opfer. Einen Nachholtermin gibt es noch nicht . Barbara Schmidt

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