Architekt Hilmar Goedeking (r.) erklärte direkt vor Ort die Pläne zum Neubau der Stadtbücherei. Moderiert wurde das Bürgerforum von Professorin Ursula Stein (vorne Mitte).
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Architekt Hilmar Goedeking (r.) erklärte direkt vor Ort die Pläne zum Neubau der Stadtbücherei. Moderiert wurde das Bürgerforum von Professorin Ursula Stein (vorne Mitte).

Taunus-Sparkasse hat Vorvertrag unterzeichnet

Die Hofheimer sagen „So nicht!“

  • VonBarbara Schmidt
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Was kann überhaupt noch verändert werden? Das war die Frage vieler Bürger nach dem Bürgerforum zur Stadtbücherei.

So nicht. Das ist, auf den Punkt gebracht, was die übergroße Mehrheit der rund 100 Teilnehmer am ersten „Bürgerforum Stadtbücherei“ zum Ausdruck brachte. Wie schon während der gemeinsamen Sitzung aller Ausschüsse des Stadtparlaments im April, wurde dabei deutlich, dass es vor allem das von diesem bereits verabschiedete Nutzungskonzept für den geplanten Baukomplex ist, das abgelehnt wird. Denn der Beschluss gibt vor, dass am Nordrand des Kellereiplatzes 2758 Quadratmeter Nutzfläche für Bücherei, Gewerbe und möglicherweise Wohnen entstehen sollen. Damit ist das Ausmaß der Bebauung ebenso vorbestimmt, wie dessen Aufteilung. Und seit Mittwochabend gibt es eine weitere Vorbestimmung: Die Taunus-Sparkasse hat laut Bürgermeisterin Gisela Stang einen Vorvertrag als Ankermieter für 1400 Quadratmeter Gewerbefläche unterzeichnet.

„Ist es noch möglich, auf das Nutzungskonzept Einfluss zu nehmen?“, stellte Bettina Brestel, Altstadtbürgerin und im Ortsbeirat für die Grünen, nach gut einer Stunde Einführung in das Projekt daher gleich die für viele im Saal entscheidende Frage. Verhandelbar sei da nur noch ein Punkt, nämlich, ob in dem Komplex auch Wohnungen entstehen sollen, so zusammengefasst die Antwort, die Norman Diehl gab, Geschäftsführer der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB), die Bauherr werden soll. Das löste eine Welle von Wortmeldungen aus, die den Zeitplan für die auf drei Stunden angesetzte Abendveranstaltung kurz vor Ferienbeginn ins Wanken brachte. Ein Schwerpunkt: Die Reduzierung der Bücherei-Fläche von ehemals 1200 auf nun 758 Quadratmeter.

„Sie könnte noch größer sein, ja, das sagen wir alle“, hatte die Bürgermeisterin schon in ihrer Begrüßung eingeräumt. Aber sie sei den Stadtverordneten dankbar, dass diese trotz schwieriger finanzieller Zeiten überhaupt Ja gesagt habe zu einem Neubau. Die Stadt sei angetreten, eine Bücherei zu bauen. „Jetzt vergeben wir die größte Fläche an eine Bank, das ist nicht richtig,“ kritisierte dagegen eine Bürgerin. Auch Waldemar Haux, für die Grünen im Magistrat, fragte: „Wo bleibt dann am Ende der Bürgerwille?“, wenn man zwar eine Bücherei bauen wolle, um sie bezahlen zu können, aber zwei Drittel der Fläche für andere Zwecke erstelle. Norbert Preusche merkte an, im Grunde diskutiere man nicht über eine Stadtbücherei, sondern über eine wirtschaftlich ausgerichtete Immobilie. Daher dürfe der Ehrlichkeit halber auch nicht mehr von einem Projekt Stadtbücherei gesprochen werden.

Eine andere Bürgerin fragte, warum die Taunus-Sparkasse überhaupt neue Räume brauche. „Was passiert mit dem Gebäude, wo sie jetzt ist? Da haben wir dann Leerstand. Wir Bürger möchten gerne eine schöne Bücherei – vielleicht mit ein paar mehr Quadratmetern, sonst nichts.“ Ob dieser denn der Platz wirklich reiche, wurde noch gefragt. Die Antwort gab Architekt Hilmar Goedeking, der für die HWB die Vorbereitungsarbeit macht: Es sei die Verantwortung der Büchereileiterin, „dieses System so zurecht zu ziehen, dass es als Ganzes funktioniert.“ Dr. Erika Haindl mahnte: „Das ist kein Objekt, das man unter den gleichen Richtlinien betrachten muss wie eine Immobilie, die wirtschaftlich sein muss. Das ist eine soziale und kulturelle Aufgabe der Stadt“, so die Kulturanthropologin, die erinnerte, die Stadtverordnetenmehrheit habe auch erst durch die Bürger bewegt werden müssen, die Altstadt nicht abzureißen.

Das wies Andreas Nickel, Fraktionschef der FWG und Teil des Mehrheitsbündnisses, zurück. Die Stadtverordneten hätten eine Konzessionsentscheidung getroffen, bei nur drei Gegenstimmen. „Wir vertreten alle Hofheimer“, wies Nickel auf die Rolle des Parlaments in der repräsentativen Demokratie hin. Aus den Stadtteilen finde kaum jemand den Weg in die Bücherei in der Kernstadt. Das sei zu berücksichtigen bei deren Größe, und die Kosten für die Einrichtung müssten „verantwortbar“ sein, hielt er Haindl entgegen.

Auf Ingrid Schulz, Sprecherin der Bürgerinitiative Kellereiplatz, die noch einmal appelliert hatte, keine Wohnungen am Festplatz zu bauen, wegen möglicher Klagen gegen diesen, erwiderte Nickel. „Das ist ein Problem, das gar nicht existiert. “ Allerdings hatte der Magistrat nach Prüfung erklärt, ganz ausschließen könne man eine solche Klage nicht. „Einer reicht“, kommentierte ein Zwischenrufer entsprechend Nickels Behauptung, so jemand ziehe dort nicht ein.

Andreas Friedrich und Ralf Weber von der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt machten ihrerseits deutlich, nicht die Nutzung des Gebäudes sei das eigentliche Problem, sondern dessen Ausmaß. Und genau das sei durch den Stadtverordnetenbeschluss schon vorgegeben. Wenn sich daran nicht rütteln lasse, helfe auch die Kreativität der Architekten wenig.

Dass man in einem Bürgerforum noch einmal so grundsätzliches diskutiere, sei für sie „nicht die Regel“, merkte die für den erkrankten Roland Strunk eingesprungene Moderatorin Professor Ursula Stein an. Eigentlich hatte das Bürgerforum nur „Anregungen und Hinweise“ zum Projekt sammeln wollen (siehe Text unten). Es brachte aber auch die Erkenntnis, dass das Nutzungskonzept nach wie vor strittig ist. Stein: „Ich weiß nicht, ob da noch einmal eine politische Diskussion entsteht oder nicht.“

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